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Bayerische Trachtler jetzt unter einem Dach vereinigt
„Jahrhundertwerk“ im Bayerischen Landtag gewürdigt

Die Chiemgauer AbordnungMünchen (hö) 17.09.02 -  Ein jahrzehntelanger Wunsch ging im Senatssaal des Bayerischen Landtages im Maximilianeum in Erfüllung: die bayerischen Trachtler, die bislang in zwei Dachverbänden organisiert waren, haben sich nach wohl überlegten Vorbereitungen zu einem einzigen Verband zusammengeschlossen. Die bereits notariell beglaubigte „Trachtler-Hochzeit“ auf höchster Ebene erfuhr nunmehr auch noch starke politische Anerkennung. Die Unterzeichnung des Verschmelzungsvertrages im Bayerischen Landtag zum fortan bezeichneten Bayerischen Trachtenverband würdigten in Grußworten Johann Böhm als Präsident des Bayerischen Landtages und als 1. Vorsitzender des Bayerischen Landesvereines für Heimatpflege sowie Bayerns Kultusminister Hans Zehetmair.

Landtagspräsident Böhm (li.) und Kultusminister Zehetmair (re.) standen den Vorsitzenden Otto Dufter (mit Gamsbart) und Peter Leonhardt bei.Insgesamt 1.000 Heimat- und Volkstrachtenvereine von der Rhön bis zum Königssee sowie vom Chiemgau bis zum Bayerischen Wald gehören nunmehr in 23 Trachtengauen und Bezirken zusammen. 200.000 erwachsene Mitglieder und 100.000 jugendliche Dirndl und Buam finden unter dem neuen Dach Platz. Gerade die zahlreiche und starke Jugend war es immer, die sich für einen Zusammenschluss beider Verbände einschaltete. Der Bayerische Jugendring und die Trachtenjugend-Organisationen waren schon viele Jahre in Form einer Arbeitsgemeinschaft der nunmehrigen Zusammengehörigkeit voraus. Wie bei der Jugend, so gilt auch für den Gesamt-Verband, dass man miteinander mehr Gewicht und Chancen für die stets steigenden Aufgaben im Land Bayern und darüber hinaus hat. Ob bei der Mitgliedschaft zum Deutschen Trachtenverband oder bei Sonderaktionen wie die derzeit laufende Spendenaktion zur Hochwasser-Hilfe lassen bessere Ergebnisse erwarten, wenn man einen starken Verband hat. Dies war den verschiedenen Ansprachen beim einstündigen Festakt zu entnehmen.

Farbenpracht und Stolz miteinander präsentiert

Einzug der Standarten in den Senatssaal des LandtagesBereits der Einzug der Standarten und Fahnen sowie die Anwesenheit der Trachten in ihrer bayerischen Vielfalt machten deutlich, dass das Brauchtum in Bayern in guten Händen ist. Otto Dufter vom Bayerischen Trachtenverband sprach von einem Vollzug, was vor 90 Jahren bereits Gedankengut war als sich der damalige Gauvorstand Franz Xaver Huber und Reichsrat Theodor von Cramer-Klett über einen Zusammenschluss unterhielten. „Jetzt aber, da wir den Zusammenschluss geschafft haben, ist jeder einzelne Trachtler gefordert, seinen Solidaritätsbeitrag für die größer gewordene Gemeinschaft zu leisten“, so der Landesvorsitzende aus Unterwössen, dem Peter Leonhard als 1. Vorsitzender des Landesverbandes Bayerischer Heimat- und Volkstrachtenvereine voll zustimmte. Für Leonhard war es eine vorletztmalige öffentliche Handlung, da der Name seines Landesverbandes mit der Jahrestagung des Bayerischen Trachtenverbandes Ende September im Kloster Banz aufgelöst wird. Dann gibt es nur noch den Bayerischen Trachtenverband. Die Neu-Besetzung der Vorstandschaft und der Sachausschüsse erfolgt ebenfalls in Kloster Banz im Rahmen der Neuwahlen.

