Beitrag Künstlerkolonien
als europäisches Phänomen wiederentdeckt – jetzt auch mit den
Chiemsee-Malern Nürnberg/Chiemsee
(hö) – Als im November vergangenen Jahres im Germanischen
Nationalmuseum von Nürnberg eine Ausstellung mit dem Titel „Künstlerkolonien
in Europa – Im Zeichen der Ebene und des Himmels“ eröffnet wurde,
ahnte noch kein Ausstellungs-Verantwortlicher, Ehrengast oder
kunstinteressierter Besucher, dass die erst- und einmalige
Zusammenstellung von Werken aus ganz Europa eine Lücke aufweist. Erst als
der Wahl-Priener und ehemalige Münchner Messe-Chef Gerd vom Hövel in
seiner nunmehrigen Ruhestands-Eigenschaft als Dritter Vorsitzender des
Priener Kulturfördervereins der Ausstellung sein Augenmerk widmete,
entdeckte er den Mangel. „Da fehlt ja der Chiemsee, besser gesagt die
altehrwürdige und weit über den Chiemgau hinaus bekannte Chiemseer
Malerkolonie!“ – stellte Hövel fest. Alsbald nahm er Kontakt mit den
Ausstellungs- und Museums-Leitungen auf. Diese vernahmen den Ruf aus
Oberbayern mit großem Interesse und nahmen ihrerseits Kontakt auf mit dem
Thema und „Dilemma“.
Wichtiges
Thema: „Tourismus und Malerei“Ein
wichtiges Thema in Nürnberg wie auch am Chiemsee war und ist die
Verbindung von Tourismus und Malerei. So ist der aktuellen Ausstellung ein
eigener Abschnitt zum Titel „Kunst und ihre Folgen“ gewidmet. Einer
entsprechenden Tafel zum Abschnitt Tourismus konnte nachfolgender Text
entnommen werden: „Künstlerkolonien
standen in enger Beziehung zur Entwicklung des gehobenen Tourismus. Mit
ihrer Arbeit erhoben die Künstler nicht nur ihre Aufenthaltsorte und
malerischen Wirkungsstätten zu Sehenswürdigkeiten, sondern wurden selbst
zur Sehenswürdigkeit. Der Ausbau des Eisenbahnnetzes ermöglichte den
bequemen Zugang zu den ländlichen Zentren. Es entstand eine Form des
Kulturtourismus, bei dem der Besucher sich als Augenzeuge im
Entstehungsprozeß fühlen und das Angebot der Künstler vor Ort
wahrnehmen konnte!“ – soweit der Austellungstext, der für alle europäischen
Maler- und Künstler-Kolonien Gültigkeit hat. Ganz besonders passend ist
und wäre er auch für die verschiedenen Kunst-Kolonien auf der
Fraueninsel und am Chiemsee. Davon sind inzwischen auch die Nürnberger überzeugt.
Damit diese sich vom reichen Schaffen der Chiemseer mit ihrer langen
Tradition ein Bild machen können, überreichte Bürgermeister Lorenz
Kollmannsberger an den Generaldirektor des Museums das von der Gemeinde
Prien im Eigenverlag herausgegebene Buch „Maler am Chiemsee“, in dem
die europäische Bedeutung der Künstlerkolonien ausführlich von
Verfasser Fritz Aigner erläutert wurde. „Die Chiemsee-Region ist nicht
nur ein Naturraum, sondern auch ein gewichtiger Kulturraum. Zwischen München
und Salzburg hat das verwöhnte Kulturpublikum große Ansprüche, die können
wir zugunsten eines wirtschaftlich interessanten Kulturtourismus erfüllen!“
– sagte Kollmannsberger auch als Vorsitzender der Chiemsee-Tourismus KG
weiter. Zugleich erläuterte er, dass der gesamte Chiemsee-Raum reich an
vielerlei individuellen Künstlergemeinschaften wie auf Frauenchiemsee, in
Gstadt, in Prien oder am Samerberg ist. „Gegenbesuch“
angekündigt „Der
offizielle Besuch führte zu dem Ergebnis, dass nunmehr im Rahmen der
EU-Forschung und bei weiteren Ausstellungsüberlegungen der Chiemsee
entsprechende Berücksichtigung findet!“
– freute sich nicht zu Unrecht Gerd vom Hövel als Initiator der
Begegnung. Foto:
Hötzelsperger
|