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Obst in seiner Vielfalt bei Landesausstellung in Rohrdorf:
Festabend im Turner Hölzl – Ausstellung bis Sonntag, 7. Oktober

Rohrdorf  (hö) – „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, noch heute würde ich einen Apfelbaum pflanzen!“ – dieser bekannte, vor gut 500 Jahren ausgesprochene Satz von Martin Luther gilt als Sinnbild für die Bedeutung des Obstbaues in der langen Geschichte der Menschheit. Weit über die Ausstellungseindrücke Vorzüge als Nahrungsmittel hinaus kam das Obst am Wochenende noch zu besonderen Ehren. In den bestens geeigneten Räumlichkeiten des „Turner Hölzl“ von Rohrdorf  wurde die diesjährige, bis zum Sonntag, 7. Oktober dauernde Landesobstausstellung eröffnet. Dabei zeigten sich zwei Vielfalten: einmal in Form der Verwendbarkeit des Obstes als gesunde Frucht, als Zierde, als Tourismus- und Wirtschafts-Chance, als Zeugnis religiöser Grundsätze sowie als Themen für Volksmusik und Volkslied. Zum anderen in der Arten-Vielfalt. Wie Kreisfachberater Josef Stein in seinen einführenden Worten erklärte, gibt es weltweit zwischen 20 bis 30 Tausend verschiedene Obstsorten. „Ziel unserer Bemühungen soll es sein, die heimischen Obstsorten zu erhalten und aufzuzeigen, was wichtig ist wie zum Beispiel bei der Hilfe zur Widerstandsfähigkeit des Obstes“ sagte Sepp Stein, der alsdann den zahlreichen Ehrengästen und Obstfreunden viel Freude mit dem Obst wünschte.

Ehrengäste von links: Kreisfachberater Josef  Stein (LRA Rosenheim), sein Kollege Harald Lorenz, Dr. Josef Heringer von der Akademie für Natur- und Landschaftspflege in Laufen, Landrat Dr. Max Gimple, Bürgermeister Fritz Tischner, Fritz Renner als Vorsitzender des Bayerischen Pomologenverbandes.Die Landesobstausstellung kam nach vormaligen Terminen in der Oberpfalz und in Franken erstmals in den Süden Bayerns. Als Initiatoren haben sich die Vertreter des Deutschen Pomologenvereins  den Landkreis Rosenheim ausgewählt, weil sie dort mit dem Kreisverband für Gartenbau und Landespflege, mit den Fachberatern Sepp Stein und Harald Lorenz im Landratsamt, mit den zahlreichen, aktiven Obst- und Gartenbauvereinen, aber auch mit den Imkern, mit der Rohrdorfer Obstverwertungsgesellschaft ORO, mit den Baumwarten und nicht zuletzt mit der schützenden Hagelflieger-Organisation eine große Bandbreite an Unterstützung zu erwarten hatte. Dass diese Mit-Hilfe gelang, zeigte der aufwendige und reiche Aufbau im Turner Hölzl. Alles, was Pflege und Verarbeitung von Obst und  Garten bieten, kommt zur Ausstellung, die wiederum nach Themen und Regionen aufgegliedert und präsentiert ist. Vom Reichtum des Obstes berichtete in köstlichen Landschaftsbildern und mit anschaulichen Worten Dr. Josef Heringer von der Akademie für Landschaftspflege in Laufen in seinem Festvortrag.

Griesstätter DirndlStv. Landrat Paul Unterseer mit Gattin am Stand des Vereines zur Erforschung der Wirksamkeit der Hagelbekämpfung e.V., dessen Vorsitzender Paul Unterseer ist.Obst als Sinnbild für Lebensführung und Jahreslauf

Von „Adam und Eva“ („Einkaufszentren sind keine Paradiese“) bis zum finsteren 11. September des US-Terror („Bei aller Tragik: es wurde uns aufgezeigt, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen!“) reichten die hintergründigen Beiträge. „Vergessen wir vor lauter Bäume-Pflanzen die Kinder nicht und spannt´s die Jugend ein!“ – damit meinte Heringer die Wissensvermittlung von schönen und wertvollen Aufgaben in der Obst- und Gartenpflege in der Gemeinschaft und für die nächste Generation.

