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Gebirgsschützen-Wiedergründung in Bernau kein alter Hut, sondern anspruchsvolle, aktuelle Aufgabe
Festwochenende am 6./7. Oktober unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber  

Bernau a. Chiemsee (hö) – Vielfach unverständlich ist für manche Leute das Festhalten an alten Traditionen. Gänzlich schwierig tun sich manche Frauen und Männer mit der Neu- oder Wiedergründung von Vereinen, deren Aufgaben vermeintlich in vergangenen Epochen zurückgeblieben sind. Eine der oftmals unverstandenen Traditions-Bereiche ist jener der Gebirgsschützen. Ihre vormalige Schutzfunktion ist ja heute so nicht mehr gegeben. Als wehrhaftes Brauchtum sind die Gebirgsschützen ja schön und gut. Aber brauchen wir da bei großem zeitlichen und materiellen Aufwand zusätzlich zu den bestehenden Gebirgsschützen-Vereinigungen im Chiemgau auch noch eine neue Vereins-Wiedergründung in Bernau a. Chiemsee? Diese Frage stellten sich vor etwa einem Jahr viele Bernauer Bürgerinnen und Bürger als Max Herrmann zu der Neugründung aufrief. Mit einem eindeutigen „JA“ kann inzwischen das Alte Fahne Muttergottes Ansinnen einer kleinen Schar beantwortet werden. Schließlich wurde aus der Interessengemeinschaft ein Verein, dessen Mitglieder aktiv wie passiv an Zahl zunahmen. Die Vereinsgeselligkeit und das Anziehen eines gemeinsamen Gewandes waren es allein nicht. Max Herrmann und seine Gefolgsmänner der ersten Bernauer Wiedergründungs-Stunde verstanden den eigentlichen, ursprünglichen wie gleichermaßen zeitgemäßen Sinn zu vermitteln: „Unsere Vorfahren haben Großes geleistet, sie haben mann- und wehrhaft ihre Höfe und Heimat verteidigt und sie sind uns bis heute Vorbilder in punkto Kameradschaft geblieben!“ sagt Max Herrmann bei einem Gespräch in der Stube seines Hofes, der wie so viele in Bernau und Umgebung mit langer Gebirgsschützen-Tradition behaftet ist. Gerade die Kameradschaft früherer Zeiten liegt dem Gründungs-Initiatoren und Hauptmann Max Herrmann am Herzen. Schließlich, so erzählt er weiter, waren die Gebirgsschützen in Zeiten, da es nicht einmal eine Freiwillige Feuerwehr gegeben hat, Ersatz für diese und zugleich auch noch anderweitig tätig. „Eigentlich war man als Gebirgsschütze Feuerwehrler, Rot-Kreuzler, Brand- und Katastrophen-Schützer, Streifendienst und somit für alle Angelegenheiten der inneren Sicherheit tätig!“. Damit das ganze Sicherungs-System hinhaute, wurde von jedem Haus, in der Regel war dies der Haus-Vater, ein Gebirgsschütze gestellt. Ledige wurden im übrigen nicht zugelassen. Gerne waren Förster und Jäger gefragt, weil diese eine militärische und waffenmäßige Ausbildung vorweisen konnten und auch noch recht geländekundig waren. Die Gebirgsschützen wählten aus ihren Reihen den Fähigsten und Würdigsten zu ihrem Hauptmann. „Bei der enormen Abhängigkeit von der gegenseitigen Hilfe war es verständlich, dass man wie Pech und Schwefel zusammenhielt. Die gute Nachbarschaft im wahrsten Sinne des Wortes funktionierte, um Gefahren von außerhalb Abwehr leisten zu können!“ – so Max Herrmann, der auch und gerade in heutiger Zeit den tiefen Sinn des Zusammenhaltens und die Pflicht zur Kameradschaft wieder mehr in die Gesellschaft und in die Köpfe der Leute bringen will.

