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Kirta-Bräuche:
Und Wirtshaus-Tipps

Landkreis (hö) – Herbstzeit ist Wirtezeit – diese Erkenntnis kommt nicht von ungefähr, sondern hat eine große Verwurzelung in der heimischen Traditionspflege. Eine der wohl wichtigsten Gemeinsamkeiten von Tradition im kirchlichen Bereich und von Wirtshaus-Aktivitäten ist das Fest Kirchweih. Wie Hans Weigl, Ehrenvorsitzender des Bayerischen Inngau-Trachtenverbandes in der jüngsten Ausgabe des Heimat- und Trachtenboten schreibt, handelt es sich bei diesem Fest um die richtige Bezeichnung „Kirta“. Weiter heißt es:

„Seit dem Jahre 1787 wird der große Kirta einheitlich am dritten Sonntag im Oktober gefeiert, nachdem es bei den vielen einzelnen Kirchweihfeiern weiderholt zu Ausschreitungen gekommen war. Vom Kirchturm verkündet der „Zachäus“ das Fest, das leider auch viel von seinen einstigen Freuden verloren hat. Haus und Hof wurden dazu sauber herausgeputzt, die „Kirtasau“ musste ihr Leben lassen und das „Kirtabier“ im Fass beim Wirt geholt werden. Früher freute sich alt und jung schon lange auf das reichliche Festessen, denn Fleisch war ja meist eine Seltenheit. Mit Recht sagte vor kurzem ein alter Bauer: „Heut´ ist ja fast alle Tag Kirta!“. Nach dem Mittagessen zog die Jugend dann als „Kirtaschar“ mit Musik von Haus zu Haus, wo im Hausgang oder der Stube getanzt wurde und dazu machte der gezierte „Kirtakrug“ fleißig die Runde. Ob ein heutiger Kirtatanz auch so lustig ist? Auch die Kinder freuten sich immer wieder auf das Fest, denn überall in den Tennen oder unter den Vordächern wurden die „Kirtahutschn“ aufgehängt. Ein alter Spruch lautete: „A richtige Kirta dauert bis zum Irta, tuats a se schicka, a bis zum Miga!“. Heute aber ist schon der Kirtamontag wieder ein (fast) normaler Arbeitstag!“ – so Hans Weigl, der auch noch nachfolgenden Kirta-Spruch kennt: „Liaba kurze Gedank´n und lange Würst´ois dass mi beim Essen ned dürscht!“.  

Kirtahutsch´n Zünftig geht´s zua

Foto: Den Brauch der Kirta-Hutschn pflegt man noch beim Trachtenverein Rossholzen am Samerberg (am Sonntag und Montag im Stadel von Hundham).

Kirchgang und Wirtshaus-Einkehr gehören in Bayern zusammen

Kirch- und Wirtshausgang gehörten in Bayern seit jeher zusammen. Gerade an Kirchweih gilt dies noch. Viele Wirtschaften bieten an den Kirchweihtagen spezielle, in der Regel recht deftige, bayerische Kost an. Nudeln und Enten –und nicht nur dieses- kommen auf den Tisch. Derweil veranstalten manchen Wirte und Trachtenvereine auch noch ihre Veranstaltungen. So zum Beispiel der Trachtenverein „Edelweiß“ Höhenmoos, der in guter Tradition am Kirchweihsonntag seinen Trachtenball mit der Blaskapelle Wildenwart im örtlichen Gasthof Kreidl durchführt. Noch haben nicht alle Arbeitgeber dem Zeitgeist nachgegeben. Sogar einige Gemeindeverwaltungen haben durch gutes Brauchtums-Verständnis der Bürgermeister am Kirchweihmontag-nachmittag noch geschlossen. Die davon profitierenden Arbeiter machen sich dann auf zu ganz individuellen Kirchweih-Freizeiten. Eine schöne Variante ist ein herbstlicher Spaziergang, zum Beispiel zu bewirtschafteten Almen. Ein guter Tipp ist hierbei zum Beispiel die Wirtshaus- und Almen-Vielfalt am Samerberg. Die Hochries als Hausberg der Rosenheimer oder Almeinkehrmöglichkeiten vom Dandlberg bis zur Doagl-Alm versprechen schöne Kirtastunden. Ein weiteres positives Beispiel aktiver Herbst-Wirtshaus-Kultur bis einschließlich der Kirchweih-Tage sind die Angebote der Wirte vom „Kulinarischen Herbst“ im Chiemgau. Kirchweih zeigt also einmal mehr, dass man sich auf die heimischen Gaststätten verlassen kann. Genießen also auch Sie eine Einkehr bei den Kirta-Wirten im Landkreis Rosenheim.

Foto: Hötzelsperger

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