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Bibel-Rarität im Städtischen Museum von Rosenheim noch bis 4. Mai zu sehen
Teil der Ausstellung  „400 Jahre Pfarrsitz“

Rosenheim (hö) 03.03.03     Das „Jahr der Bibel“ hat für die Stadt Rosenheim, ihre Gläubigen und Gäste sowie für alle Besucher des Städtischen Heimatmuseums im Mittertor eine besondere Bedeutung bekommen. Anläßlich der Festlichkeiten und Vorbereitungen zu „400 Jahre Pfarrsitz Rosenheim St. Nikolaus 1603 – 2003“ werden in den reich bestückten Museumsräumen viele kirchliche Raritäten dargestellt. Die mit Abstand wohl größte Besonderheit ist eine vierbändige Luther-Bibel. Diese wurde von Museumsleiter Walter Leicht bei dessen Depot-Recherchen gefunden und kann somit rechtzeitig zum Bibel-Jahr und zusätzlich zu den Pfarrei-Jubiläums-Feierlichkeiten der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Noch bis zum 4. Mai ist das Städtische Museum (dienstags bis samstags von 10 Uhr bis 17 Uhr sowie sonntags von 13 Uhr bis 17 Uhr) geöffnet (Telefon 08031-798994). Danach muss die Bibel-Rarität wieder aus dem öffentlichen Rampenlicht ins sichere und dunkle Archiv zurückkehren. Bei der Ausstellung hinter Glas ist folgende Information zur Bibel angebracht:

„Vierbändige Bibelausgabe – gedruckt 1523 bis 1525 in Basel durch Adam Petri. Altes und Neues Testament auf deutsch, zahlreiche Schmuckblätter und Stiche, marmorierte Einbanddecken, Buchrücken und Eckenleder. Ab etwa 1150 gewannen die Lehren Luthers auch in Rosenheim zunehmend Anhänger. Um den Einfluß des neuen Glaubens einzudämmen und die Ideen der katholischen Reform zu stärken berief Herzog Maximilian die Kapuziner als Seelsorger vor allem für das einfache Volk nach Rosenheim. 1606 konnten sie hier ihr Kloster beziehen, es war die zweite Niederlassung dieses Ordens in Bayern. Den Bau des Rosenheimer Kapuzinerklosters hatte Martin Papin ausschlaggebend mitfinanziert“ – soweit die Kurz-Information an der Bibel-Vitrine.

Doch die Bibel ist weit mehr als nur mit kurzen Worten zu beschreiben. Eine reiche Geschichte ist mit ihr verbunden. So informierte Museumsleiter Leicht, dass eine erste Expertise von Professor Reinhard Schwarz, ein emeritierter Professor für Kirchengeschichte in München interessante Ergebnisse zu Tage brachte. So wurden die ersten drei Bände mit der Übersetzung von Luther  aus dem Alten Testament in Basel gedruckt. Der vierte Band mit der Übersetzung des Neuen Testamentes wurde 1524 bei Johannes Knoblauch in Straßburg erstellt. Klar erkennbar ist, dass es sich um eine geschlossene, vierbändige Arbeit aufgrund der Anfertigungstechniken handeln sollte. Damit hat die Stadt Rosenheim eine Bibel-Besonderheit wie sie in dieser Art nur noch in Dresden, München, Stuttgart und Wolfenbüttel vorhanden ist. Es handelt sich um erste Nachdrucke der Luther-Bibel, die im September 1522 erstmals in Luthers Heimatstadt Wittenberg erschien. Nach Rosenheim kam das seltene, vierbändige Exemplar 1863 durch den Arzt Anton Biehlmayr, einem gläubigen Katholiken. Dieser übergab das kostbare Gut dem Städtischen Museum. Dort verblieb es lange Zeit, ehe es Museumsleiter Walter Leicht ans Tageslicht brachte. Dabei entdeckte Leicht noch einen Hinweis, dass man die Rosenheimer Luther-Bibel vor gut 50 Jahren einmal dem Münchner Antiquariat Jacques Rosenthal zum Kauf angeboten hatte. Auf der vorgefundenen Antwortkarte ging jedoch hervor, dass man im Augenblick keine Verwendung sieht. Heute haben die vier Bücher einen Wert von etwa 25.000 bis 30.000 Euro.

Foto: Hötzelsperger – Bibelansichten im Städtischen Museum von Rosenheim im Mittertor

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Stand: 26. September 2002