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Der Chiemseemörder
Was geht am Chiemsee vor?

Bericht 1 vom 1.Juni 2001

Heute Morgen, so gegen 3 Uhr, erhielt ich einen mysteriösen Anruf.
Düdl Dü, Düdl Dü, wie die neuen Telefone eben so klingen.
Mit total verschlafener Stimme sprach ich:
„Hallo! Wer spricht?“
Ich hörte erst mal ein Knacken und ein Rauschen. Ich wiederholte meine Ansage:
„Hallo, wer spricht da?“
Und wieder hörte ich dieses Rauschen, das sich anhörte wie Wellenrauschen. Auch eine Stimme, welche versuchte sich zu formieren und verständlich zu werden.
Ich sprach: „Ja hallo, wer spricht da?“
Eine verstörte junge männliche Stimme versuchte mir etwas mitzuteilen. Begleitet von Rauschen und Knacken im Telefon, verstand ich keine Wort.
„Hallo, wer ist da? Sprechen Sie etwas langsamer und beruhigen Sie sich. Ich kann kein Wort verstehen.
Nach einer kurzen Pause, in der ich deutlich das Wellengeplätscher von einem See hörte und erheblicher Lärm von einer viel befahrenen Straße zu hören ist, kamen endlich deutlichere Worte durch die Leitung.
„Ich möchte... ein Verbrechen melden... hier... hier am See... am Chiemsee! Am Strand! Ganz in der Nähe... vom Dampfersteg!“ sagte mir die aufgeregte junge männliche Stimme.
„Ein Verbrechen?“ rief ich in den Hörer zurück, und war verwundert, dass ausgerechnet mich das interessieren sollte.
„Ja, einen... Mord!“
„Einen Mord?“ fragte ich zurück; wie kommen Sie auf einen Mord und was hat das mit mir zu tun?“ war meine Antwort.
Mit inzwischen etwas beruhigter Stimme sagte der Mann am Telefon:
„Ja! Ich hörte eine Frau um Hilfe schreien und bin sofort den Hilferufen nachgelaufen! Kurz vor dem Dampfersteg sah ich... wie eine Person wie wild auf eine Frau einschlug... oder einstach!“ sagte die Stimme am Telefon zu mir.
„Die Hilferufe wurden mit jedem Schlag... oder Stich... leiser! Und dann war Stille!“
Ich fragte: „Und was geschah dann?“
„Die Person ließ dann die inzwischen zusammengesackte Frau vom Steg ins Wasser fallen! Aber ich hörte kein aufplatschen auf dem Wasser... sondern ein lautes Poltern!“ sagte er weiter. „Dann sprang diese Person auch hinunter und es polterte wieder!“ sagte er!
Ich fragte: „Und was geschah dann weiter?“
„Ich lief bis zum Steg und sah nur noch, wie ein Boot auf den See hinaus fuhr und im Dunkeln verschwand!“ sagte der junge Mann. „Dann lief ich hier her zur Telefonzelle, um diesen Vorfall zu melden!“
Ich sagte: „Das war gut, dass Sie das gemacht haben, aber Sie sollten lieber die Polizei anrufen als mich!“
„Was... Sie sind nicht die Polizei..?“ und legte sofort auf.

Ist hier das Verbrechen passiert?

Sehr mysteriös, dachte ich mir und legte mich wieder ins Bett, aus dem mich dieser nächtliche Anrufer jäh gerissen hatte. Ich konnte aber kein Auge zutun. Immer wieder hörte ich die junge, aufgeregte männliche Stimme am anderen Ende der Telefonleitung. Immer wieder gehen mir die Worte, Verbrechen und sogar Mord durch den Kopf. Irgendwann schlief ich dann doch noch ein.
Am nächsten Morgen rief ich auch gleich die Polizei an und fragte nach diesem Anrufer, welcher mir die Nacht so aufregend gestaltet hatte.
Dort wusste man nichts von einem nächtlichen Anrufer. Auch nach Rücksprachen mit einigen Kollegen welche die Nachtschicht hatten, war nichts bekannt von einem Anruf oder gar einem Verbrechen.
Nachdem ich der Polizei die ganze nächtliche Telefonaktion erzählt und bis ins Detail erklärt hatte, sagten sie zu mir, ich solle mich doch für weitere Befragungen zur Verfügung halten. Sie, die Polizei wird der Sache nachgehen. Jetzt hat mich das vermeintliche Verbrechen neugierig gemacht. Ich glaube ich gehe dieser Sache doch einmal selber nach. Aber wo fängt man an? Wie würde die Polizei recherchieren? Was wissen wir? Wo kann das geschehen sein? Fragen über Fragen! Wir werden sehen! Ich gehe diesem "Verbrechen" jedenfalls nach.

fw. für derChiemgauer.de

Lesen Sie  nächste Woche wie es weiter geht.  

