derChiemgauer.de

Beitrag

Joseph Cardinal Ratzinger aus Rom zu Besuch in Traunstein
Vesper und Soiree im Studienseminar – „Tag der Seminare“ – Gespräch im Bischofszimmer

Priester-Bekanntschaften freuen sich über die Begegnung in TraunsteinTraunstein (hö) 12.05.02 -  Freudentag für die Buben, Männer und Beschäftigten des Studienseminars St. Michael in Traunstein am Wochenende: das Internat des Erzbistums München und Freising erhielt hohen Besuch aus Rom. Zum Auftakt seiner Feierlichkeiten in der Stadt Traunstein am Sonntag ließ es sich Kurienkardinal Joseph Ratzinger nicht nehmen, als ehemaliger Seminarist bei den heute Studierenden und bei alten Freunden und Weggefährten vorbeizuschauen. Höhepunkt war dabei einen feierliche Pontifikalvesper. In dieser ermunterte Seine Eminenz Joseph Cardinal Ratzinger die jungen Priester und die Leute, die sich um den kirchlichen Dienst Gedanken machen, dass sie nicht nachlassen. „Das Priesteramt ist kein Auslaufmodell“, so der Geistliche mit Hinweis darauf, dass man den vermehrten Werte- und Moral-Verletzungen im vermeintlich freien Medienzeitalter immer aktiver und konkreter antworten muss. Den Abschluss des Abends bildete eine Soiree im neu renovierten Musiksaal des Studienseminars und ein anschließender Empfang für die Mitglieder des Freundeskreises des Studienseminars. Dieses kennen Kardinal Ratzinger und sein Bruder und Prälat Georg Ratzinger noch aus ihren gemeinsamen Schulzeiten am Chiemgau-Gymnasium. Davon zeugten die vielen persönlichen Gespräche der Ratzinger-Brüder mit Besuchern des Festtages. Der Freundeskreis unter Vorsitz von Dompfarrer Wolfgang Huber aus München, der in Reit im Winkl aufgewachsen ist, hat in seinen drei Jahren des Bestehens bereits 220 Mitglieder gewinnen können. Bei der spätabendlichen Begegnung waren auch Landtagsabgeordneter Alois Glück als Beirat des Freundeskreises und Oberbürgermeister Fritz Stahl sowie weitere Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft zugegen.

Erstmals „Tag der Seminare“

Zwei Buben begrüßen die hohe Geistlichkeit aus RomZeitgleich mit dem Besuch von Joseph Cardinal Ratzinger fand im Studienseminar St. Michael in Traunstein ein erstmaliger „Tag der Seminare“ statt. Hierzu fanden sich auch die Schüler und Studenten der beiden anderen noch in Bayern aktiven bischöflichen Häuser ein. Es sind dies das Spätberufenen-Seminar St. Matthias in Waldram und das Priesterseminar in München. In Waldram bei Wolfratshausen beschäftigen sich derzeit rund 40 Männer aus „anderen“ Berufen mit der Theologie und in München-Schwabing können momentan 60 Theologen verzeichnet werden. Im 1994 grundlegend Cardinal Joseph Ratzinger und Prälat Georg Ratzinger mit Thomas Frauenlobmodernisierten Gebäude auf der Traunsteiner Wartberghöhe wird jetzt für 70 Schüler ein zeitgemäßes Unterrichts-, Sport- und Freizeitprogramm angeboten. Seit 1997 leitet Thomas Frauenlob das Studienseminar St. Michael als Direktor. Frauenlob stammt aus dem nahen Piding, hat in München, Tübingen und Rom Philosophie und Theologie studiert und ist katholischer Priester. Erstmals fanden alle drei Einrichtungen für den Priesternachwuchs zu einem gemeinsamen Tag zusammen. Sinn der Aktion war es, das Zusammengehörigkeitsgefühl untereinander zu stärken, die jeweils anderen Häuser mit ihren Eigenarten kennen zu lernen und sich auch am Sport zu erfreuen. Beim „Endspiel“ eines etwas ungleichen Turniers nahmen die Traunsteiner ihren Heimvorteil überaus großzügig in Anspruch. Sie siegten gegen die Waldramer mit 23 zu 1 Toren. Seminardirektor Frauenlob führte dies auf den täglichen Fußball-Ausgleich in Traunstein zurück.