Kultusminister und Landtagspräsident schauten über die Schultern

Otto Dufter vom Bayerischen TrachtenverbandGemeinsam unterschrieben Otto Dufter und Peter Leonhardt die Urkunde zum Verschmelzungsvertrag. Über die Schultern schaute dabei Bayerns Wissenschafts- und Kultusminister Hans Zehetmair. Dieser sprach einen Tag nach der viel beachteten Eröffnung der Pinakothek der Moderne von einem wichtigen Tag für Bayern und von einem historischen Ereignis für Bayerns Trachtlerinnen und Trachtler. „Der Faden der Geschichtsträchtigkeit wurde stärker geknüpft, halten wir auch zukünftig zwischen Altbaiern und Franken fest zusammen“, so der Minister. Landtagspräsident Böhm sprach wenige Tage vor Beginn des Oktoberfestes von einer Zeit, in der es an allen Ecken und Enden „trachtelt“. „Doch nur die richtige Tracht wiederspiegelt auch den Ausdruck gewachsener bayerischer Lebensart und ist Garantie für richtige Gesinnung und Werte“, so Böhm mit Hinweis auf die Bedeutung der organisierten Trachtenarbeit in Bayern. Weiters sagte er: „Tracht und Traditionspflege sind nichts Statisches, aber jeden modischen Firlefanz braucht man auch nicht mitmachen. Schließlich wollen wir einen respektvollen Umgang mit dem, was wir von unseren Vätern und Müttern ererbt haben“. In Zeiten der Globalisierung sei die Trachtenarbeit Herausforderung und Chance zugleich, so der Landtagspräsident, der zudem die Trachtlergemeinschaft auch als Vertreter des Volkes bezeichnete. Die Verschmelzung der beiden Trachtenverbände zum nunmehr großen Bayerischen Trachtenverband würdigte er noch abschließend mit den Worten: „Die Zeit erfordert das Bündeln der Kräfte, in der Einheit liegt viel Energie, die wir nunmehr nutzen wollen“.

Grußworte auch aus Österreich und Baden-Württemberg

Bayerns Kultusminister Hans Zehetmair.In weiteren Grußworten wurde deutlich, welch große Hoffnungen für Bayern und darüber hinaus in die Verschmelzung gesetzt werden. Worte des Lobes kamen vom Ehrenvorsitzenden des Deutschen Trachtenverbandes Otto Kragler, von Gottfried Rohrer, dem Landesvorsitzenden der Heimat- und Trachtenvereine in Baden-Württemberg, von Herbert Ullmann, dem Präsidenten des Bundes der Trachten- und Heimatverbände in Österreich, von Landtagsabgeordneten und Beiratsvorsitzenden des Festringes München Hermann Memel, von Gerhard Engel, dem langjährigen Präsidenten des Bayerischen Jugendringes und nicht zuletzt von Hans Zapf, dem Ehrenvorsitzenden des Bayerischen Trachtenverbandes. In Hochzeitlader-Manier rief er zu einem dreifachen „Vivat hoch“ auf. Hans Zapf war einer jener Leute, die als „Schmuser“ für die Trachtler-Hochzeit viel Energie und Arbeit einbrachten. Zu diesen gehörten auch weitere Ehrengäste des Festaktes wie Landtagsabgeordneter und Bayernbund-Landesvoristzender Adolf Dinglreiter, Florian Besold von der Bayerischen Einigung und Bayerischen Volksstiftung, Martin Wölzmüller vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege sowie die zahlreich anwesenden Trachtenverantwortlichen aus ganz Bayern. „Nicht kraftprotzend und uns versteckend, sondern farbenprächtig und selbstbewusst haben wir heute die Einheit der bayerischen Trachtler vollzogen. Nehmen wir nun die Aufgaben an, die wir damit bekommen haben“, so Landesvorsitzender Otto Dufter aus dem Chiemgau zum Abschluss und vor einer stärkenden Brotzeit. Hierfür und auch für die passende Ziach- und Blasmusik beim Festakt sorgten die Mitglieder des Isargau-Trachtenverbandes.

Fotos: Hötzelsperger

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Stand: 26. September 2002