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Seit zehn Jahren erfolgreiche Sucht-Präventions-Arbeit im „Rosenheimer Anti-Drogen-Modell“
Bayernweiter Ausbau der Einrichtung scheitert zum Teil an Bereitschaften – Enorme Ersparnis für die öffentliche Hand

Rosenheim (hö) 2.4.02 – Seit zehn Jahren gibt es im Landkreis Rosenheim mit dem „Anti-Drogen-Modell“ eine vernetzte Sucht-Präventionsarbeit. Vorher waren lediglich zwei Institutionen, (Polizei und Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes) in einer engen Zusammenarbeit in Bezug auf die Prävention. Als Anfang der Neunziger Jahre der Raum Rosenheim mit überdurchschnittlich vielen Drogentoten aufwartete, kam es auch zu den Ansätzen für die Gründung des „Rosenheimer Anti-Drogen-Modells“. Inzwischen gingen von diesem Modell bayernweit Nachfolge-Initiativen aus. Und schließlich kam es aus den Rosenheimer Reihen zu zwei weiteren Projekten: 1999 wurde das Kindergarten-Projekt „L.O.S“ (Leben ohne Sucht) begonnen und im Vorjahr 2001 wurden die Rosenheimer vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit beauftragt, das Anti-Drogen-Modell bayernweit zu initiieren und zu koordinieren.

Trotz der Beratungs- und Achtungserfolge plagen die Verantwortlichen jedoch einige Sorgen. Davon soll dieser Bericht zeugen. Er entstand bei einem Besuch von Zweiten Vorsitzenden und Geschäftsführer Anton Flunger, der mit seiner Beratungsstelle „clean is in“ im Logistik- und Kompetenz-Zentrum von Prien ein Büro hat.

Der Erfolg des „Rosenheimer Anti-Drogen-Modells“ liegt sicher auch im ehrenamtlichen Engagement zahlreicher Mitglieder. Vereinsvorsitzender ist Landtagsabgeordneter Adolf Dinglreiter und die Arbeit des Schriftführers übt Ludwig Schierghofer, „Hagelflieger“ von Vogtareuth aus. Weitere Stützen in der fachlichen und praktischen Arbeit des Vereins sind von Anfang an der Priener Gemeinderat und Apotheker Dr. Herbert Reuther sowie Ernst Aschenbrenner als Leiter des Rauschgift-Einsatz-Kommandos von der Kripo in Rosenheim. Neben den privaten Mitgliedern und Förderern sowie den genannten starken Persönlichkeiten, die sich in die Modell-Arbeit einbringen, sind es noch die Gemeinden des Landkreises, die eine enorme Stütze darstellen. Die Kommunen stellen nicht nur eine freiwillige Finanzierungshilfe dar, sondern sie sind auch wichtig bei der Durchführung von Informationsveranstaltungen und Aktionen (zum Beispiel in Kindergärten und Schulen). Insgesamt kommen von den Gemeinden und von den „normalen“ Mitgliedern (der Beitrag für den Verein liegt bei rund 25 Euro) sowie dank mancher „Privater“ Spender und aufgrund von Gerichts-Auflagen rund 10.000 Euro zusammen. 

Anton Flunger beim Studium aktueller Berichte zum Thema Sucht in seinem Büro im Logistik-Kompetenz-Zentrum von Prien.

„Leben ohne Sucht“ – ein Förderprojekt der Rotarier aus dem Chiemgau

Für das Projekt „Leben ohne Sucht“ gibt es eine spezielle Sponsoring-Vereinbarung mit den Rotary-Clubs aus dem Landkreis Rosenheim sowie aus dem gesamten Raum Chiemsee. Dank der Rotarier steht für dieses Projekt eine Halbtages-Stelle für drei Jahre zur Verfügung. Margit Struve hat als Angestellte beim „Rosenheimer Anti-Drogen-Modell“ einen modernen Heimarbeits-Platz und ist in der Sache begründet natürlich viel unterwegs. Aufgrund der guten Erfolge und nicht zuletzt, weil sich sowohl das „Anti-Drogen-Modell“ als auch das „Leben-ohne-Sucht-Modell“ auf eigene finanzielle Beine stellen konnten, kam die Bitte aus dem Verbraucher-Schutz-Ministerium, die Projekte über ganz Bayern zu verbreiten. Das „Anti-Drogen-Modell“ läuft in sehr guter Weise inzwischen im Landkreis Regen namens „Böhmwind e.V.“ und etwas abgeschwächt auch schon in Bayreuth („Freiraum e.V.“), Ingolstadt und Augsburg. Eigentlich ein Glücksfall für die jeweiligen Regierungen der Bezirke. Denn wo es kein Präventions-Modell gibt, wird mit den Kosten die zuständige Regierung in die Pflicht genommen. So hat sich zum Beispiel in den letzten zehn Jahren die Regierung von Oberbayern aufgrund der Rosenheimer Initiative insgesamt rund 100.000 Euro gespart. Und Rosenheim ist nur ein Landkreis! Eine wichtige Rolle kommt dabei dem Rosenheimer Landrat Dr. Max Gimple zu. Er ist als Vorsitzender des Oberbayerischen Landkreistages für insgesamt 20 Landkreise verantwortlich und kann so seine Rosenheimer Erfolgs-Erfahrungen auch in anderen Landkreisen zur Verfügung stellen.

„Niederbayern haben bislang am stärksten angepackt!“ – erste Erfahrungen von Anton Flunger

Anton Flunger als Beauftragter für die Verbreitung des erfolgreichen Projektes hat bisher unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. „Mit Abstand am besten reagiert haben die Niederbayern. Bei einer Veranstaltung in Landshut kamen insgesamt 20 Verantwortliche der verschiedenen Landkreise“, so Flunger. Ein weiteres Informations-Gespräch war in Würzburg beim Regierungsbezirk Unterfranken sowie bei den Schwaben in Augsburg. „Zum Teil ist Interesse da, zum Teil aber nicht, weil entweder die richtigen Leute fehlen oder weil zu wenig Druck da ist“ sagte Flunger. Er meint damit, dass die Finanzierungskosten der Drogen-Präventions-Arbeit über die Regierungen sowieso abgesichert sind und dass sich manche die Mühen einer Projekt-Initiative einfach sparen. „Ohne Engagement der kommunalen und übergeordneten Politik können wir nicht vorwärts kommen“, so Flunger. Aus diesem Grunde wird er demnächst bei Oberbayerns Regierungs-Präsidenten Werner-Hans Böhm vorstellig werden. Schließlich gibt es allein in Oberbayern noch viele Landkreise auf der weißen Landkarte, die mithelfen könnten, den Sucht-Kranken und Sucht-Gefährdeten noch effektiver zu helfen. Bei erfolgreicher Projekt-Gründung bewirkt dies noch zusätzlich eine Riesen-Ersparnis für die öffentliche Hand. Das wären nach Meinung von Anton Flunger ausreichend Argumente, dass man seiner und seiner Mitstreiter gute Arbeit noch mehr Aufmerksamkeit schenkt.

Nähere Informationen zum „Anti-Drogen-Modell“ Rosenheim und zum Projekt „Leben ohne Sucht“ gibt es bei Anton Flunger, Telefon 0170-5703433.

Foto: Hötzelsperger

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