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Unterzuber´s verlassen nach 20 Jahren Sachranger Dorfkramerladen – letzter Tag am 6. Oktober
Motto: „Mehr als Verkaufen – immer für die Leute da“  

Sachrang (hö) – Die Zeit der Globalisierung macht sich in Sachrang inmitten des Dorfes in außergewöhnlicher Weise bemerkbar. Der weit und breit einzige, wohl sortierte und bei Einheimischen wie Urlaubsgästen gleichermaßen geschätzte Dorfkramer schließt nach fast 20 Jahren der Führung durch die Eheleute Waltraud und Rolf Unterzuber seine Pforten. Viel länger als manch andere Dorf-Geschäfte im Chiemgau hat sich der Kramer in Sachrang gehalten. Dies hängt einmal vom Fleiß, vom passenden Warensortiment und natürlich von einer Kramer-Leidenschaft der Unterzubers zusammen. Bei einem Besuch wenige Wochen vor Ende der Kramer-Ära Unterzuber erfahren wir mehr über dieses Geschäft.

Eigentlich hatten sich Frau Unterzuber als ehemalige Abteilungsleiterin bei der Post und Herr Unterzuber als vormaliger Reisebüro-Betreiber die Liaison mit Sachrang anders vorgestellt. Als sie im Juni 1982 bei strömenden Regen mit ihrer damals einjährigen Tochter Sabine ankamen, da wurden sie im „Tal der Büffel“ vielfältig überrascht. Den Laden machten sie als zu allererst chemisch rein und als Württemberger rangen sie Wort für Wort um Verständnis bei den Einheimischen. Entgegen wohlgemeinter Ratschläge von  Einrichtungs-Fachleuten schaute man darauf, dass man sich im Laden heimisch und wohnlich wohl fühlt. Das wurde inzwischen ebenso von den Besuchern honoriert wie ein zweiter Grundsatz:  weit über das übliche Maß eines Geschäftes hinaus und ohne Mehrkosten machte die Familie Unterzuber  kleine Sonder-Besorgungen in der Umgebung sowie Hilfeleistungen rund um das Haus für Ältere und Kranke. Den stets zufrieden aus dem Geschäft herausgehenden Gästen gaben die Unterzubers oftmals konkrete Tipps für Wanderungen, Quartiere und Ausflugsziele mit auf den Weg. „Sehr viel von unseren Ratschlägen und Freundlichkeiten erhielten wir zurück. Von Vermietern, Einheimischen und Urlaubern bekamen wir schon mal selbstgemachte Konfitüre, Almbutter, Käse oder anderes als Aufmerksamkeit geschenkt!“ – so die Kramerleute, die inzwischen auch gelernt haben, das in Sachrang Zigarettenpapier als „Wuzzlpapier“ und zwei zweipfündige Laib Brot als „Zwoa Zwoarer“ bezeichnet werden. Engpässe bei starker Belegung im Ort wechselten sich mit Flauten bei Regen- oder Abreisezeiten ab. Flexibel reagierte man so weit es ging. Aber bei einer Nachfrage, ob die Bananen aus heimischen Anbau stammen, mussten sogar die Eheleute Unterzuber passen. „Danke, dann nehmen wir sie nicht, denn wir kaufen nur deutsches Obst“ haben die Gäste einmal gesagt, die im Rahmen der allgemeinen Öko- und Bio-Welle einen Gedanken zu weit gegangen sind.

Sortiment-Motto: „Was wir nicht haben, das brauchen Sie auch nicht!“

Nach dem Motto „Wir haben alles, was Sie brauchen, und was wir nicht haben, das brauchen Sie auch nicht!“ sind bei den Dorfkramersleuten aus den wenig geplanten Jahren fast zwanzig geworden. Sogar das Fernsehen hat bei ihnen vorbeigeschaut. Verständlich, wenn man beispielsweise im idyllischen Berg- und Grenzdorf zum Müllner-Peter einen Film drehte, dann gehörte der Dorfkramer einfach dazu. Und für diesen war es wiederum selbstverständlich, dass er das große und informative Müllner-Peter-Sortiment im Angebot hatte. „Die Eröffnung des neuen Müllner-Peter-Museums vor einigen Wochen hat uns sehr gefreut und man merkt auch den Sachrangern und ihren Gästen diese Freude an!“ sagen die inzwischen zum Kenner des Prientales gewordenen Geschäftsleute mit gewissem Stolz. Wehmut zieht schon ein, wenn sie an ihren Abzug aus Sachrang aus privaten Gründen und an die Übergabe an die Nachfolger, die voraussichtlich im Dezember eröffnen, denken. „Ein Stück Vertrauen ist gewachsen und das macht uns besonders stolz!“ –so Frau Unterzuber. Von diesem Vertrauen zeugt auch die landauf und landab ausgestorbene, aber beim Sachranger Dorfkramer noch vorhandene Gepflogenheit des Anschreibens. „Oft kommen die Kinder mit einem schriftlichen Bestellzettel der Eltern und diese kommen dann später zum Zahlen vorbei – das hat immer geklappt!“ – ist eine weitere Feststellung des Vertrauens. Was nach dem letzten Geschäftstag wohl nicht mehr so klappen wird, ist das Begegnen mit den Unterzubers in ihrem Laden. Das wird den Einheimischen nach zwei Jahrzehnten genauso fehlen wie zum Beispiel dem weltweit aus beruflichen Gründen herumreisenden Journalisten-Ehepaar Marietta und Ermano Höpner aus Gstadt am Chiemsee. Jedesmal wenn sie Gelegenheit haben, besuchten sie den Kramerladen von Sachrang, weil –wie Höpner´s sagen-, dort ein Stück heile Welt mit zeitgemäßer Kundenbetreuung erhalten werden konnte.

Am 6. Oktober ist Schlusstag – im Dezember kommt Bio- und Öko-Laden

Doch bald ist´s vorbei – zumindest mit der Familie Unterzuber. Am Samstag, 6. Oktober ist ihr letzter Arbeitstag in Sachrang. Im Dezember eröffnen dann die Nachfolger im Laden der Familie Rauch einen speziellen Bio- und Öko-Laden. „Was die Unterzuber´s dann tun?“ – genau sagen sie es nicht. „Überstunden von 20 Jahren Abfeiern wäre eine Möglichkeit. Oder einmal die vermeintliche Goldgrube anderen Gräbern überlassen wäre die andere. Aber richtig ist, dass wir uns gesundheitlich etwas erholen und dann wieder etwas Neues machen wollen“ sagen Waltraud und Rolf Unterzuber leise zum Abschied mit Wehmut.

Anton Hötzelsperger

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