Gespräch mit dem Cardinal im Bischofszimmer

Cardinal Ratzinger mit Seminardirektor Thomas Frauenlob im BischofszimmerTraunstein (hö) – Im Bischofszimmer des Studienseminars stellte sich Kurienkardinal Joseph Ratzinger für ein Gespräch zur Verfügung. Eingangs verlieht er seiner Freude Ausdruck als er sagte: „Das Seminar in Traunstein ist für mich und meinen Bruder Georg ein Stück Heimat, das wir möglichst alle Jahre besuchen wollen“. Vielfältige und freundschaftliche Kontakte in den Chiemgau bestehen aufgrund seiner Herkunft, Schulzeit und nicht zuletzt in seiner Eigenschaft als Bischof für die Erzdiözese. Gerne erinnert er sich an die Primiz 1951. „Vor meiner Primiz hat meine Familie auf der anderen Seite der Stadt gewohnt und zur Pfarrei Haslach gehört, aber kurz vor der Primiz wurden wir umgepfarrt und gehörten dann zur Pfarrei St. Oswald in Traunstein“. Für die Lernenden im Seminar sieht er eine gute Zukunft. Mit Mut lässt sich nach den Worten von Kardinal Ratzinger auch in einer Zeit wachsender Gewalt in aller Welt und moralischer Mängel mit Seelenschäden bestehen. „Der tiefe Sinn der Werte und geistige Grundlagen, die Oberbürgermeister Fritz Stahl aus Traunstein im Dialog mit Cardinal Joseph Ratzingerman für seine eigene Lebensgestaltung immer braucht, werden Gott sei Dank wieder höher und mehr geschätzt als bloße Wirtschaftszahlen“, so der Präfekt der Katholischen Glaubenspräfektion. Neue Bereitschaften für das Theologie-Studium sind nach gesunkenen und stagnierenden Zahlen beim Priesternachwuchs in vielen Ländern zu entdecken. Die Rolle der Medien sieht Kardinal Ratzinger nicht nur nachteilig. „Auch die Kirche bedient sich der Kommunikationstechniken und der Botschaftsvermittlung über verschiedene nicht-persönliche Wege. Aber bei aller Forcierung der Technik gewinnt die Stärke der persönlichen Beziehung und des dialogfähigen Gedankenaustausches wieder mehr an Bedeutung“, sagte Ratzinger. Auch sieht er kein Nachlassen in den Gottesdienstbesuchen. „Mehr Menschen gehen in die Kirche als ins Kino“ meinte er mit dem Hinweis, dass Kirche immer Bestand haben wird und dass sich die orientierungswilligen Christen gerne individuell oder in Gemeinschaft in Gotteshäusern einfinden.

Stärkung zwischendurch: die Brüder Georg und Joseph RatzingerEine große Öffentlichkeit konnte sich am Sonntag Vormittag an den Feierlichkeiten für Cardinal Joseph Ratzinger erfreuen. In der Stadtpfarrkirche wurde sein 75. Geburtstag sowie sein 25jähriges Erzbischof- und Kardinals-Jubiläum in großer Gemeinschaft gefeiert. Das gesamte Programm in Traunstein vom Studienseminar bis zum Stadtplatz-Gottesdienst galt es innerhalb von 24 Stunden abzuwickeln. Alsdann war seine Eminenz wieder auf dem Weg nach Rom.

Fotos: Hötzelsperger

 

 

Schreiben Sie uns Ihre Berichte!

zurück