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Christa Stewens: "Wir brauchen mehr Wettbewerb, mehr
Verantwortung, mehr Transparenz!"
Rege Podiumsdiskussion zur Zukunft des Gesundheitswesens
Bad Endorf, 18.09.02. "Gesundheitswesen nach der Wahl - Bleibt der Patient
auf der Strecke?", so lautete das Thema einer Podiumsdiskussion am
Dienstag, zu der die Gesundheitswelt Chiemgau eingeladen hatte. Als prominente
Gastreferentin und Podiumsteilnehmerin begrüßte Otmar Steßl, Vorstand und
Geschäftsführer der Unternehmensgruppe, im nahezu vollbesetzten Kursaal der
Chiemgau Thermen die bayerische Sozialministerin Christa Stewens (CSU).
In einer regen,
teilweise sehr fachspezifischen Diskussion, zu der auch das Publikum viele
Fragen beisteuerte, versuchte man die zukünftige Entwicklung im
Gesundheitssektor auszuloten. Dazu saßen neben der Staatsministerin auf dem
Podium: Landrat Dr. Max Gimple, Fred Nagengast, der bayerische
Landesgeschäftsführer der Barmer Ersatzkasse, Toni Müller, Mitglied im
Vorstand des Bayerischen Heilbäderverbands, Bad Endorfs 1. Bürgermeister Hans
Hofstetter, Dr. Dietolf Hämel, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Simssee
Klinik, sowie Dr. Werner Raufelder, Badearzt in Bad Endorf. Die
Moderation übernahm der leitende Regierungsdirektor Michael Zellner.
In ihrem Eingangsreferat und im Laufe der Podiumsdiskussion machte Christa
Stewens deutlich, wo die wunden Stellen im Gesundheitswesen liegen:
Einnahmeeinbußen bei den gesetzlichen Krankenkassen infolge hoher
Arbeitslosigkeit, die Überalterung unserer Gesellschaft, die dazu führt, dass
junge Erwerbstätige über ihre Krankenkassenbeiträge immer mehr alte Menschen
mitzufinanzieren haben, und vor allem die Einführung des so genannten
Fallpauschalengesetzes. Die Neuregelung soll ab nächstem Jahr im stationären
Krankenhaus-Bereich kürzere Liegezeiten der Patienten bewirken, indem die
einzelnen Krankheiten und deren Behandlung über feste Kostenpauschalen
(Diagnosis related groups, kurz DRGs) abgerechnet werden. "DRGs sind
organisierter Wahnsinn", meinte die Sozialministerin, "sie bringen
noch mehr Bürokratie mit sich und es geht nur noch um Krankheiten, und nicht
mehr um den kranken Menschen."
Auch die anderen Podiumsteilnehmer äußerten ihre Besorgnis zum
Fallpauschalengesetz und zur generellen Entwicklung im Gesundheitswesen. Einig
waren sich alle darin, dass trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation
der Mensch im Mittelpunkt bleiben müsse. "Mit Zahlen habe ich noch keinen
Menschen geheilt!", brachte es Dr. Hämel auf den Punkt. Notwendig seien in
Zukunft die Stärkung der Eigenverantwortung der Patienten, der Ausbau der
Gesundheitsvorsorge und strukturelle Änderungen im Gesundheitswesen. Nur so könnten
der Bürokratismus verringert, die Durchschaubarkeit des Systems verbessert und
die Qualität der medizinischen Leistungen erhalten werden.
Dr. Gimple: "Wir haben zwei Möglichkeiten, das Kernproblem zu lösen:
Entweder wir senken die Ausgaben und damit die Leistungen im
Gesundheitswesen, oder wir erhöhen die Einnahmen der Krankenkassen. Um einen
Ausweg aus diesem Dilemma zu finden, bedarf es in Zukunft einer intensiven und
vor allem ehrlichen Auseinandersetzung ."
Nach zweieinhalb Stunden war die lebhafte Podiumsdiskussion zu Ende. "Wir
gehen bewegten Zeiten entgegen", resümierte Michael Zellner.
Dankeschön für die Sozialministerin: Otmar Steßl, Vorstand und Geschäftsführer
der Gesundheitswelt Chiemgau, überreicht Christa Stewens
einen Blumenstrauß
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