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Landfrauentag 2002
Als Abgeordneter gestaltet Alois Glück seit 1970 die Landes- und Landwirtschaftsentwicklung mit

Rosenheim (hö) – „Mit Mut das Bewährte bewahren und mit der Gabe, Visionen zu entfalten wollen wir die Herausforderungen der Zeit und die Zukunft bewältigen!“ – mit dieser positiven Einstellung begann Kreisbäuerin Annemarie Biechl ihre Ausführungen zum diesjährigen Landfrauentag in der überaus Die neuen Hauswirtschafts-Meisterinnen: von links: Landrat Dr. Gimple, Melanie Neumayer, Traudl Maurer, Christiane Heubl, Kreisbäuerin Annemarie Biechl und ihre Stellvertreterin Anneliese Riepertinger.stark besetzten Auerbräu-Festhalle auf der Rosenheimer Loretowiese. Einen großartigen Unterstützer in dieser Wunsch-Forderung fand die engagierte Bäuerinnen-Chefin im Landtagsabgeordneten und CSU-Fraktionsvorsitzendem Alois Glück, der die Bauersfrau auch in heutiger Zeit als Mittelpunkt des Familien- und Hoflebens bezeichnete.

Wie Alois Glück in seinem Vortrag erläuterte, sind die Bäuerinnen über den Gesellschafts-, Struktur-  und Landwirtschaftswandel hinaus verlässliche Stützen. Zur Wahrnehmung von Aufgaben im eigenen Berufsstand sagte er den zahlreichen Ortsbäuerinnen und Ehrenamtlichen, dass auch in der Landwirtschaft das Ehrenamt besser gepflegt werden soll. „Kritisiert ist gleich, bleiben wir fair und pflegen wir eine gute Kultur des Umgangs!“ – so Alois Glück mit dem Hinweis, dass auch außerhalb der Landwirtschaft mit den Ehrenamts-Trägern oftmals unanständig umgesprungen wird. Als Abgeordneter gestaltet Alois Glück seit 1970 die Landes- und Landwirtschaftsentwicklung mit. „Vorher schon merkte ich in der Landjugend als Mitgestalter, dass man Tradition und Fortschritt in gesundem Maße kombinieren sowie offen für Neues bleiben muß!“. Die „Explosion der Leistungsfähigkeit“ bietet auch Chancen – so Glück. Zum Beispiel kann die Greamandl-Musi aus Prien und Rimstingländliche Bevölkerung mit der globalen Technologie-Entwicklung Boden gegenüber früheren Generationen und im Vergleich zu städtischen Bereichen gut machen. „Jammern wir nicht, dass dies auch viel Schrott und Schutt mit sich bringt, sondern lernen wir auch damit umzugehen!“ meinte der Visionär mit dem Hinweis, dass sich die Veränderungen fortentwickeln werden und dass sich gegenüber den früher wichtigen Rohstoffen nunmehr die wissensbasierte Gesellschaft im Wettbewerb behaupten werde. „Dabei spielen die Qualität der Schulen und des Bildungswesen eine immer wichtigere Rolle“ sagte Glück mit Hinweis auf den gescheiten Denkzettel der PISA-Studie.

Achtung vor „Inneren Verletzungen“

„Die Landwirtschaft genießt manchmal nur einen Vorschuß an Misstrauen. In Wirklichkeit hilft einem kein Schwein, wenn der Einzelne an den Pranger gestellt wird!“ – mit diesen deutlichen Worten sprach Alois Glück von „Inneren Verletzungen“ und davon, dass im Trend der Pessimismus oft größer ist als notwendig. Die Erfahrungen aus den BSE-Fällen bis hin zu den aktuellen BSE-Tests sind für Glück ein Beispiel, dass Vermutungen schnell zu Anklagen werden. Als Bekenner der gläsernen Nahrungsmittelkette meinte der Abgeordnete, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung nach wie vor ziemlich bewusstlos, nämlich über die Preis-Entscheidung ernährt. Eine überlegtere Ernährung sollte einhergehen mit umweltverträglicher Produktion sowie mit einer zeit- und artgerechten Tierhaltung.

Familien-Visionen

Bessere Rahmen-Bedingungen für die Familien forderte der Festredner ebenso wie diesbezügliche Anstrengungen als nationale Gemeinschafts-Aufgabe.Landrat Dr. Gimple im Gespräch mit Kreisbäuerin Annemarie Biechl (im Hintergrund Greamandl-Musi) „Die heutigen Lebensrhythmen und der Perfektionismus sind nicht kinder- und familien-freundlich, so dass ich ganz gezielt mit den Arbeitgebern und Gewerkschaften bessere Rahmenbedingungen in den Betrieben fordere!“ – so Alois Glück, der noch zu bedenken gab, dass 40 Prozent der weiblichen Hochschulabgänger ohne Kinder bleiben. Die Kommunen sind nach Ansicht von Glück nicht nur bei den Bedingungen für die Kinderbetreuung, sondern auch beim Aufstellen von Bebauungsplänen gefordert. „Es kann doch nicht sein, dass man mit zwei Hunden leichter eine Wohnung findet als mit zwei Kindern!“ sagte Glück, der auch an neue Formen der Nachbarschaftspflege zugunsten des Nachwuchses appellierte. Drei Dinge sollte man nach seiner Meinung den Kindern mit auf ihren Lebensweg geben: „Einmal, dass sie gewollt sind, zweitens, dass es außer Geld und Lebensstandard auch noch andere Werte gibt und drittens eine gesunde Neugierde!“

