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Nach zwei Jahren Erholung befindet sich Milchpreis im Rosenheimer Raum wieder auf Talfahrt in den Keller
Bauern wollen noch enger zusammenstehen - Vertreterversammlung der Milcherzeugergemeinschaft

Westerndorf St. Peter (hö) 18.4.02 – Die in den letzten beiden Jahren etwas erholten Milchpreise kommen wieder in den Keller: nach einer vor kurzem getroffenen Entscheidung der in der Region marktführenden Molkereien geht der Milchpreis für die Bauern pro Liter ab April ganze fünf Cent zurück. „Müller-Milch hat den Preissturz eingeleitet, die Preisverhandlungen mit allen anderen Molkerein gestalten sich schwierig, es scheint so, als hätten sich die Molkereien abgesprochen“, so der Vorwurf von Eduard Wierer aus Bernau, dem Ersten Vorsitzenden der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Rosenheim-Bad Aibling eG in der sehr gut besuchten Vertreterversammlung im Gasthaus Höhensteiger in Westerndorf St. Peter. Die dramatische Milchpreis-Entwicklung zog sich wie ein roter Faden durch die Versammlung.

  Eduard Wierer (re.) und sein Stellvertreter Augustin Pfaffenberger – ein bewährtes MEG-Führungsteam wurde für fünf Jahre wiedergewählt.Zu Beginn freute sich Aufsichtsratsvorsitzender Johann Riedl aus Jarezöd über die in den letzten Jahren mühsam in die Höhe gebrachten Milchpreise. „Unser Zusammenstand und die gute Führung innerhalb der MEG haben sich positiv ausgewirkt. Aber jetzt ist es wohl so, dass die Tag und Nacht ausgehandelten Bedingungen über Nacht nichts mehr wert sind“, so Riedl in seiner letztmals von ihm geleiteten Versammlung. Riedl hat auf seinem Hof die Übergabe an den Sohn vollzogen und stellte deshalb im Rahmen der turnusgemäßen Neuwahlen seinen Aufsichtsratsposten zur Verfügung. Zuvor monierte er allerdings noch, dass sowohl die Politik als auch die Molkerein die Bauern hängen lassen. „Sehen wir nur auf die Preise in den Supermärkten und auf die Molkerei-Gewinne: der Euro als Teuro hat nichts für die Bauern gebracht“ meinte Riedl. Vorstand Wierer sprach von einer Beengung der heimischen Milchregion und von einer Schieflage der Wettbewerbsfähigkeit nachdem die Firma Bergader aus Waging 2001 erstmals 17 Millionen Kilogramm Milch aus Österreich importiert hatte. Waren im Jahr 2000 und im Jahr 2001 die Milchgelderlöse um fünf und um zehn Prozent gestiegen, so sind seither die Molkereien auf Preisminderungen aus. „Die Zeichen stehen auf Sturm, denn die Qualitätsansprüche und unsere Kosten steigen“, so Wierer.

Rückblick mit Erfolgen nach fünf Jahren

  Der mit großem Vertrauen wiedergewählte Vorstand der Milcherzeugergemeinschaft Rosenheim-Bad Aibling. Von links: Gust Neureuther aus Beyharting, Sepp Scheck aus Weisham bei Bernau, Zweiter Vorstand Augustin Pfaffenberger aus Eggstätt, Josef Scherer aus Neubeuern und Erster Vorstand Eduard Wierer aus Bernau. Im Rahmen seines Rückblickes erinnerte Wierer an die 25-Jahr-Feier in Bad Aibling, an die Einführung der bewährten Zwei-Tages-Abholung, die Bewältigung der BSE-Nachteile, der Molkereiwechsel der MEG zur Rosenheimer Firma Danone und vieles andere mehr in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Bauernverband. Derzeit beginnen bereits die Vorbereitungen für die 30-Jahr-Feier am 9. Dezember in der Rosenheimer Inntalhalle. „Heute sind wir eine der größten von insgesamt 62 Milcherzeugergemeinschaften in Bayern mit der wohl besten Milch der Welt“ freute sich Wierer stolz über die erzielten Leistungen. Als gutes Beispiel nannte er dabei Sebastian Summerer aus Lienzing bei Gstadt, der bereits zum 40. Male für seine hervorragenden Milchleistungen ausgezeichnet worden ist. Um die derzeitigen Milchpreis-Probleme lösen zu können, bedarf es eines engen Zusammenschlusses aller Milcherzeugergemeinschaften, einer Resolution an die Politik und gegebenenfalls einer Demonstration. So wie es derzeit aussieht, wird der Erzeugerorientierungspreis (EOP) um 2 Cent und der Zuschlag um 3 Cent gekürzt, so dass ab der April-Abrechnung 5 Cent je Liter weniger zu erwarten sind.

