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Großes Interesse der Almbauern
Max Pfaffinger nach zehn Jahren verabschiedet

Aschau (hö) 23.3.02 – Gemeinsam hatten der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern (AVO) und die Bezirksalmbauernschaft Aschau zu einer Almbauernversammlung nach Höhenberg bei Aschau geladen. Der überaus zahlreiche Besuch verdeutlichte das Interesse am Alm-Leben und an der Alm-Arbeit, wie Bezirksvorsitzender Max Pfaffinger zu Beginn seiner Begrüßung im Cafe Pauli sagte. Sein besonderer Willkommensgruß galt neben den Vertretern des AVO auch den Bürgermeistern Kaspar Öttl aus Aschau und Lenz Steindlmüller aus Bernau. Viel Arbeit gab es im zurückliegenden Berichtsjahr. Wie Pfaffinger erläuterte, standen Besprechungen mit der Regierung von Oberbayern, mit den Ministerien, mit der Forstdirektion und weiteren Behörden im Mittelpunkt der Bemühungen.Von links: AVO-Geschäftsführer Michael Hinterstoißer, AVO-Vorsitzender Franz Steindlmüller, der scheidende Almbauer Max Pfaffinger und Bürgermeister Kaspar Öttl von der Gemeinde Aschau.

 Gar „Haarsträubende Erinnerungen“ habe Pfaffinger an die Anhörung im Bayerischen Landtag zur Erschließung bzw. zur Verhinderung der Erschließung der Rossalm im Geigelsteingebiet. Wie mehrfach im Verlaufe der Versammlung informiert wurde, gibt es zu diesem „Dauerbrenner“ nach wie vor Bemühungen auf dem Verhandlungswege. In diesem Zusammenhang erinnerte Franz Steindlmüller als Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, dem von der Zugspitze bis zum Watzmann 700 Almen angehören, daran, dass in Vereinbarung mit der Berufsgenossenschaft und mit Blick auf die Haftung für die Almleute die Almwege-Ausbauten mindestens 2,5 Meter breit sein müssen.

Gedenken für Helmut Silbernagl

33 Jahre war Helmut Silbernagl als Geschäftsführer für den AVO tätig. Zudem bemühte er sich fast vier Jahrzehnte bis zu seinem Tod vor wenigen Tagen um eine fundierte Herausgabe der Zeitschrift „Almbauer“. „Sein Fachwissen war von den obersten Amtsstuben bis zu den Almhütten hoch geschätzt!“, sagte Steindlmüller zum Tod von Silbernagl. „Er war es, der mit dem ehemaligen Regierungspräsidenten Raimund Eberle die wichtigen Almbegehungen ins Leben rief und der sich auch um die Josef-Ertl-Stiftung verdient gemacht hat!“, so Steindlmüller. Zum Fleiß von Silbernagl sagte er noch: „Wenn seine Überstunden Ziegelsteine gewesen wären, dann hätte er sich bestimmt ein zweites Haus bauen können!“. Franz Steindlmüller als oberster Almhüter für die 14 oberbayerischen Almbezirke ging in seinen Ausführungen auch auf die Arbeitsgemeinschaft „Bergbauernfragen“ sowie auf den Alm-Erhaltungs-Pakt ein. Zu den spärlichen Finanzen meinte er: „Die bisherigen Finanz-Fassl in den Ministerien sind ziemlich leer, da müssen wir einmal wieder ein neues Fassl anzapfen!“. Dabei meinte er vor allem das Umweltministerium, das bei vielen und teuren Maßnahmen nicht immer die Zustimmung der Almbauern findet. So unter anderem bei den Bio-Betrieben, die man jetzt auch auf den Almen einführen möchte. „Biologischer als auf den Almen geht´s ja nimmer. Wenn es soweit kommt, dass wir auf den Bergen Zäune errichten müssen, um die biologischen Tiere von den konventionellen Tieren trennen zu können, dann können wir gleich zusperren!“, sagte Steindlmüller.

Südostmesse in Rosenheim und Förderung in der Gemeinde Aschau

Auf Einladung des Landratsamtes Rosenheim werden die Almbauern heuer bei der Südost-Messe in Rosenheim präsent sein. Dabei sollen von den fünf Alm-Bezirken des Landkreises die Almwirtschafts-Informationen aus heutiger Sicht vermittelt werden. Die Almbegehung wird heuer am 1. August und der Almbauerntag wird am zweiten Sonntag im Oktober sein. Beide Veranstaltungen werden in Oberaudorf durchgeführt. Abschließend und sozusagen zu Beginn der Almsaison hatte Steindlmüller die Bitte, die almüblichen Ausschank-Vereinbarungen zu beachten. 

Bürgermeister Kaspar Öttl dankte seinem langjährigen Weggefährten Max Pfaffinger für dessen Arbeit zugunsten der Almleute und Bevölkerung im Priental. „Wenn wir uns bewusst sind, was wir an Kultur-Landschaft mit den Bauern und Almen haben, dann müssen wir neue Wege gehen!“, damit sprach Öttl die Ergebnisse einer gemeindlichen Leitbild-Beschreibung für die nächsten zehn Jahre an. Eines der unmittelbaren und aktuellen Ergebnisse ist, dass die Gemeinde Aschau erstmals im heurigen Jahr 2002 insgesamt 18.000 Euro aus Kurbeitrags-Erlösen für die Land- und Almwirtschaft im Priental zur Verfügung stellt. Dies ist als Gegenleistung für die Tourismus-Erschwernisse begründet. Zu dieser Bekanntgabe gab es natürlich großen Beifall der versammelten Almleute.

Max Pfaffinger (re.) wird nach zehn Jahren als Bezirksalmbauer von Aschau von Franz Steindlmüller verabschiedet.Max Pfaffinger geht in den Ruhestand – Jakob Müller übernimmt Führung

Bei den Neuwahlen gab es einen Führungswechsel: aus Alters- und Gesundheitsgründen stellte sich nach zehn Jahren Max Pfaffinger nicht mehr für das Amt des Bezirksalmbauern für das Aschauer Gebiet mit den Bereichen Sachrang, Aschau, Frasdorf, Wildenwart und Prien zur Verfügung. Zur Nachfolge bereit erklärte sich Jakob Müller aus Aufing. Der 41jährige Bauer aus Bernau mit Weideberechtigung auf der Steinling-Alm wurde in geheimer Wahl einstimmig wiedergewählt. Bestätigt im Amt des Stellvertreters wurde Martin Thaurer aus Aschau, der bereits seit 1986 in dieser Aufgabe tätig ist. Die Wahlen leitete Michael Hinterstoißer als Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. Hinterstoißer zeigte im Anschluß an die Versammlung noch herrliche Aufnahmen von der  20. Internationalen Almwirtschaftstagung 2000 in Lenggries und von weiteren Alm-Erlebnissen.

Fotos: Hötzelsperger

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