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100 Jahre Trachtenverein Wildenwart
Geschichte des GTEV „D‘ lustigen Wildenwarter”

Wildenwart (hr) 03.03.03 - „Es ist uns eine Freude und eine Verpflichtung, Chiemgauer Tracht und Brauchtum seit 100 Jahren zu ehren und zu pflegen und diese Werte an die kommenden Generationen weiter zu vermitteln.  Treu dem guten, alten Brauch“. Unter diesem Motto steht das 100jährige Gründungsfest des Wildenwarter Trachtenvereins.

100 Jahre sind auch für einen Trachtenverein ein stolzes Alter und trotzdem bleiben Trachtenvereine immer jung. Schon lange hat die Trachtenbewegung in Wildenwart ihre Heimat. 1897 wurde der erste Wildenwarter Trachtenverein gegründet, das Vereinslokal war beim Wirt in Prutdorf. Sechs Jahre nach der Gründung, beim Gaufest am 15./16.August 1903 in Wildenwart, zerstritt sich die Vorstandschaft. In den Tagen darauf trafen sich die südlichen Wildenwarter und gründeten einen neuen Verein, „Die lustigen Wildenwarter“, Gründungsvorstand wurde Josef Schweiger aus Öd. Der bisherige Wildenwarter Verein nannte sich „Wildenwart Stamm“ und ist heute der Verein „Daxenwinkler Atzing“. Als sichtbares Vereinszeichen für alle brauchte der junge Verein eine neue Fahne. 1907 wurde sie unter der Patenschaft des Trachtenvereins von Bergen enthüllt, 1909 erhielt sie bei einem Trachtenfest in Salzburg den kirchlichen Segen.

Ein Ereignis war es für den Verein vor dem ersten Weltkrieg, wenn Prinzregent Luitpold zu einem Sommerurlaub nach Schloss Wildenwart zu seiner Schwester der Herzogin Adelgunde von Modena kam. Lud der Trachtenverein zum Tanz, waren stets auch die Hoheiten und die Prinzessinnen aus dem Schloss auf dem Tanzboden vertreten. Für die Burschen, die als gute Tänzer bekannt waren, war es eine Ehre, mit den Prinzessinnen und den Damen vom Hof zu tanzen.

Während der Kriegsjahre erlosch das Vereinsleben, sieben Vereinsmitglieder verloren ihr Leben auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges.

1920 feierte König Ludwig III. seinen Namenstag in Wildenwart, auch der Trachtenverein war zu diesem Ereignis geladen und verschönte den Tag mit Schuhplattlern und Trachtentänzen. 1922 verstarb König Ludwig III. auf seinem Gut Sarvar in Ungarn und wurde mit der Eisenbahn von Ungarn nach Bayern überführt. Der Verein gab dem verstorbenen König und seiner Gemahlin Königin Maria Theresia auf ihrem letzten Weg von Wildenwart nach Prien und München das Geleit.

1928 feierte der Verein sein 25jähriges Jubiläum, dazu wurde die Fahne renoviert und neu geweiht. 1931 schlossen sich „Die lustigen Wildenwarter” dem Chiemgau-Alpenverband an. Der Verein erlebte in den dreißiger Jahren eine erste Blütezeit, Almtänze und Auftritte der Plattler wurden zahlreich, auch für das damalige KdF-Werk fanden viele Veranstaltungen statt. Doch wieder erfolgte ein herber Rückschlag: während des Zweiten Weltkrieges erlosch das Vereinsleben, zwölf Vereinsmitglieder kehrten nicht mehr in die Heimat zurück, als 1945 die Waffen schwiegen.

Im Herbst 1945 fand sich wieder ein Ausschuss, um einen Neuanfang zu wagen. Im Oktober trafen sich die Wildenwarter zum Kirchweihtanz, am Kathreinstag fand wieder ein Dirndlkranzl statt - wegen der Sperrstunde versetzt von 14 bis 22 Uhr - genehmigt vom Allied Expeditionary Force Military Government.

Um Ersatz für die abgelieferten Kirchenglocken zu beschaffen, wurde 1949 ein großer Heimatabend durchgeführt, bei dem erstmals wieder die Plattler und eigene Gesangsgruppen auftraten. Aus Anlass des 50jährigen Bestehens des Vereins, richtete er 1953 erstmals das Gaufest des Chiemgau-Alpenverbandes aus. „Leider regnete es fast während der gesamten Festtage, erst zur Preisverteilung, als wollte sie uns ärgern,” schreibt der Chronist, „erschien die Sonne wieder.”

1957 fand sich die Jugendgruppe des Vereins zusammen, im selben Jahr wurde das erste Preisplattln abgehalten, acht Aktive und neun Jugendliche nahmen daran teil.

