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Rechtsanwalt, Kirchenbeauftragter, Journalist und Politik-Berater
Hans-Joachim Göhring kann am 22. April in Aschau seinen 90. Geburtstag feiern und auf enormes Lebenswerk zurückblicken

Aschau (hö) 20.4.02 – Wenn am Montag, 22. April der Aschauer Bürger Hans-Joachim Göhring seinen 90. Geburtstag feiern kann, dann kann er auf ein außergewöhnliches Lebens- und Berufswerk zurückblicken. In einer umfassenden und großen Mappe sind die Stationen und Höhepunkte einer Karriere als Rechtsanwalt, Politik-Berater, Kirchenbeauftragter und Journalist zusammengestellt. Heute genießt Göhring den Rückblick in die Zeiten aktiver Mitgestaltung der Gesellschaft und sein Zuhause in der Engerndorferstraße von Aschau. Ruhe und erfüllte Zufriedenheit sind nach dem Tod seiner Frau für Göhring das Wichtigste geworden. 

Hans-Joachim Göhring in seinem Haus kurz vor seinem 90. Geburtstag.In seiner Mappe, die er als gedrucktes Leben von ihm über ihn bezeichnete, finden sich viele Besonderheiten. Viele Fächer interessierten den Studenten von Marburg, Heidelberg und Berlin. Dem 1931 begonnenen Studium folgten kriegsbedingte Panzereinsätze in Russland sowie eine eigene Praxis in Düsseldorf. Schon bald wurde er Justitiar der FDP. Als „Gegner der Roten“ war er unter anderem mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel eng befreundet. Einmal besuchte ihn Scheel in Aschau. Einen ganzen Tag lang dauerten die Beratungen in Göhrings Haus. „Als die FDP mit der SPD eine Regierungs-Koalition einging, war es aus mit meiner Arbeit für die FDP“, so der liberale und konsequente Jurist. Bundesweit bekannt wurde Göhring als Verfasser von Familien- und Scheidungsrechts-Büchern. So wurde der Ruhestand wahrhaft nichts Ruhiges. „Über 100.000 mal wurden meine insgesamt vier Bücher in mehreren Auflagen gedruckt. Und immer mit dem Hinweis, dass der Verfasser in Aschau i. Chiemgau wohnt“, damit konnte er sozusagen noch beiläufig etwas für den Tourismus in Aschau tun. Zahlreiche Leute besuchten Göhring in Aschau und baten um Rat. „Die Scheidung und ihre Folgen“ war einer der Bestseller. Im übrigen hatte sich Göhring sehr oft um die Zukunft gesorgt. So verfasste er bereits 1968 einen Fach-Artikel zu den Wahlen und schon damals sagte er: „Die größte Gefahr für die Demokratie kommt in Form der immer größer werdenden Partei der Nicht-Wähler“ - worin er 34 Jahre später wieder einmal bestätigt worden ist. Denn auch in seiner Wahlheimat Aschau ging ein Drittel der Bürgerinnen und Bürger vor wenigen Wochen nicht mit zur Wahlurne.

Seit 1955 Festtage zu Weihnachten in den Bergen verbracht  

Seit Dezember 1955 verbrachte Hans-Joachim Göhring alle Festtage zwischen Weihnachten und Silvester in Aschau. Das erste Mal im Gasthaus „Zum Bahnhof“ der Wirtsfamilie Öttl. „Damals lernte ich schon den heutigen Bürgermeister Kaspar Öttl kennen. Weitere Übernachtungs-Stationen vor dem endgültigen Einzug in das eigene Haus waren der Gasthof „Kampenwand“ und der Gasthof „Zur Post“ auf dem Kirchberg (heutige Residenz Winkler). Auch noch im Ruhestand kam man auf die Fachkenntnisse von Göhring zu. Als Anfang der 70er Jahre ein neues Scheidungsrecht anstand, bat man ihn zur Universität München. Über 1.000 Studentinnen und Studenten kamen dabei zu Kursen in den Hörsaal, um sich als Anwälte ausbilden zu lassen. Rund 300 Vorträge hielt Göhring in ganz Deutschland von der Ostsee bis Oberbayern und gerne auch in Aschau bei der von ihm hochgeschätzten Frau Gertrud Stahmer. Ehe- und Erziehungsfragen wurden von ihm auch in bundesweiten Veröffentlichungen geschätzt. Als Leiter des Deutschen Evangelischen Kirchentages 1965 in Köln war er ein enger Vertrauter von Dr. Richard von Weizsäcker. Geschätzt waren seine engagierten Beiträge gegen die Todesstrafe.

Aschau schätzte er wegen seiner guten Lage zwischen Berchtesgaden und München. Zwanzig Jahre erfreute sich Göhring auch einer eigenen Berghütte in Tirol. Der leidenschaftliche Berggeher zog sich im Laufe der Jahre immer mehr zurück. Zuletzt liebte er besonders gemütliche Wandertouren in der beschaulichen Gegend am benachbarten Samerberg. Und am meisten freut er sich heute an der Tageszeitung. „Ich habe eine Riesen-Achtung vor meiner Zeitungsausträgerin, Frau Scheck, die jeden Morgen um 5.15 Uhr die Zeitung vor die Tür legt. Bereits um 6 Uhr lese ich das Oberbayerische Volksblatt als meine Verbindung nach draußen“, so der rüstige Neunzigjährige, der trotz seines Alleinseins noch länger in seinem geliebten Hause bleiben möchte. Das Vorbeikommen des Sozialdienstes ist eine willkommene Abwechslung. Gerne nimmt er deren verschiedenen Hilfen an. Groß Feiern will er zum 90. Geburtstag allerdings nicht. Kinder wurden der Ehe von Göhring leider nicht gegeben, ansonsten freut er sich an der Ruhe in seinem Haus im guten Einvernehmen mit seiner Nachbarschaft.

Anton Hötzelsperger

Foto: Hötzelsperger

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