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Künstlerkolonien als europäisches Phänomen wiederentdeckt – jetzt auch mit den Chiemsee-Malern
Priener Delegation besucht Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg und findet Gehör 

Nürnberg/Chiemsee (hö) – Als im November vergangenen Jahres im Germanischen Nationalmuseum von Nürnberg eine Ausstellung mit dem Titel „Künstlerkolonien in Europa – Im Zeichen der Ebene und des Himmels“ eröffnet wurde, ahnte noch kein Ausstellungs-Verantwortlicher, Ehrengast oder kunstinteressierter Besucher, dass die erst- und einmalige Zusammenstellung von Werken aus ganz Europa eine Lücke aufweist. Erst als der Wahl-Priener und ehemalige Münchner Messe-Chef Gerd vom Hövel in seiner nunmehrigen Ruhestands-Eigenschaft als Dritter Vorsitzender des Priener Kulturfördervereins der Ausstellung sein Augenmerk widmete, entdeckte er den Mangel. „Da fehlt ja der Chiemsee, besser gesagt die altehrwürdige und weit über den Chiemgau hinaus bekannte Chiemseer Malerkolonie!“ – stellte Hövel fest. Alsbald nahm er Kontakt mit den Ausstellungs- und Museums-Leitungen auf. Diese vernahmen den Ruf aus Oberbayern mit großem Interesse und nahmen ihrerseits Kontakt auf mit dem Thema und „Dilemma“.

Im Germanischen Nationalmusuem in Nürnberg: links Gerd vom Hövel. In der Mitte mit Chiemsee-Maler-Buch Generaldirektor Prof. Dr. Ulrich Großmann, daneben Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger.„Europa nicht nur ein Finanz-Europa!“ Insgesamt 37 europäische Künstlerkolonien von England bis Moskau und von Oslo bis Bern fanden mit ihren Werken Aufnahme in die Ausstellung, die ein Beitrag für das auch in der Kulturarbeit zusammenwachsende Europa sein soll. Deutsche Kolonien-Vertreter und damit Ausstellungsstücke kommen unter anderem  aus Dachau und Worpswede. „Wenn Europa aber nur ein Finanz-Europa werden soll, dann würde man am Chiemsee die Zeichen der Zeit nicht verstehen!“ – so Gerd vom Hövel bei seiner ersten Überlegung. Ein zweiter Gedanke galt dem Bestreben, die Nürnberger Ausstellungsmacher und die am Chiemsee und in Prien verantwortlichen Kunstsachverständigen zusammenzuführen. So kam es zu einer Terminvereinbarung im Germanischen Nationalmusueum. Der Priener Delegation gehörten Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger, Gerd vom Hövel, Kulturfördervereins-Vorsitzender Dr. Friedrich von Daumiller, Kreisheimatpfleger Karl J. Aß sowie Wilhelm Kessler als ehemaliger Dritter Bürgermeister und Kunstkenner an. „Verstärkt“ wurde die Gruppe noch von Marianne Lüdicke aus Weisham, die sich als Chiemgauer Künstlerin in Prien und am Chiemsee vielfache Verdienste erworben hatte. Bereits beim Empfang durch Generaldirektor Prof. Dr. Ulrich Großmann zeigte sich die anbahnende Kunst-Freundschaft. Führungen durch die noch bis zum 17. Februar geöffnete Ausstellung nahmen dann Projektleiter Dr. Claus Pehse, Frau Dr. Ruth Negendanck sowie vom Projektmanagement Dr. Matthias Hamann vor. Zudem kam es von Marianne Lüdicke noch zu einem Freundschaftstreff mit Frau Dr. von Andrian, der Archiv-Leiterin des Germanischen Nationalmuseums. Beide Frauen verbinden langjährige Gemeinschafts-Interessen sowie Kunstgegenstände der Chiemgauer Künstlerin, die in Nürnberg zur Ausstellung kamen.

Wichtiges Thema: „Tourismus und Malerei“Ein wichtiges Thema in Nürnberg wie auch am Chiemsee war und ist die Verbindung von Tourismus und Malerei. So ist der aktuellen Ausstellung ein eigener Abschnitt zum Titel „Kunst und ihre Folgen“ gewidmet. Einer entsprechenden Tafel zum Abschnitt Tourismus konnte nachfolgender Text entnommen werden:

„Künstlerkolonien standen in enger Beziehung zur Entwicklung des gehobenen Tourismus. Mit ihrer Arbeit erhoben die Künstler nicht nur ihre Aufenthaltsorte und malerischen Wirkungsstätten zu Sehenswürdigkeiten, sondern wurden selbst zur Sehenswürdigkeit. Der Ausbau des Eisenbahnnetzes ermöglichte den bequemen Zugang zu den ländlichen Zentren. Es entstand eine Form des Kulturtourismus, bei dem der Besucher sich als Augenzeuge im Entstehungsprozeß fühlen und das Angebot der Künstler vor Ort wahrnehmen konnte!“ – soweit der Austellungstext, der für alle europäischen Maler- und Künstler-Kolonien Gültigkeit hat. Ganz besonders passend ist und wäre er auch für die verschiedenen Kunst-Kolonien auf der Fraueninsel und am Chiemsee. Davon sind inzwischen auch die Nürnberger überzeugt. Damit diese sich vom reichen Schaffen der Chiemseer mit ihrer langen Tradition ein Bild machen können, überreichte Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger an den Generaldirektor des Museums das von der Gemeinde Prien im Eigenverlag herausgegebene Buch „Maler am Chiemsee“, in dem die europäische Bedeutung der Künstlerkolonien ausführlich von Verfasser Fritz Aigner erläutert wurde. „Die Chiemsee-Region ist nicht nur ein Naturraum, sondern auch ein gewichtiger Kulturraum. Zwischen München und Salzburg hat das verwöhnte Kulturpublikum große Ansprüche, die können wir zugunsten eines wirtschaftlich interessanten Kulturtourismus erfüllen!“ – sagte Kollmannsberger auch als Vorsitzender der Chiemsee-Tourismus KG weiter. Zugleich erläuterte er, dass der gesamte Chiemsee-Raum reich an vielerlei individuellen Künstlergemeinschaften wie auf Frauenchiemsee, in Gstadt, in Prien oder am Samerberg ist.

„Gegenbesuch“ angekündigt „Der offizielle Besuch führte zu dem Ergebnis, dass nunmehr im Rahmen der EU-Forschung und bei weiteren Ausstellungsüberlegungen der Chiemsee entsprechende Berücksichtigung findet!“  – freute sich nicht zu Unrecht Gerd vom Hövel als Initiator der Begegnung.

Foto: Hötzelsperger

 

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