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Markt-Freuden am Sonntag, 14. Oktober in Bad Endorf  
Fieranten, Wirtsleute und Geschäfte erwarten die Besucher 

Blumen gehören zu jedem MarktBad Endorf (hö) – Bad Endorf im Chiemgau – dieser Name bürgt für viel Gutes insbesondere dafür, dass hier viel für die Gesundheit der Einwohner und Gäste geboten und getan wird. Aber nicht nur als Erholungs-, Wellness und Regenerations-Kurort ist man um das Wohl der Leute bemüht. Vielfältig, einfallsreich und kulturell recht anspruchsvoll wächst seit Jahren das Veranstaltungsprogramm von Bad Endorf. Die neuen Möglichkeiten Guter Besuch bei jedem Wetter des Kursaales oder erst kürzlich beim Bayerisch-Oberösterreichischen Konzert in der Mehrzweckhalle des Bundesgrenzschutzes ergänzen die traditionellen Möglichkeiten von Wirten und Vereinen. Zu den altbewährten Traditions-Angeboten im Jahreslauf des Veranstaltungskalenders zählt der Markt in Bad Endorf. Am kommenden Sonntag ist es wieder soweit: „Auf geht´s zum Markt nach Bad Endorf“ lautet dann das landauf, landab hörbare Motto. Fieranten, Geschäftsleute, Gewerbetreibende und Wirtshäuser sind gleichermaßen auf einen Sonntag voller Möglichkeiten vorbereitet. Ehe man sich zum Markt-Bummel aufmacht sollte man einen kleinen Blick in die Bad Endorfer Geschichtsbücher werfen. Der Markt von Bad Endorf in seiner heutigen Größe und Form hat nämlich eine lange, recht interessante Geschichte....!

Mit Gottes Segen gute GeschäfteVon Mauerkirchen zum Markt Bad Endorf

Wenn in Bad Endorf am 14. Oktober  Marktrecht herrscht, dann hat dies eine reiche und eigene Geschichte. Grundlage für die Markterhebung von Bad Endorf im Jahre 1973 ist die Markttradition von Mauerkirchen. Aus dem Buch „Bad Endorf“ von Werner Müller möge nachfolgender Auszug die Marktgeschichte etwas näher erläutern:

Fleisch darf hier nicht fehlen„Nach der Ministerialbekanntmachung über kommunale Namen vom 29. Juni 1957 ist für die Verleihung der Bezeichnung Markt der Nachweis erforderlich, dass in der Gemeinde Märkte abgehalten wurden. In den Akten des Bezirksamtes Rosenheim befindet sich das Gesuch des Geflügelzuchtvereins Endorf vom 17. Februar 1914, vier ständige Taubenmärkte veranstalten zu dürfen. Diese sollten am 3. Februar, am Sonntag vor Josefi, am ersten Sonntag im September und am dritten Sonntag im November stattfinden. Mit den beiden erstgenannten Märkten sollte eine Preisverlosung verbunden werden. Dagegen legte die Gemeinde Hemhof Einspruch ein, da ihr seit uralter Zeit das Recht zustehe, Taubenmärkte abzuhalten und die Märkte am Sonntag vor Josephi und am 3. Sonntag im November direkt mit den Hemhofer Märkten konkurrierten; gegen diese erhebe man Einspruch. Der Geflügelzuchtverein konnte jedoch darauf hinweisen, dass der Markt am Sonntag vor Josefi schon seit 21 Jahren und der vom dritten Sonntag im November seit 7 Jahren bestehe. Über diesen Antrag wurde offensichtlich nie entschieden und die Sache schlief ein, die Märkte wurden aber anscheinend weiter abgehalten. Denn am 16. März 1922 zeigte der Endorfer Polizeibeamte Adam Saalfrank beim Bezirksamt Rosenheim an, dass der Verein am 12. des Monats in der Kegelbahn des Gasthauses Franz einen Preistaubenmarkt abgehalten habe, ohne dafür eine Genehmigung Süssigkeiten wo man hinsieht vorlegen zu können. So ersuchte der Verein im April des Jahres erneut um Genehmigung der genannten Märkte. Dies wurde am 13. September nunmehr gegen den Einspruch der Stadt Wasserburg genehmigt. Selbst das erzbischöfliche Ordinariat München-Freising war bemüht worden und äußerte, die Taubenmärkte nähmen neuerdings zwar überhand und gäben der Jugend oft Anlass, Sonntagsgottesdienst, Christenlehre und Feiertagsschule zu versäumen, da jedoch nach Auskunft des Ortsgeistlichen die Märkte erst nach 12 Uhr mittags beginnen, trage man keine Bedenken. Über die tatsächliche Abhaltung der Märkte in Endorf nach 1922 gibt es keine Aktenbelege, doch ist im Verzeichnis der Märkte in Bayern für die Jahre 1947 und 1948  jeweils ein Endorfer Taubenmarkt für den 2. Februar angegeben. Danach fanden bis mindestens 1973 jährlich wieder vier Taubenmärkte statt (am ersten Sonntag im Januar, an Mariä Lichtmeß, am Sonntag vor Josefi und am dritten Sonntag im November). Heute wird nur noch ein Markt am letzten Sonntag im Januar abgehalten.

Auch Schuhe sind gut vertretenDiese Markttradition hätte nach geltendem Kommunalrecht nicht als rechtliche Grundlage zur Markterhebung Endorfs dienen können. Jedoch die Abhaltung der Jahrmärkte in Mauerkirchen seit mehr als 500 Jahren, ihre Ausgestaltung im vorigen Jahrhundert und der Erlass einer gemeindlichen Marktordnung in Verbindung mit entsprechenden ortspolizeilichen Vorschriften lieferten die gewünschte Rechtsgrundlage. Erst mit der Eingemeindung von Mauerkirchen waren also die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, Endorf 1973 zur Marktgemeinde zu erheben. Hieran lässt sich ähnlich wie bei der Wahl des Wappens der Dorfbeck aus Dorfbach als Gemeindewappen ablesen, welche wertvollen Beiträge die einzelnen Gemeindeteile nicht nur zur heutigen Gestalt, sondern auch zur Bedeutung des gesamten Gemeinwesens beigetragen haben und noch beitragen, seien sie nun eingemeindet oder schon von alters her Teile der Gemeinde. Die Mauerkirchener Warenmärkte lebe heute noch in zwei Markttagen fort, welche im Mai und im Oktober in Endorf abgehalten werden“.

Soweit die Auszüge aus dem lesens- und empfehlenswerten, gut 400 Seiten starken Buch „Bad Endorf – ein historischer Spaziergang“ von Werner Müller, das im Vorjahr vom Markt Bad Endorf herausgegeben worden und dort auch erhältlich ist. 

Anton Hötzelsperger

Zur Einstimmung auf den Oktobermarkt am Sonntag mögen einige Aufnahmen vom heurigen Mai-Markt von Bad Endorf dienen.

Fotos: Hötzelsperger

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