Heimat-Treue ist auch Geschichts-Liebe

Neue Fahne ForderseiteFür Hauptmann Max Herrmann ist die gute Kameradschaft, das saubere Auftreten und eine sichere Waffenkunde nur ein Teil des Ganzen. Ebenso wichtig wie die Heimat-Liebe ist ihm das Geschichts-Interesse. Das Glück, dass Bernau innerhalb der Herrschaft Hohenaschau integriert war, kommt heutigen Interessenten sehr großzügig zugute. Denn im Hauptstaatsarchiv sind die Hohenaschauer Unterlagen lückenlos und umfassend vorhanden. Aus diesem Grunde können seit 1477 – und das ist wahrlich eine Jahreszahl, die es zurückzurechnen lohnt- alle Männer verzeichnet, die im Einsatz als Gebirgsschütze waren. Alle zusammengetragenen, erfassten, ausgewerteten und erfragten Informationen hat der zum leidenschaftlichen Heimat- und Geschichtsforscher gewordene Max Herrmann für die Bernauer Gebirgsschützen und Gemeinde geordnet. Aus den Ordnern sollen nach seinem festen Willen schon bald gebundene Nachschlagewerke werden. Wenn das erste Bernauer Gebirgsschützenbuch vorliegt, dann kann die wohl jüngste bayerische Vereinigung nach der Widergründung wohl eine der aktuellsten und vollständigsten Gebirgsschützen-Informationen vorweisen. Das wehrhafte Brauchtum wird dann zur lebendigen Gegenwart. Und genau das soll es nach Max Herrmann werden, sein und bleiben: kein alter Hut, sondern eine neue Herausforderung für all jene Leute, denen es nicht gleich ist, woher sie kommen und wohin sie gehen.

Bayerisch-Tirolerische Begegnungen am 6./7. Oktober in Bernau anlässlich Wiedergründungsfest

Alle 46 bayerischen Kompanien mit den Landeshaupt-, Bataillons- und Gauhauptmannschaften sowie natürlich auch die Gebirgsschützenfreunde aus dem benachbarten Tirol treffen sich zu einem Stelldichein, wenn am Samstag, 6. Oktober und am Sonntag, 7. Oktober die Bernauer Gebirgsschützen ihre Wiedergründung festlich feiern. Die Schirmherrschaft hat Bayerns Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber übernommen. Das Festprogramm sieht am Samstag, 6. Oktober einen Festabend in der Turnhalle vor. Dabei werden die Bernauer Musikkapelle sowie einheimische Sänger- und Musikantengruppen für die würdige Musikgestaltung sorgen. Prof. Dr. Dr. Pater Leo Weber aus Benediktbeuren wird dabei äußerst interessante historische Erläuterungen zum Bayerischen Gebirgsschützenleben geben. Höhepunkt ist dann am Sonntag, 7. Oktober, wenn ab 8 Uhr die geladenen Kompanien in Bernau eintreffen werden. Um 9 Uhr beginnt die Aufstellung zum Kirchenzug auf den Fußballplätzen neben der Festhalle. Der Kirchenzug beginnt um 9.30 Uhr. Bei gute Witterung ist der Festgottesdienst an der Mariengrotte in Kraimoos, bei ungünstiger Witterung in der Festhalle. Pfarrer Wilhelm Gröner von Bernau und Prof. Dr. Dr. Pater Weber werden in Konzelebration die Messfeier gestalten. Anschließend an den Festzug durch den Ort gibt es in der Turnhalle mit der Bernauer Musikkapelle noch einige gesellige Unterhaltungsstunden. Natürlich ist dabei auch die richtige Gelegenheit, mehr vom Gebirgsschützenwesen und mehr von anderen Kameraden zu erfahren. In jedem Falle freuen sich Hauptmann Max Herrmann sowie Bürgermeister und Kompanieschreiber Lenz Steindlmüller auf das Festwochenende. Schließlich werden mit den Begegnungstagen auch die tiefen Inhalte aus guter, alter Zeit in die Aufgaben der heutigen Tage hineingetragen.

Anton Hötzelsperger

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