Landrat Dr. Gimple: Rosenheimer Land ist würdiges Obstgebiet

Kolbermoorer SängerAls Schirmherr freute sich Landrat Dr. Max Gimple, dass die Landkreisbürger mit der Landesobst-Ausstellung zahlreiche Anregungen für ihre Haus- und Gartenarbeit erhalten. „Wenn man die Erfolge unserer Vereine, den Apfelmarkt von Bad Feilnbach und zahlreiche Initiativen wie den Obst- und Kulturweg „Ratzinger Höhe“ betrachtet, dann kann der Landkreis Rosenheim sogar neben so bekannten Obst-Regionen wie Südtirol oder Bodenseegebiet bestehen. Der Raum vor den Alpen ist mit Recht zum Ort der Ausstellung erwählt worden, dafür lohnten sich die bisherige Anstrengungen und es rentiert sich auch der Besuch dieser Tage von Veranstaltungen und Ausstellung!“ – in diesem Sinne sprach der Landrat allen Beteiligten hohe Anerkennung aus. Auch Bürgermeister und Hausherr Fritz Tischner richtete eine Gruß-Adresse an alle „Obstler, Obsthalter und Obstesser“. Dabei erinnerte er gleichermaßen an die geschichtlichen Aufzeichnungen vom nahen Samerberg wie an die zeitgemäßen Leistungen der Obstverwertungsgenossenschaft in Sepp Stein im Gespräch mit MdL Sepp Ranner seiner Gemeinde. Martin Gruber als Geschäftsführer des Landesverbandes für Gartenkultur und Landespflege machte deutlich, dass sich mit insgesamt 517.000 Mitgliedern das Thema Obst auf dem aufsteigenden Ast befindet. Gärtnermeister Fritz Renner als Vertreter der Pomologen brachte es auf den Punkt als er abschließend feststellte: „Dumme rennen, Kluge warten und Weise gehen in den Garten“. Wie die Ausstellung eine Augenweide ist, so waren bei der Eröffnung die Lieder und Weisen ein Ohrenschmaus. Passend zur Landesobstausstellung hatte Thomas Jantschek zusammen mit den Kolbermoorer Sängern, mit den Griesstätter Dirndl  und mit der Harfinisten Martina Mayer ein Lied- und Musikgut ausgewählt, das gepaart mit Humor dem Festabend zur Ehre gereichte. Auch Marlene Wenger, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Götting, hatte ein astrein vorgetragenes Gedicht parat, das zeigte, dass Äpfel und Birnen auch in der Literatur ihre berechtigten Plätze haben.

Zu den zahlreichen Ehrengästen gehörten unter anderem Bundestagsabgeordnete Anglika Graf, Landtagsabgeordneter Sepp Ranner, Bürgermeister Heinritzi von Bruckmühl, Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes und der Sparkasse Rosenheim, Kollegen der Obst- und Gartenbau-Organisationen von Tirol sowie „schwarze und grüne“ Repräsentanten des Kreistages.

Die Landesobst-Ausstellung im Turner Hölzl ist bis Sonntag, 7. Oktober werktags ab 9 Uhr sowie samstags und sonntags ab 10 Uhr jeweils bis 18 Uhr geöffnet. Kinder und Jugendliche sind nicht nur eintrittsfrei, sie werden sogar mit einem eigenen Betreuungsprogramm erwartet. Während der gesamten Woche finden noch einige Fach- und Informations-Veranstaltungen statt. Nähere Hinweise gibt es bei der Fachberatung für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt Rosenheim, Telefon 08031-392207.

Fotos: Hötzelsperger

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