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Geschichtsträchtiger
Skelett-Fund in Aschau i. Chiemgau
Mann
stammt aus 8./9. Jahrhundert
Aschau
(hö) 11.12.02 – Interessantes kam in der Gemeinde Aschau im Chiemgau zutage:
Wie Dr. Werner Zanier vom Heimat- und Geschichtsverein von Aschau informierte,
gab es im Gemeindebereich von Aschau Knochenfunde
als ein ganz und gar rares Wissenschaftsereignis. Dr. Zanier übergab dem
Heimat- und Geschichtsverein von Aschau folgende Aufzeichnungen: Bei
Aushubarbeiten für einen Neubau in Aufham (Kohlstattweg 2a) entdeckten die
Kinder der Familie Hofmann am 16. Mai 1999 am Rande der Baugrube knapp 1,2 Meter
unter der Oberfläche einige Knochen. Man erkannte Teile eines menschlichen Schädels
und informierte sofort die Polizei.
Am Vormittag des nächsten Tages kam die Kriminalpolizei
Rosenheim und hat die meisten Knochen des weitgehend vollständig vorhandenen
Skeletts geborgen. Noch am Nachmittag des gleichen Tages besuchte der von der
Polizei informierte Kreisheimatpfleger Ferdinand Steffan aus Wasserburg die
Fundstelle. Für diese Nachuntersuchung hatte die Kriminalpolizei die linken
Extremitätenknochen an Ort und Stelle belassen: Elle und Speiche, Oberschenkel,
der Unterschenkel fehlte, der Unterarm ruhte auf dem Oberschenkel. Außerdem
kamen noch einige kleine Finger- und Zehenknochen zum Vorschein. Ferdinand
Steffan präparierte den Boden im Bereich des Skeletts und stellte fest, dass
die Leiche auf einem hellen feinen Sand lag, in dem sich noch die Spuren eines
Holzeinbaus, vermutlich eines Sarges abzeichneten. Einige Tierknochen, etliche
Keramikscherben und Eisennägel aus der näheren Umgebung erwiesen sich als
rezent und stehen in keinem Zusammenhang mit der Bestattung. Weil jegliche
Beifunde fehlten und das Skelett in Ost-West-Richtung mit Blick nach Osten
orientiert war, vermutete Ferdinand Steffan eine beigabenlose Bestattung des 8.
Jahrhunderts nach Christus oder später.
Die
von Ferdinand Steffan geborgenen Knochen blieben beim Grundeigentümer, der sie
nach einiger Zeit in der Nähe wieder vergraben hatte. Die von der Kripo
Rosenheim aufgesammelten Knochen gelangten ins Bayerische Landeskriminalamt nach
München, wo sie von der Medizinaloberrätin Stahl-Schultz untersucht wurden.
Unter den zahlreichen Bruchstücken waren Beckenteile, Wirbel, Rippen, Röhrenknochen,
zwei Bruchstücke eines Unterkiefers, zwei Bruchstücke eines Gesichtsschädels
und verschiedene Kalottenfragmente. Die Zähne, die sich noch in Ober- und
Unterkiefer befanden, wiesen fast durchgehend plan abradierte Kauflächen auf
und zeigten keine Spuren zahnärztlicher Behandlungen. Der Zustand der Knochen
spreche für eine Liegezeit von weitaus mehr als 50 Jahren. Diese Knochen wurden
dem Heimat- und Geschichtsverein Aschau übergeben, der sie im Jahre 2000 von
Fachmann Schröter in der Anthropologischen Staatssammlung München
hat begutachten lassen. Demnach stammen die Knochen von einem erwachsenen, etwa
175 cm großen Mann, der im Alter zwischen 40 und 60 Jahren verstarb. Weil die
absolute Datierung des Skeletts völlig unklar war, veranlasste der Heimat- und
Geschichtsverein im Jahr 2001 eine naturwissenschaftliche Datierung im Labor des
Instituts für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Köln. Dort wurde an
einem 390 Gramm schweren Röhrenknochen die Kohlenstoff-14-Datierungsmethode
angewendet: diese Methode beruht darauf, dass jedes organische Material eine
bestimmte Menge an instabilen Kohlenstoff-Isotopen C-14 enthält. Aufgrund der
bekannten Zerfallsrate von 1 % in 83 Jahren kann durch die Messung des noch
vorhandenen C-14-Gehalts das absolute Alter bestimmt werden. Das Ergebnis war überraschend:
der Mann von Aufham starb mit einer Sicherheit von 68 % zwischen 770 und 870 n.
Chr. Dieses unerwartet frühe Datum fällt in den für Aschau bisher nicht
belegten Zeitraum des 8. und 9. Jahrhunderts n. Chr. Das Skelett von Aufham wird
am ehesten von einer regulären Bestattung des späten 8. oder 9. Jahrhunderts
n. Chr. stammen. Diese Bestattung könnte Bestandteil einer kleinen Gräbergruppe
sein, die zu einer frühmittelalterlichen Einzelhofsiedlung gehörte. Demnach wären
in der näheren Umgebung weitere Gräber und außerdem alte Siedlungsspuren zu
erwarten. Soweit die Aufzeichnungen von Dr. Zanier und von Ferdinand Steffan.
Unsere Aufnahme zeigt einen Einblick in die Fundstelle.
Foto: Hötzelsperger
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