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Landkreis
Rosenheim schließt Partnerschaftsabkommen mit dem Kreis Temesch in Rumänien
„Wir
haben nicht viel, aber was wir haben, das teilen wir gerne“
Rosenheim/Rumänien
(hö) 15.07.02 - „Wir haben nicht
viel, aber was wir haben, das teilen wir gerne“, mit dieser Grundeinstellung
hieß der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Boldur im rumänischen Kreis Temesch
eine erstmals bei ihm auftauchende Delegation aus dem Landkreis Rosenheim
willkommen. Mit Brot und Salz entsprechend landestypischem Ritual begann der
Empfang und gemäß dem Motto des Teilens stand auch die Gesamt-Aktion zwischen
den beiden Landkreisen. Höhepunkt war die Ratifizierung eines offiziellen
Partnerschaftsabkommens der beiden Landkreise und ein Programm, das mehr war als
das Bekunden von gegenseitigem Interesse.
Marius
Popovici, Vizepräsident des Kreises Timisoara (Temesch) gilt als der rumänische
Motor der Beziehungen zu Rosenheim. Wie er sagte, seit er mit seinem Freund Toni
Kathrein durch dessen Werk in der Stadt Temeswar auf Rosenheim aufmerksam
geworden. Sein Ansinnen, dass sich die beiden Kreise einander
nähern, fand in Rosenheim bei Landrat Dr. Max Gimple Zustimmung. Dieser lud
eine Delegation zu einem Austausch und Kennenlernen nach Rosenheim ein, fand im
Kreisausschuss eine grundsätzliche Zustimmung und leitete dann selbst eine
erste Delegation im Mai 2001 von Rosenheim aus nach Temesch. Im Rahmen eines
Gegenbesuches kam es im September 2001 zu einem schriftlichen
Freundschaftsversprechen und im November 2001 begannen die ersten
Hilfstransporte nach Rumänien durch Feuerwehren des Landkreises. Die
Entscheidung, sich einer Partnerschaft mit einer gut 1.000 Kilometer entfernten
Region in Rumänien letztendlich mit einem Abkommen zu besiegeln, fiel ursprünglich
nicht leicht, letztlich im Kreistag einstimmig und wohl auf dem Boden der
gewonnenen Erkenntnisse.
So
fanden die Rosenheimer bei ihren Besuchen und Partnern Situationen vor, die
zuweilen nicht vorstellbar sind. „Zustände wie bei uns vor rund 40 bis 50
Jahren“, so die Einblicke in Gemeinden, Post- und Polizeibehörden, Krankenhäuser
und weitere Einrichtungen. Zuweilen gab es erschreckende Bilder als die Blicke
hinter die Kulissen das offizielle Programm verließen. Beim Besuch des
Krankenhauses mit 1.410 Betten (mit immerhin 2.300 Ärzten und
Betreuungspersonen) ließ der Mangel an Notwendigstem so richtig durchscheinen.
Zur Delegation gehörte auch Anita Knochner als Behindertenbeauftrage des
Landkreises. Sie sah sich auch noch in einem Kinderheim um und kam ebenfalls zum
Ergebnis, dass sich hier alle bayerische Hilfs-Anstrengungen lohnen würden.
Sehnsucht
nach Partnergemeinde aus dem Landkreis Rosenheim
Bürgermeister
Stefan Petrea von der Gemeinde Recas empfing die Rosenheim mit seiner
Feuerwehrkapelle und mit dem Hinweis, dass in seiner Gemeinde das allererste
Polizei-Auto eine Spende aus Rosenheim ist. „Wir wünschen uns so sehr eine
Partnerschaft mit einer Gemeinde aus dem Landkreis Rosenheim“, sagte der Bürgermeister,
dessen Ansinnen durch einen wohlvorbereiteten und großzügigen Empfang glaubwürdig
vermittelt wurde.
