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Interview mit dem Vorsitzenden des Kreiskatholikenrates Hans-Peter Czech zu den Pfarrgemeinderatswahlen am 16./ 17. März 2002
16. März und Sonntag, 17. März über 200.000 Katholiken ihre Pfarrgemeinderäte neu wählen

Rosenheim/Landkreis (hö) – In den 102 Pfarreien und Seelsorgstellen von Stadt und Landkreis Rosenheim, welche in die Dekanate Bad Aibling, Chiemsee, Inntal, Rosenheim und Wasserburg eingeteilt sind, können am kommenden Samstag, 16. März und Sonntag, 17. März über 200.000 Katholiken ihre Pfarrgemeinderäte neu wählen. Wir konnten mit dem Vorsitzenden des Kreiskatholikenrates, Herrn Hans-Peter Czech, welcher zur Pfarrei Heilig Blut im Dekanat Rosenheim gehört, über die Wichtigkeit dieser Wahl und über die Aufgaben der Pfarrgemeinderäte nachfolgendes Gespräch führen.

Frage: Unter welchem  Motto steht die Wahl?

Czech: Das diesjährige Wahlmotto lautet „Kirche bewegen – Welt gestalten“. Hierzu passt sehr gut ein Zitat von Prof. Dr. Alois Baumgartner, Vorsitzender des Diözesanrates:

„Kirche bewegt sich und Welt wird gestaltet, Wenn Frauen und Männer, Junge und Alte Sagen, was gesagt werden muss, tun, was Getan werden muss und hoffen, was gehofft Werden muss“.

Frage: Welche Grundsätze unterliegen der Arbeit eines Pfarrgemeinderates?

Czech: Der Pfarrgemeinderat ist ein demokratisches Gremium; die gewählten Mitglieder haben ein Mandat  der gesamten Gemeinde und sind nicht Vertreter einzelner Interessengruppen. Gemeinsam mit dem Pfarrer trägt der Pfarrgemeinderat Verantwortung. Der Pfarrgemeinderat hat eine Schlüsselfunktion und trägt entscheidend dazu bei, das Gesicht einer Pfarrei zu prägen und Kirche vor Ort zu gestalten. Seelsorge ist nicht allein Betreuung und Belehrung durch den Priester, sondern ein Prozess zwischen Glaubenden. Aus einer versorgten Gemeinde muss eine sorgende Gemeinde werden (Stichwort: Priestermangel!).

Frage: Welche grundsätzlichen Aufgaben hat ein Pfarrgemeinderat?

Czech: Pfarrgemeinderäte haben nicht nur Verantwortung für den Aufbau einer lebendigen Gemeinde, sondern auch die Aufgabe, gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Entwicklungen und Probleme zu beobachten, zu überdenken und sachgerechte Vorschläge einzubringen. Der Einsatz für Menschenwürde und Menschenrechte, für Gerechtigkeit und Solidarität ist eine Verpflichtung. Außerdem setzt sich der Pfarrgemeinderat für die Armen und Benachteiligten ein und er fördert die Arbeit im caritativen und sozialen Bereich. Er weckt und unterstützt die Verantwortung der Pfarrei für Familie, Arbeitswelt, Schöpfung und Umwelt. Der Pfarrgemeinderat wird gehört und stimmt zu, wenn der Haushaltsplan einer Pfarrei erstellt wird. Zudem berät und wirkt er mit bei der Planung von pastoralen Schwerpunkten, bei der Gestaltung von Gottesdiensten und bei der Sakramentsvorbereitung wie Erstkommunion und Firmung sowie bei der Öffentlichkeitsarbeit (u.a. Pfarrbrief, Bücherei)

Frage: Welche Rolle spielt der Pfarrgemeinderat in der Gesellschaft?

Czech: Der Pfarrgemeinderat kann als politisch neutrales Gremium beispielsweise Leitbild- und Agenda-21-Prozesse voranbringen, ohne sich durch vermeintliche Sachzwänge und kurzfristige Interessen irre machen zu lassen. Somit kann er für eine nachhaltige Entwicklung in der politischen Gemeinde eintreten. Er vertritt die Anliegen der Katholiken in der Öffentlichkeit, er setzt sich für ein menschenwürdiges Leben derer ein, die gerne von der Gesellschaft übersehen werden wie zum Beispiel Kinder und alte Menschen, Kranke und Behinderte, alleinerziehende Mütter und Väter, Langzeitarbeitslose und Sozialhilfe-Empfänger.

Frage: Wer ist wahlberechtigt?

Czech: Alle deutschen und ausländischen Katholiken bereits ab dem 16. Lebensjahr, die ihren Wohnsitz in der Pfarrgemeinde haben.

Abschließend erinnert Kreiskatholikenrats-Vorsitzende Hans-Peter Czech an die Wichtigkeit der Wahl und er bittet alle Wahlberechtigten um Wahrnehmung Ihres Wahlrechtes, damit die Pfarrgemeinderäte sich auf  eine breite Basis innerhalb der Pfarreien stützen können, um ihre vielfältigen Aufgaben erfüllen zu können.

Das Interview führte: Anton Hötzelsperger

Foto: Hötzelsperger: Hans-Peter Czech beim Studium der Wahlunterlagen in seiner guten Stube in Rosenheim.

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