Als noch kaum ein anderer Verein etwas mit dem neuaufkommenden Begriff “Volkstanz” und der Pflege der althergebrachten Tänze anfangen kann, schließen sich 1960 auf Betreiben der Wildenwarter die Vereine von Wildenwart, Frasdorf, Atzing, Greimharting und Hittenkirchen zusammen, um unter der Leitung von Oberforstmeister Georg von Kaufmann aus Unken das alte Tanzgut zu erlernen. In den folgenden Jahren wurden diese Kurse regelmäßig wiederholt und wegen des großen Andrangs nach Frasdorf verlegt.

Auf Anregung des Ehrenmitgliedes Expositus Johann Strobel nahm der Verein bei kirchlichen Veranstaltungen in Tracht teil und bildete bei der Fronleichnamsprozession einen eigenen Block. Erstmals wurde 1964 ein Maibaum an der Schlossbrücke aufgestellt. Die Vereine von Atzing, Frasdorf, Greimharting, Höhenmoos, Prien und Wildenwart beschlossen reihum alljährlich ein Sechs-Vereine-Preisplattln abzuhalten.

Das Gaufest 1964 in Wildenwart hatte schwer unter der Witterung zu leiden. Wegen sintflutartiger Regenfälle wurde der Festgottesdienst im Bierzelt abgehalten; so etwas gab es im Bereich des Chiemgau-Alpenverbandes bis dahin noch nie. Der für den Nachmittag vorgesehene Festzug fiel zum ersten Mal aus. Bei der Weihe der neuen Fahne des GTEV Söllhuben übernahm der Verein die Patenschaft.

Bei den XX. Olympischen Spielen 1972 in München waren bei der Eröffnungs- und Schlussfeier auch die Chiemgauer Trachtler und bei ihnen einige Wildenwarter Dirndl und Buam vertreten.

1973 erhielt der Verein zum 70.Gründungsfest mit Fahnenweihe erneut die Ausrichtung des Gaufestes zugesprochen. Die neue Fahne wurde während des Gaufestes geweiht, Pate stand der GTEV Söllhuben, Fahnenmutter war Barbara Steindlmüller und Fahnenbraut Christa Voggenauer. Das Fest wurde ein voller Erfolg, beim dritten Anlauf nach 1953 und 1964 konnte der Festzug bei strahlendem Sonnenschein durchgeführt werden: 2500 Trachtler, elf Musikkapellen und neun Festwägen zogen durch den Ort; rund 10.000 Zuschauer säumten die Strassen.

In den Jahren nach dem Gaufest rührte sich viel im Wildenwarter Vereinsleben. Beim Sechs-Vereine-Preisplattln holten die Aktiven und die Kindergruppe den ersten Preis in der Gruppenwertung; allein 16 Buben von 14 bis 16 Jahren machten mit und Wildenwarter Buam belegten die ersten drei Plätze. Irmgard Voggenauer durfte 1976 als Vertreterin des Chiemgau-Alpenverbandes zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele nach Montreal fliegen.

Die große Gönnerin des Vereins I.K.H. Prinzessin Helmtrud von Bayern verstarb 1977. Auf ihren Wunsch wurde sie von Trachtlern zu Grab getragen und auf dem Wildenwarter Gottesacker beerdigt. Prinzessin Helmtrud förderte die Ziele der Trachtenarbeit und unterstützte den Verein, wo immer es ging. Ihre besondere Liebe galt der Theatergruppe, hier versäumte sie keine Aufführung.

Die Theatergruppe ist seit 1934 fester Bestandteil des Vereins: rundum bekannt waren die Wildenwarter für ihre Wildereraufführungen, bei denen es auf der Bühne blitzt und kracht. Gespielt wird traditionell im Saal der Schlosswirtschaft. Die Musikkapelle Wildenwart - 1955 gegründet - ist ein fester Partner der Wildenwarter Trachtler.

Der Verein ist in den 90er Jahren recht gut beieinander, mehrfach belegte die Gruppe beim Gaupreisplattln Plätze unter den ersten drei. Schon 1991 bewarb sich Wildenwart um das Gaufest 1993. Nach dem erfolgreichen Gaufest – auch dieses Mal regnete es, wenn auch nicht so viel - übergab Vorstand Andreas Freund sein Amt an Lambert Huber. Auch das vierte Gaufest der Vereinsgeschichte führte wieder zu einem deutlichen Aufschwung im Vereinsleben, eine ganze Reihe Buam belegte bei den Vergleichsplattln der folgenden Jahre Plätze im vorderen Bereich, die Gruppe erreicht 1993 den dritten und 1995 in der Besetzung Andreas Freund, Helmut Rosenwink, Michael Rosenwink und Peter Voggenauer den zweiten Platz beim Gaupreisplattln. Kontinuierlich geht die Arbeit für die Trachtensache in Wildenwart weiter, vor allem in der Jugendarbeit. Rund dreihundert Mitglieder und fünfzig Kinder gehören zum Verein und bilden eine Gemeinschaft. So ist der Verein eingebunden in das dörfliche Leben, kaum ein Anlass, mit dem der Trachtenverein nichts zu tun hätte, ein Kulturträger im Dorf und für viele eine ausgesprochene Autorität.

Text und Foto: Heinrich Rehberg

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Stand: 26. September 2002