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Katholische Unternehmer befassen sich mit dem Dialog zwischen jüdischem und christlichem Glauben helfen
Herbsttagung im Kloster Frauenchiemsee mit Prof. Michael Wolffsohn

Frauenchiemsee (hö) – „Katholiken und Juden – Dialog ohne Anfang am  Ende?“ – diese Frage stand im Mittelpunkt zweier Vorträge im Kloster von Frauenchiemsee, das bereits zum zweiten Male Ziel und Treffpunkt für die Mitglieder der süddeutschen Gruppen des Bundes Katholischer Unternehmer Empfang von Prof. Wolffsohn: v.l.n.r.: Helmut Linnenbrink, Vorsitzender der BKU-Diözesan-Gruppe München-Freising, Äbtissin Domitilla Veith von Frauenchiemsee, Prof. Michael Wolffsohn, Dr. Michael Elsen, Direktor der Steiner Brauerei und Vorstandsmitglied der Chiemgau-BKU-Initiativ-Gruppe. (BKU) war. „Der Zeitpunkt der Dialog-Suche hätte aus dramatischen Gründen des 11. September nicht aktueller sein können und die Örtlichkeit als Herz des christlichen Chiemgaues könnte zudem nicht schöner sein!“ – mit diesen Worten eröffnete Helmut Linnenbrink als Vorsitzender des rund 100 Mitglieder starken Diözesan-Verbandes München-Freising die Tagung bei der Bezirksgruppe Rosenheim-Traunstein-Berchtesgadener Land (Chiemgau). Äbtissin Domitilla Veith erläuterte als Gastgeberin die derzeit erfolgreichen Veränderungen im Kloster von Frauenchiemsee. „Großherzige Unternehmer und enorme Hilfe zur Selbsthilfe haben uns in wirtschaftlichen Fragen enorm vorwärtsgebracht. Derzeit haben wir eine sehr gute Auslastung des Tagungsbereiches in unserem Kloster!“ – so die Äbtissin zu den etwa 60 Hans-Peter Czech, Unternehmensberater Rosenheim und Vorstandsmitglieder der Chiemgau-BKU-Initiativ-Gruppe, Äbtissin Domitilla Veith, Dr. Michael Elsen, Stein und Helmut Linnenbrink, Vorsitzender BKU-München-Freising. anwesenden Unternehmern und zum ebenfalls anwesenden Landtagsabgeordneten Adolf Dinglreiter als Vorsitzenden des Verkehrs- und Tourismus-Ausschußes im Bayerischen Landtag. Für die Initiativgruppe Chiemgau des BKU bereiteten Hans-Peter Czech, Rosenheimer Unternehmensberater und Dr. Michael Elsen, Direktor der Steiner Brauerei das Treffen auf der Fraueninsel vor, dessen Programm auch einen Gottesdienst im Münster mit Prof. Dr. Stöckle zum Inhalt hatte.

Annäherung in Dialogfragen zwischen katholischer und jüdischer Lehre

Hauptthema der Tagung war das Verhältnis des christlichen zum jüdischen Glauben. Als Referenten gelang es den BKU-Verantwortlichen, Prof. Michael Wolffsohn und Dr. Thomas Brechenmacher von der Bundeswehr-Universität München zu gewinnen. „Der Dialog ist nur scheinbar ein interreligiöses Zweigespräch. In Wirklichkeit war und ist es ein politischer Dialog. Aber auch darin liegt eine Chance!“ sagte Prof. Wolffsohn. „Die einzige bisherige Prof. Michael Wolffsohn (li.) wird von Helmut Linnenbrink empfangen. Übereinstimmung ist, dass man sich bei aller Toleranz nicht verständigen konnte!“ – so der mehrfache Buch-Verfasser zu Themen der jüdisch-deutschen Verständigung. „Der Christ muß an Jesus glauben, doch Jesus verbindet und trennt bei Dialog-Bemühungen bislang gleichermaßen, so dass man sich bisher nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen konnte. Und dieser Nenner ist, dass man jeder Glaubensrichtung seinen eigenen Weg gehen lässt – denn beide haben Gott Vater als gleiches Ziel“ - resümierte der Jude.

Deutlich geworden ist dies am Terror-Tag des 11. September. Nach dem Anschlag hörte man vielfach vom alt-testamentarischen Satz „Auge um Auge – Zahn um Zahn!“. Die Leute von heute verbinden diesen Satz nach Ausführungen der Referenten mit Haß, Rache und Vergeltung. Doch richtig interpretiert bedeutet er die Verhältnismäßigkeit von Tat und Strafe. „Ohne erkennbaren Anfang Ja – am Ende Nein!“ – so beantwortete Dr. Brechenmacher die gestellte Tagungs-Frage nach dem Dialog zwischen Juden und Christen. Die Gruppen-Aufnahme im klösterlichen Innenhof von Frauenchiemsee. Verständigung erfordert auch von der Katholischen Kirche fleißige Arbeit. Das in ihr gewandelte Denken nach dem Holocaust ist dienlich für fortan zu führende Diskussionen und Gespräche. Auch wenn Vieles erst in die Nähe eines Dialog-Anfanges gerückt ist, erhoffen sich die Fachleute und nach den Vorträgen auch die BKU-Mitglieder nicht zuletzt durch das gemeinsam erlittene Schicksal der amerikanischen Terror-Greueltaten eine Aktivierung der beiderseits vorhandenen Bemühungen zur Annäherung.

Gruppen-Aufnahme im klösterlichen Innenhof von FrauenchiemseDer Bund Katholischer Unternehmer ist im übrigen der einzige deutsche Verband katholischer Unternehmer mit der Verpflichtung zur christlichen Soziallehre. Die verschiedenen Veranstaltungen im Jahreslauf sowie auf Landes- und Bezirksebene dienen diesem Ansinnen ebenso wie die nunmehr zur festen Einrichtung gewordene Veranstaltung im Kloster von Frauenchiemsee. In enger Kooperation mit dem Wirtschaftsbeirat der Union stellt man sich wirtschaftlichen und katholischen Themen geradeso wie der Verständigung in Sozial-, Wirtschafts- und Glaubensfragen. Nähere Auskünfte zu Mitgliedschaften und Aktivitäten der Initiativgruppe Chiemgau (Rosenheim-Traunstein-Berchtesgadener Land) gibt es bei Hans-Peter Czech, in Rosenheim, Telefon 08031-67117, Fax 08031-67136.  

Fotos: Hötzelsperger

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