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100 Jahre Katholischer Kindergarten in Prien
Erinnerungs-Austausch der Ehemaligen bringt nette Geschichten zu Tage

Prien (hö) 04.03.03 –   Die Priener Seniorinnen und Senioren erinnern sich noch gerne und gut an ihre Zeit im Katholischen Kindergarten „St. Irmengard“. Dies zeigte ein „Ehemaligen-Treffen“ im Katholischen Pfarrheim, zu dem Kindergarten-Leiterin Schwester Siegtraud eingeladen hatte. Ziel war es, dass zusätzlich zur Geselligkeit auch noch ein Erinnerungs-Austausch zustande kam und dass die ehemaligen Kinder einige Bilder aus ihrer Zeit mitbrachten. Schließlich will man rechtzeitig zur 100-Jahr-Feier des Kindergartens am 17. Mai eine schöne Festschrift herausbringen.

 So informierte Fee Schader, dass sie sich gerne an die Jahre 1945 und 1946 erinnert, als sie im ehemaligen Kindergarten mit ihrem Vater und Lehrer in der ihnen zugewiesenen Wohnung waren. „Dann wurde ich herausgeheiratet“, so Fee Schader. Josefa Steinbeißer aus Osternach war von 1928 bis 1931 im Kindergarten und kann sich noch ganz genau erinneren. „Erst wenn ein Kinder sauber war, dann durfte es in den Kindergarten. Küchenschwester Luitpolda bereitete eine Suppe mit Brot von zu Hause vor, die es nach der Handarbeitsschule gab. Schwester Amarina bat die beliebte Küchenschwester jeden Tag, Wasser warm zu machen, weil es immer ein paar Ferkel gab, die unbedingt gebadet werden mussten“, so Beppi Steinbeißer mit dem zusätzlichen Hinweis, dass es damals nicht selten war, „Bamhackln“ und Kopfläuse zu haben. Verschiedentlich sprachen die Frauen und Männer von der Armut, die es früher gab. So nahmen die Kinder zuweilen von zu Hause eine Suppenschüssel mit (die Suppen waren übrigens sehr geschätzt und gut) und zuweilen mussten die Schwestern für die Kinder richtig um Lebensmittel betteln.

Theaterspielen war hoch im Kurs bei den Kindern

 Jedes Jahr gab es zu Weihnachten und auch während des Sommers ein viel beachtetes Theaterspiel. Zum Teil waren sogar noch Titel und Texte in Erinnerung. Frau Günzkofer, die Anfang der Zwanziger-Jahre im Kindergarten war, hat heute noch ein Jesuskind in ihrem Kripperl, das sie zum Dank für ihr Mitmachen beim Weihnachtsspiel von den Schwestern bekam. Zu damaliger Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war der Kindergartenbeitrag zwei Mark. Ganz viele und angenehme Erinnerungen kamen zur Nähschule zutage. Auch wenn man bei Schwester Thilo während dem Nähen Rosenkränze beten musste, gab es schöne Erlebnisse aus Kinder-Sicht. So zum Beispiel als einmal an einem Faschingstag mit der von der Nähschule gepflegten Kirchenwäsche von Greimharting mit einem Leiterwagerl und maskiert dorthin marschiert wurde. Hans Wallner, Bauer vom Moar z´Bruck war 1929 im Kindergarten. Einmal hatte er beim Theater die Hauptrolle als Osterhase. Nach dem Theater gab es eine für damalige Zeit reichliche Bescherung. So bekam er eine Burg mit Zinnsoldaten und sein Bruder bekam Skier. Frau Grassl, die heute in der Markt- und Senioren-Residenz wohnt, hatte die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erfahren und konnte auch von der Zeit des Nationalsozialismus berichten. Roswitha Rappel, bekannte Priener Hutmacher-Meisterin, zeigte eine Bastelarbeit ihrer Schwester, die diese vor 62 Jahren im Kindergarten zum Muttertag angefertigt hatte. Nur ein halbes Jahr später verstarb das junge Kind. Bis zum Alter von 15 Jahre war Roswitha Rappel jeden Tag nach der Schule im Kindergarten, um in der Nähschule zu sticken.

Sepp Stöttner vom Gries, der 1945 und 1946 im Kindergarten war und diesem seither nicht nur als Kirchenpfleger eng verbunden ist, konnte in seiner bekannt blumigen Sprache viel berichten. So zum Beispiel von einer herrschenden Überfüllung im Kindergarten wegen der vielen Flüchtlings-Kinder („Der ganze Garten war voll“) oder wenn wie damals noch mehrmals üblich eine Primiz war („Dann gab es als Belohnung von der Bruckenbaderin guten Kandiszucker“). Natürlich wusste auch Schwester Siegtraud viel zu erzählen. Ganz bekannt ist ihren Ausführungen zufolge noch, dass die Kinder bei Maßnahmen in der freien Natur immer an einem Seil mit Haltegriffen marschierten. Dieses Seil ist im übrigen noch vorhanden. Viele der genannten Erinnerungen und Informationen sollen nunmehr in einer Festschrift ihren Niederschlag finden. Prienerinnen und Priener, die noch etwas Besonderes zum Kindergarten „St. Irmengard“ wissen oder die noch interessante Fotos haben, können sich an die Schwestern Siegtraud, Gabriele und Emilia im Kindergarten unter Telefon 08051-2808 oder persönlich wenden.

Repro: Hötzelsperger

-         das älteste Foto, das beim Ehemaligen-Treffen von Sepp Stöttner mitgebracht wurde: Kindergartenfest im Jahre 1909

     - Weihnachtsspiel aus dem Jahr 1927

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Stand: 26. September 2002