Dorf ohne Vereine unvorstellbar

Auf der Suche nach einer neuen Anerkennungsstruktur sollen sich die Leute in Bezug auf das Vereinsleben machen. „Früher war ein Vereins-Ehrenamt ein sozialer Aufstieg, heute ist man oftmals der Fußabstreifer der Gemeinschaft, weshalb Freiwillige und Ehrenamtliche schnell resignieren!“. „Wer sich engagiert, der gewinnt auch!“ sagte Glück weiter mit der Feststellung, dass ein Dorf ohne Vereinsleben genauso unvorstellbar ist wie ein Vereinsleben ohne bäuerliche Familien. Deshalb sollen Vorteile genutzt und Nachteile aufgefangen sowie Traditionen fortgeschrieben werden. „Die Zukunft gehört den mutigen Realisten und nicht den Ängstlichen!“ – mit diesem Schluß-Satz sprach Alois Glück den Bäuerinnen aus dem Landkreis Rosenheim seinerseits Mut zu. Mit einem Bildband vom Wendelsteingebiet bedankte sich Kreisbäuerin Annemarie Biechl bei einem Abgeordneten, der selbst von 1958 bis 1960 die Landwirtschaftsschule besuchte und nie seine bäuerlichen Wurzeln vergessen hat.

Liebeserklärung der Kreisbäuerin

Bauernobmann Josef Ranner (li.) und Abgeordneter Alois Glück freuen sich mit Annemarie Biechl über einen schönen Landfrauentag.Mit einer überzeugenden, gläubigen Liebeserklärung an ihre Heimat und an den ihr anvertrauten Landkreis Rosenheim eröffnete Kreisbäuerin Annemarie Biechl den heurigen Landfrauentag: „Der Herrgott hat bei der Erschaffung von Oberbayern mit viel Lieb gearbeitet, seither haben sich die Bauersfamilien als Gestalter, Bewahrer und Ernährer viele Verdienste erworben!“. Bei ihrem Blick in die Zukunft meinte Biechl: „Wenn ein Bauer die Hoftüre schließen muß, dann gibt es viele Verlierer. Das Vorjahr hat mit BSE und MKS viele Narben hinterlassen, die von der derzeitigen Bundesministerin Renate Künast immer wieder aufgekratzt werden!“. „Lassen wir uns die Butter nicht vom Brot und das Fleisch vom Teller durch Formfehler, Unverständnis und Bürokratie nehmen!“ – in diesem Sinne wechselte sie zu einem ganz und gar anderen Thema. Drei junge Hauswirtschafts-Meisterinnen der Landwirtschaftsschule, die auch fortan für Rosenheim gesichert werden soll,  konnten nämlich öffentlich für ihren Abschluß gewürdigt werden. Blumen gab es für Christiane Heubl aus Rimsting, für Melanie Neumayer aus Riedering sowie für Traudl Maurer aus Eiselfing.

Lobesworte der Ehrengäste

Drei der zahlreichen Ehrengäste lobten in ihren Grußworten die Leistungen der Bäuerinnen. Rosenheims Bürgermeister Wolfgang Noe sprach von der Hauptrolle in de Familie und überreichte an Annemarie Biechl und ihre Vertreterin Anneliese Riepertinger Blumen. Landrat Dr. Max Gimple stellte die Solidarität in der bäuerlichen Gesellschaft sowie die Dialogbereitschaft auch zu nicht-landwirtschaftlichen Gruppierungen heraus. Und Rosenheims Bauernobmann und Landtagsabgeordneter Josef Ranner machte eine aktuelle Rechnung auf als er sagte: „Vor hundert Jahren hat ein Bauer  6 bis 8 Bürger ernährt, heute sind es deren 130!“. Zugleich bezeichnete Ranner die Bäuerinnen als geschickte und charmante Botschafterinnen ihres Berufsstandes und Landes. Trotz aller Sorgen bat er, sich nicht zu verweigern, sondern weiterhin Verantwortung zu übernehmen. „Die Frauen sind der Mutmacher unseres Berufsstandes!“ – so Ranner lobend und abschließend.

Rimsting, Prien, Greimharting und Wildenwart stellten sich vor

Alle Mitwirkenden aus den Ortsbereichen Rimsting, Greimharting, Prien und Wildenwart.Eine feine Brauchtums- und Heimat-Stunde boten die Ortsbäuerinnen vom Gebiet Rimsting-Prien-Greimharting und Wildenwart. Sie waren heuer mit der Vorstellung ihrer Gemeinden beauftragt. Dabei zeigten Liesi und Marlis Huber aus Wildenwart, Martin Bauer aus Greimharting und die „Greamandl-Musi“ aus Prien und Rimsting, dass sich auch schon der kleine Nachwuchs mit feinen Weisen und alten Bauernliedern beschäftigen kann. Dazwischen gab es Heimat-Gedichte von Christa Stoib aus Wildenwart, eine Beschreibung der Gemeinden durch Brigitte Strohmayer aus Prien, den Jahreslauf anhand der Vereine und Feste durch Margret Hengge aus Rimsting und einen Einblick in den „Urlaub auf dem Bauernhof“ von Rosi Riepertinger aus Greimharting. Aus ihren Gemeinden und von ihren Höfen brachten die vier engagierten Ortsbäuerinnen noch für Annemarie Biechl einen Geschenkkorb zur Erinnerung an einen großen Landfrauentag der Rosenheimer mit.

Fotos: Hötzelsperger

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