Bericht 2 vom 15.Juni 2001

Wenn ich das Telefongespräch noch einmal durchgehe, dann kann ich folgende Fakten herausfiltern.

  1. Hier ist die Rede vom Chiemsee.
  2. Es geht um einen Dampfersteg,
  3. eine Telefonzelle ganz in der Nähe von dem Dampfersteg
  4. und um Wellengeräusche sowie Lärm von Fahrzeugen wie auf einer stark befahrenen Straße..

Diese Fakten sollten eigentlich weiterhelfen. Ich setzte mich ins Auto und machte mich auf den Weg um den Chiemsee.
In Prien habe ich begonnen und mir die Dampferstege angesehen. Hier sind aber viele Dampferstege zu sehen. Nein, sagte ich mir. Das kann es wohl nicht sein. Viele Stege und kein Fahrzeuglärm. Es ist nicht einmal eine große Straße in der Nähe.
Meine Suche geht weiter. Aber auch Breitbrunn scheidet aus, denn hier ist eine Fährenanlegestelle und kein Dampfersteg. Nein, wieder Fehlanzeige. In Gstadt haben wir zwar einen Dampfersteg und eine Straße in der Nähe, aber der Lärm von der Straße hält sich in Grenzen. Auch ist der Steg gut einsehbar. Eine Telefonzelle findet man zwar fast überall, aber auch hier hab ich das Gefühl, dass das Verbrechen nicht stattgefunden hat.
Mein Weg führte mich weiter über Gollenshausen, Fehlanzeige, nach Seebruck.
Dampfersteg vorhanden, Telefonzellen vorhanden. Auch eine Straße welche direkt am See entlang führt haben wir hier, aber auch hier fehlt mir der Straßenlärm im Hintergrund.
Nein, sag ich mir. Das war es auch nicht.
Der nächste Dampfersteg ist erst wieder in Chieming. Aber auch hier Fehlanzeige. Kein Fahrzeuglärm usw. usw.
Grabenstätt kein Dampfersteg, Übersee weit weg vom Autolärm.
Bernau/Felden! Hier ist ein Dampfersteg, hier sind Telefonzellen, Wellengeräusche sowie reichlich Autolärm von der nahen Autobahn. Hier hab ich das Gefühl an der richtigen Stelle zu sein.

Hier muss es geschehen sein.


Ich ging auf dem Dampfersteg auf und ab, um nach irgendwelchen Zeichen zu sehen, die auf eine Tat oder Ähnliches hinweisen könnten.
Leider Fehlanzeige! Muss entweder der Regen weggespült haben oder es fand kein Verbrechen statt, oder aber es gab gar keine Spuren.
Ich gehe in Gedanken das von dem Unbekannten erzählte noch einmal durch.
Er sah, wie dieser auf eine Frau einstach und diese dann vom Steg in ein Boot stieß. Danach fuhr er mit dem Boot hinaus.
Boot! Genau, das Boot war es. Ich gehe zum nächsten Bootsverleiher und frage, ob nicht ein Boot gestohlen wurde.
Beim nächsten Bootsverleiher angekommen, fragte ich den sommerlich angezogenen, gut gebräunten Mann, welcher gerade ein Boot an zwei Urlaubern vermietet hatte, ob er  etwas von einem gestohlenen Boot weiß.
Dieser verneinte und verwies mich an seinen Kollegen nebenan.
Auch hier weiß der Kollege nichts von einem Bootsdiebstahl. Er meinte jedoch, dass Bootsdiebstähle schon des öfteren vorgekommen sind, die Boote aber immer irgendwo am Chiemsee wieder gefunden wurden.
Diese Antwort war zwar recht interessant, aber hilft mir momentan auch nicht weiter.
„Aber, welches Boot könnte beim reinspringen ein polterndes Geräusch hinterlassen“; fragte ich den Mann, der mich ganz verduzt auf diese Frage hin anschaute und antwortete: „Das könnte eigentlich nur ein Holzboot sein!“
„Das heißt, dass es ein Ruderboot aber auch ein Elektroboot sein könnte?“ fragte ich den guten Mann weiter. Dieser antwortete; „da haben Sie vollkommen recht!“
„Sie könnten alle Bootsverleiher am Chiemsee anrufen,“ meinte der Mann weiter„  um so herauszufinden, ob irgendwo ein Boot abgeht!“
Ich bedankte mich für diesen Tipp und ging wieder zu meinem Auto zurück, mit den Gedanken es weiter mit anrufen zu versuchen.

fw. für derChiemgauer.de

Lesen Sie  nächste Woche wie es weiter geht.  

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