An
der Spitze der Rosenheimer Abordnung stand stellvertretender Landrat Lorenz
Kollmannsberger. Zusammen mit Bürgermeistern des Kreises, mit den Vertretern
aller Parteien im Kreistag sowie mit Abordnungen von Feuerwehren, die bereits
zum wiederholten Male einen Hilfstransport unternahmen, stellte man sich in Rumänien
vor. Unter großer Beachtung hieß Präsident Don Sipos beim Festakt die
Rosenheimer willkommen. „In Rumänien haben wir 41 Kreise, davon ist der Kreis
Temesch mit 9.000 Quadratkilometern und mit 750.000 Menschen der
florierendste“, so Sipos. Dem Kreis Temesch gehören sieben Städte und 75
Gemeinden an. Nachdem es in Rumänien keine Bezirke gibt, haben die Kreise eine
große Bedeutung und damit auch einen interessanten Aspekt eines künftigen
wirtschaftlichen Austausches. „Nutzen wir die Gelegenheit eines friedlichen
Europas, denn wer die Chancen nicht nutzt, schläft nicht nur, der versagt“,
so Präsident Sipos. Lorenz Kollmannsberger bezeichnete die Rosenheimer
Delegation als Botschafter der Freundschaft und sprach nach der
Abkommensbesiegelung eine Gegeneinladung nach Rosenheim aus.
Partnerschaftsabkommen
mit europäischem und praktischem Charakter
 Das
Partnerschaftsabkommen hat europäischen Charakter und zugleich einfachste
Spielregeln. So heißt es eingangs des Vertrages: „Wir bekräftigen die
interregionale Zusammenarbeit zur Schaffung eines vereinten Europas in Frieden
und Freiheit, wir ziehen die Erweiterung der Europäischen Union und die
Kandidatur der Länder aus Mittel- und Osteuropa mit Rumänien in Betracht und
wir vereinbaren die Zusammenarbeit auf den Gebieten der Verwaltung, Wirtschaft,
Hochschulbereich, Jugend und Sport sowie Kultur und Soziales“, so die europäische
Seite. Die praktische Seite bestand darin, dass in Bezug auf das Abkommen und
dank der finanziellen Hilfe der Gemeinden Eggstätt, Eiselfing, Söchtenau und
Stephanskirchen ein Tiefbrunnen für Trinkwasser in einer der Temesch-Gemeinden
errichtet werden konnte. Im Beisein der vier Bürgermeister Josef Baumann aus Söchtenau,
Rupert Oberhuber aus Eiselfing, Rudolf Zehentner aus Stephanskirchen und Stefan
Beer aus Eggstätt aus den Spendergemeinden wurde unter großer Beachtung und
Dankbarkeit der Bevölkerung die Bohrarbeiter-Baustelle aufgesucht.
Die unvorstellbare Wasserknappheit in den Häusern (ein Versorgungsnetz
muss erst aufgebaut werden) und
die Einfachheit der Wahrnehmung staatlicher Aufgaben für Polizei und Feuerwehr
hat den Landkreis Rosenheim aufhorchen lassen. Bereits 10 für deutsche Verhältnisse
nicht mehr genehmigte Feuerwehrfahrzeuge und zwei Polizeiautos fanden bislang
den Weg nach Temesch. Weitere sollen folgen.
Schließlich
war und ist man nach dem jüngsten Besuch überzeugt, dass die Partnerschaft
eine Hilfe zur Selbsthilfe, ein Beitrag
für ein zusammenwachsendes Europa in Frieden und Freiheit sowie eine Chance für
Begegnungen von Menschen und Kulturen ist. Davon war auch Marius Popovici
angetan, der zum Abschluss seiner Betreuung bat, Rumänien, die dort sesshaften
gut 30.000 Deutsch-Stämmigen, die rund 500.000 Rumänien-Deutschen in
Deutschland und die gemeinsame Zukunft zu unterstützen. Nähere Informationen
zu den Kontakten und zu weiteren Hilfsmöglichkeiten für die Bewohner des
Kreises Temesch gibt es im Landratsamt Rosenheim bei Gerd Mühlberg, Telefon
08031-392-1030.
Anton
Hötzelsperger
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