Italien-Markt und Export-Rückgänge sind auch schuld

Düstere Blick in die Zukunft der Milchpreise: MEG-Vorstand Eduard Wierer (li.) und Dr. Hans-Jürgen Seufferlein vom Zentralverband der Milcherzeuger in Bayern e.V.Keine großen diesbezüglichen Hoffnungen konnte in seinem Referat Dr. Hans-Jürgen Seufferlein vom Zentralverband der Milcherzeuger in Bayern machen. „Dass der Preis auf Talfahrt ist, lässt sich nicht herunterreden, mit einmal Auf-den-Tisch-Hauen und mit einem Molkerei-Wechsel wird es allerdings nicht getan sein“, so der Referent, der als Gründe für die derzeitige Misere den Rückgang des Italien-Marktes um zehn Prozent und die allgemeinen Rückgänge im Export aufführte. Vorab will der Fachmann noch die Diplomatie zur Preisverhandlung ausnutzen, denn auch den Molkereien dürfte die Wertschätzung des Rohstoffes Milch auf lange Sicht klar sein. „Die Lager sind voll, unterm Dach ist Feuer“ so Dr. Seufferlein mit Hinweis darauf, dass Ende Mai eine neue Verhandlungsrunde mit allen MEG-Vertretern in Bayern stattfinden wird. Die leidenschaftliche und ausführliche Diskussion zeigte, wie sehr sich die Bauern getäuscht und unterbezahlt fühlen.

Milcherzeugergemeinschaft Rosenheim-Bad Aibling mit 1.668 Mitgliedern weiterhin mit Eduard Wierer aus Bernau an der Spitze

Eduard Wierer aus Bernau wird auch in den nächsten fünf Jahren an der Spitze des Vorstandes von der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Rosenheim-Bad Aibling eG stehen. Mit 72-Ja-Stimmen der insgesamt 72 wahlberechtigten Vertreter erhielt er ein überaus starkes Vertrauen. Eindeutig bestätigt  wurden auch sein Stellvertreter Augustin Pfaffenberger aus Eggstätt sowie die drei weiteren Vorstandsmitglieder Josef Scherer aus Neubeuern, Sepp Scheck aus Weisham und Gust Neureuther aus Beyharting. Insgesamt 21 Bauern wurden für den Aufsichtsrat gewählt. Diese wählen in einer eigenen Zusammenkunft noch ihren Vorsitzenden und damit den Nachfolger des bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden Johann Riedl aus Jarezöd. Stefan Kürschner als Geschäftsführer der Rosenheimer Bauernverbands-Geschäftsstelle leitete zusammen mit dem stellvertretenden BBV-Obmann Georg Soyer die Neuwahlen. Vorher erläuterte Kürschner noch zum Jahresabschluss und mit dem Geschäftsbericht 2001 die aktuellen Zahlen der Milcherzeugergemeinschaft. 1.668 Mitglieder zum Ende des Geschäftsjahres belieferten an die Molkereien Gervais-Danone, Nestle-Weiden, Wendelstein-Käsewerk, Bauer, und Bergader insgesamt 174 Millionen Kilogramm Milch. Danone mit 128 Millionen Kilogramm und Bergader mit 31 Millionen sind die stärksten Abnahme-Partner der Bauern. Für den verhinderten Referenten Hans Bogner, der zur Interessengemeinschaft Biomilch innerhalb der Milcherzeugergemeinschaft berichten wollte, erklärten Geschäftsführer Kürschner und Vorsitzender Wierer, dass sich die Gemeinschaft ab 2002 selber um den Verkauf der Biomilch kümmern wolle. „Aufsichtsrat und Vorstand haben entschieden, ein Bio-Siegel einzuführen, damit unsere Bio-Erzeuger und MEG-Mitglieder in unserer großen Organisation mit über 180 Millionen Kilogramm Milch bleiben können. Schließlich können wir bestimmt auch eine Sicherheit für unsere Bio-Betriebe bieten“, so Eduard Wierer zur Zukunft der Biomilch.

Fotos: Hötzelsperger

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