Beitrag
Woher
die Heiligen Öle der Kirchen kommen Landkreis
(hö) 28.3.02 – Ostern gilt als Höhepunkt der Liturgie im kirchlichen
Jahreslauf. Bekannt sind vor allem die Fußwaschung am Gründonnerstag, das
Sterben Jesu Christi am Karfreitag, die dreitägige Grabesruhe und die
feierliche Auferstehung am Ostersonntag. Für die Verantwortlichen der
Katholischen Kirche innerhalb der Erzdiözese München-Freising begann der
festliche Reigen der Ereignisse bereits einen Tag vorher
mit einer würdigen Chrisam-Messe im Münchener Liebfrauen-Dom. Auf
Einladung von Kardinal Friedrich Wetter treffen sich am Mittwoch Abend alle
Bischöfe und Dekane, rund einhundert Priester sowie eine Reihe von Diakonen in
der Bischofskirche, um die Segnung der kirchlichen Öle vorzunehmen. Eines der
drei Öle heisst Chrisam-Öl, wovon der Name der besonderen Chrisam-Messe
abgeleitet ist.
Ursprünglich
fand der Gottesdienst mit Segnung der kirchlichen Öle am ganz frühen Morgen
des Gründonnerstages statt. Seit einigen Jahren hat sich dies jedoch auf den
Mittwochabend verändert, so dass in den Folgetagen die Öle in den Dekanaten für
die jeweiligen Pfarreien und Kuratien ausgegeben werden. Eines der Dekanate im
Landkreis Rosenheim ist das Dekanat Chiemsee. Als Nachfolger des Aschauer
Pfarrer Josef Winkler ist seit einigen Monaten Pfarrer Bruno Fink aus der
Priener Pfarrei „Maria Himmelfahrt“ Dekan für insgesamt 19 Seelsorgestellen
mit knapp 35.000 Gläubigen. Als Dekan war Bruno Fink erstmals bei der
Chrisam-Messe in München dabei. „Diese Messe zählt zu den großen,
offiziellen Liturgien, die ein Bischof in seiner Bischofskirche hält“, erzählt
Pfarrer Fink noch einen Tag nach dem Ereignis im voll besetzten Münchner Dom.
Entsprechend der Kirchen-Tradition werden bei dieser Meßfeier vom residierenden
Bischof alle Öle geweiht, die im Jahreslauf zum Einsatz kommen. Der Bischof ist
dabei der Repräsentant seines Bistums und Bindeglied zum Papst. Denn letztlich
soll in der Kette der Übermittlung des Öles die Verbundenheit jeder einzelnen
Pfarrei zur Hauptkirche in Rom zum Ausdruck kommen. Drei
verschiedene Öle Insgesamt
drei Öl-Sorten werden beim Gottesdienst in München an die Boten der Dekanate
ausgegeben. Das Chrisam-Öl ist für die Taufe, Firmung sowie für die Priester-
und Altarweihe. Dann gibt es noch das Kranken-Öl und das Katechumenen-Öl.
Letzteres wird eher selten gebraucht und dient zur Stärkung von Erwachsenen auf
ihrem Weg zur Taufe. Die Verteilung des Öles erfolgt in der Regel in den
Dekanats-Zentren. In Prien werden die verschiedenen Pfarreien am Karsamstag von
10 bis 12 Uhr durch den Kirchenhelfer Georg Kronast aus Wildenwart bedient. Für
das Dekanat Bad Aibling erfolgt die Weitergabe am Karfreitag in der Aiblinger
Kirche „Maria Himmelfahrt“. Wie Monsigniore Jakob Aigner von der Kirche
„Herz Jesu“ in Bad Feilnbach
mitteilte, war heuer für das seit etwa einem Jahr verwaiste Dekanat Bad Aibling
Kaplan Josef Steinberger in München als Bote. Für das Dekant Inntal war Dekan
Lorenz Poschenrieder aus Raubling bei der zweistündigen Chrisam-Messe zugegen.
An eine Teilnahme vor vielen Jahren erinnert sich noch gerne Pfarrer Georg
Gilgenrainer als Pfarrer von Höhenmoos und vom Samerberg. „Unsere Abgesandte
der beiden Pfarreien zur Abholung der Öle in der Rosenheimer Kirche Sankt
Nikolaus ist Rosa Unterseher. Wir daheim kümmern uns um die ordnungsgemäße
Reinigung der Ölgefäße“, so Pfarrer Gilgenrainer, der noch informiert, dass
die Wattebuschen und das Restöl von der Reinigung im Osterfeuer verbrannt
werden. Karfreitags-Ratschn
eine weitere Besonderheit vor Ostern Die Öl-Überbringung in die Pfarreien von München über die Dekanate bis hin zu den Pfarrstellen gehört zu den eher unbekannten Regeln im Kirchenbrauch. Mehr bekannt ist die Anwendung der sogenannten Karfreitagsratschn. Nach dem geläufigen Spruch „Die Glocken fliegen nach Rom“ erstummen vom Gründonnerstag abend (nach ihrem letzten Einsatz beim Gloria) bis zur Auferstehungsfeier die festlichen Kirchenglocken. In den meisten Orten gibt es als Ersatz die Karfreitags-Ratschn. Deren dumpfer Klang aus den hölzernen Instrumenten soll die angebrachte Trauer der Kartage vermitteln. „Das Glockengeläut ist im Grunde etwas Festliches. Wegen der Gefangennahme Jesu läßt man die Glocken bis zum Gloria der Auferstehung nicht mehr ertönen“, erkärt Dekan Bruno Fink aus Prien. Anton
Hötzelsperger Foto: Hötzelsperger |