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Aschaus neuer Ehrenbürger Baron von Cramer-Klett erinnert sich an weihnachtliche Geschichten
Zwei Tage vor Heilig Abend trafen wir den Baron in seinem Wohnhaus

Aschau i. Chiemgau (hö) – „Die Tage sind kürzer, die Leute sind mehr und in der Regel war in den vergangenen Jahren der Winter auch nicht mehr was er früher war!“ – mit diesen „Rahmenbedingungen“ erläutert Baron Rasso von Cramer-Klett die Begründung, wieso er in vielen Jahren vor dem heurigen Schneewinter zu zwischenzeitlichen Freuden und Freunden nach Arosa  in der Schweiz ausreiste. Doch nicht nur das Wetter und Panorama, sondern auch gute andere Gründe veranlassten den neuen Ehrenbürger der Gemeinde Aschau i. Chiemgau, heuer im eigenen Weihnachts-Lande zu bleiben.

 Beispiel einer handgefertigten Weihnachts-Grußkarte von Vater Ludwig Benedikt Baron von Cramer-Klett.Zwei Tage vor Heilig Abend trafen wir den Baron in seinem Wohnhaus zu Füßen der tief verschneiten Burg Hohenaschau und mit Blick auf die Kampenwand an. Tee und Kaffee bestimmten den Duft der warmen Stube. Vielerlei Erinnerungsstücke taten ihr übriges. In einem sympathischen Umfeld erzählte Baron von Cramer-Klett, wieso er heuer erst nach den Weihnachtsfeiertagen zu den Verwandten seiner Frau und zu seinen Freunden in die Schweiz reisen wird. Außerdem erinnerte er sich an ganz spezielle Weihnachts-Erlebnisse.

Vater Ludwig Baron von Cramer-Klett hat sich viel mit Jagd- und Heimatgeschichten auseinandergesetzt. Dass sich heuer bei verschiedenen Weihnachtsfeiern in Aschau die Heimatfreunde oder die Bäuerinnen mit den immerwährend gültigen Geschichten des „alten“ Barons unterhielten ließen, freute Baron Rasso sichtlich. „Als ich 1954 von meinem ersten Internatsaufenthalt in der Schweiz zu den Weihnachtsferien nach Aschau heimkehrte, brachte ich einen Füllfederhalter als Geschenk für meinen Vater mit. Dieser wurde zu seinem Lieblingsschreibzeug für mehrere Jahrzehnte und auch zur Grundlage vieler Bücher!“ – so freut er sich noch heute über das damals gut wirkende Weihnachtsgeschenk. Auf die Frage, wie damals Weihnachten im Hause der mächtigen Barons-Familie ablief, erzählt er bereitwillig und genau:

Baron Rasso von Cramer-Klett auf der Terrasse seines Hauses mit Blick auf die Burg Hohenaschau.Heilig-Abend-Erinnerungen des Barons

„Schon in den Adventtagen waren wir gierig nach den Abenden mit unserem Vater. Er erzählte uns viel und ließ uns teilhaben an der Fertigung von seinen damalig raren Weihnachtskarten, die er selbst gestaltete, zuweilen kolorierte und an ganz ausgewählte Freunde gab oder verschickte. Zum Beispiel eine Karte mit Tieren und Pflanzen in Zuordnung zum Jahreslauf. Kurz vor Weihnachten waren wir mit Anspannung dabei, wenn in der Brauerei die Weihnachtsfeier war. Schließlich hielt der Vater immer eine vielbeachtete Ansprache. Außerdem wurde das nach dem Krieg angeordnete Gesetz zur Herstellung eines sogenannten Dünnbieres vorübergehend außer Kraft gesetzt und anständiges Bier wurde zur Feier der Zeit kredenzt. Im eigenen Hause wurden gleich drei Christbäume vorbereitet und entsprechend war die Bescherung. Der erste Christbaum mit silbernen Kugeln, Lametta und weißen Kerzen stand in der Eingangshalle vom Haus meiner Eltern. Dort fand auch die erste Beschenkung aller Mitarbeiter des Hauses statt. Die zweite Bescherung war in unserem Kinderzimmer im zweiten Stock. Höhepunkt war stets der viele Jahre immer wieder auf das Neue her- und eingerichtete Kaufladen. Der bunte Christbaum war uns eine ganz besondere Freude. Im Wohnzimmer der Eltern gab es dann einen dritten Christbaum, der mit roten Äpfeln und roten Kerzen eine besondere Wirkung hatte. Meine Eltern Margarete und Ludwig hatten wahrlich ein Gespür wie sie mich und meine vier Schwestern in den Bann des Weihnachtsfestes holen konnten!“.

Weihnachtsfreuden waren zugleich Jagdfreuden Der Baron in seiner guten Stube.

Weihnachten war und ist für Baron von Cramer-Klett aber nicht nur ein Fest der Feiern, Geschenke und Ferien. Als leidenschaftlicher Jäger findet er zu dieser Zeit auch immer wieder Gelegenheit, der Natur auf der Spur zu sein. „Auch wenn ich die wenigen Hasen, die man noch zu Gesicht bekommt, laufen lasse und wenn die Gemeinschafts-Jagden aufgrund rückläufiger Tierbestände abgenommen haben, so kann ich doch in der freien Landschaft und in der Ausübung der Jagd viel Erfüllung finden!“. Dies sagt der Baron auch in Übereinstimmung mit der Tatsache, dass er die hohe Verantwortung für seine ihm anvertrauten Wälder zu einem guten Teil einem Berufsjäger übertragen hat und als einer der wenigen Privaten in Bayern auch einen Berufsjäger-Lehrling eingestellt hat.

Der Baron beim heurigen Christbaum-Herrichten.Heuer reut es den Baron gar nicht, erst nach den Feiertagen zu den Angehörigen seiner Frau und zu seinen inzwischen recht zahlreich gewordenen Freunden in die Schweiz zu fahren. „Viele und vor allem die älteren Aschauer wissen, dass ich mir das ehemalige Rentmeisterhaus meines Vaters zu einem gemütlichen Wohnhaus hergerichtet habe. Im Hause meines Vaters konnten wir mit schönem Erfolg und dank starker Einsatzfreude meiner Frau Peggy die Sommer-Akademie von Aschau ins Leben rufen!“. Damit erklärt sich auch der kulturelle Brückenschlag zum Verein „Kunst und Kultur“, dem Baron von Cramer-Klett seit seiner Gründung vor zehn Jahren voransteht. Weniger bekannt als diese Vereinstätigkeit ist die Aufgabe als oberbayerischer Obmann im Verbund des Vereins der Deutschen Wachtel-Hunde. „Vielleicht gelingt es mir, im Jahr 2004 anläßlich des 100jährigen Bestehens dieses Verbandes eine Versammlung mit gut 600 Personen nach Aschau und in den Chiemgau zu holen!“ – so der Baron mit Blick auf die frisch verschneite Landschaft und mit sichtbarer Vorfreude auf die bevorstehenden Weihnachtstage in seinem Hause im Kreise der Familie.

Fotos: Hötzelsperger

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