derChiemgauer.de

Beitrag

Seine Kaiserliche Hoheit Otto von Habsburg
Beim Bund Katholischer Unternehmer auf Frauenchiemsee zu Gast

Frauenchiemsee (hö) 19.06.04 – Allerhöchsten, europäischen Besuch hatte der Wirtschaftsbeirat der Union aus den Bezirken Berchtesgadener Land, Traunstein und Rosenheim sowie der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) e.V. bei seiner diesjährigen Zusammenkunft auf Frauenchiemsee. Seine Kaiserliche Hoheit Dr. Otto von Habsburg, Präsident der Internationalen Paneuropa-Union sprach im Abteiforum nahe des Klosters zum Thema „Die Europäische Union nach der ersten Osterweiterung: neue Herausforderungen“. Der über einstündige Vortrag des fast 93jährigen Vollblut-Europäers erntete überaus großen Respekt und Beifall.

Auch wenn die Kaiserliche Hoheit kein Kaiserwetter mitbrachte und sich die Insel mit Regen und Wolken zeigte, kam sonniges Gemüt bei den rund 150 Teilnehmern aus Bayern und darüber hinaus auf. Priorin-Administratorin Schwester Benedikta freute sich in ihren Grußworten, dass dieses Treffen bereits zum fünften Male auf der Fraueninsel stattfindet und dass es gerade dort passt, weil der Heilige Benedikt der Schutzpatron von Europa ist. Dr. Otto von Habsburg machte anfangs einen Blick auf die jüngst gewesenen Europawahlen. „Rund 80 Vorträge habe ich vor diesen Wahlen von der Polargegend bis zur Adria gehalten“, so der rüstige Referent, der auf die schwache Wahlbeteiligung noch die Anmerkung hatte: „Wer was zu sagen hat, der geht zum Wählen“.

20 Jahre war Otto von Habsburg Mitglied des Europäischen Parlaments für Oberbayern, dabei lernte er die Erfahrung, dass es in Bezug auf die europäische Entwicklung besser ist auf den Zug aufzuspringen und den Zug zu lenken als den Kopf in den Sand zu stecken und sich vom Zug überfahren zu lassen. Die Größe des Parlaments in Straßburg mit 700 Abgeordneten hält er nicht nur aus finanziellen, sondern vielmehr aus praktischen Gründen für übertrieben. „Die Hälfte würde es auch tun“, meinte er. Das wichtigste Aufgabengebiet ist für Habsburg die äußere Sicherheit. „Wir wiegen uns in Sicherheit, derweil gibt es derzeit auf der Welt 16 Kriege und es gibt zusätzlich noch viele gefährliche Punkte und Menschen in der Welt“. Mit Sorge beobachtet Otto von Habsburg die Entwicklung in Russland. Dessen Präsident Wladimir Putin kam über Nacht an die Macht und er hat diesen Mann bereits zu DDR-Zeiten kennengelernt, als er noch unbekannt war. „Auch wenn Putin deutsch spricht und sehr intelligent ist, in seinem russischen Parlament wird nur die Meinung einer Partei geduldet und es entwickelt sich eine neue Diktatur“, so der Redner.

EU-Erweiterung ist Bedingung für Sicherheit

„Die Erweiterung der Europäischen Union ist eine der großen Bedingungen für Sicherheit und Frieden. Bleiben wir nicht stehen, denn Ausruhen tun sich nur jene Leute, die vorher nicht gearbeitet haben“, sagte Otto von Habsburg, der den Beitritt weiterer Länder wie Kroatien forderte, weil man nach dem ersten auch den zweiten Schritt tun müsse. Sorgen macht dem Paneuropa-Unison-Präsidenten die Abwanderung der Intelligenz aus Europa. „Von 19 Nobelpreisträgern Ungarns sind noch zwei da, der Rest ist ausgewandert, vornehmlich in die USA“. Auf die aktuelle Verfassungsdiskussion innerhalb der EU nahm Otto von Habsburg deutlich Stellung: „Ohne Gottesbezug ist das Werk nichts wert. Lassen wir uns nicht in die Irre führen, denn ohne Gott ist alles erlaubt“. An Deutschland gewandt meinte er: „Deutschland ist ein komisches Land. Nach dem respektvollen Wirtschaftswunder mit einem erreichten Lebensstandart, der seinesgleichen sucht, gibt es nur noch Nachrichten in der Form von Katastrophe des Tages und Krankheit der Woche. „Mit Pessimismus baut man nichts auf, es ist allerdings auch die Aufgabe von Jedem, am Erfolg durch Optimismus teilzuhaben. Jeder einzelne Christ trägt in diesem Punkt Verantwortung“.  Vor der folgenden Diskussion sagte Moderator Adolf Dinglreiter als Bezirksvorsitzender des Wirtschaftsbeirates Rosenheim, dass Europa mehr Otto von Habsburg´s brauchen würde. Nachdem die Grußworte anfangs BKU-Diözesanvorsitzender Helmut Linnebrink sprach dankten abschließend Dr. Michael Elsen vom Bezirk Traunstein und Berchtesgadener Land und Hans-Peter Czech als Vorsitzender der BKU-Gruppe Rosenheim dem hohen Gast für sein Kommen. Noch am selben Abend fuhr Otto von Habsburg nach Wien zu einer weiteren Veranstaltung weiter.

Stationen im Leben des Otto von Habsburg

20. November 1912: Geburt in der Villa Wartholz bei Reichenau an der Rax (Niederösterreich)
21. November 1916: Tod Kaiser Franz Josephs I.; Ottos Vater wird Kaiser (Karl I.), und Otto Thronfolger
21. März 1919: Die kaiserliche Familie flieht aus Österreich ins Exil in die Schweiz.
3. April 1919: Österreich beschließt die Habsburgergesetze mit der Landesverweisung und der Übernahme des Vermögens des Hauses Habsburg-Lothringen
1. April 1922: Kaiser Karl I. stirbt in der Villa Quinta do Monte auf Madeira. Als ältester Sohn wird Otto Oberhaupt des Hauses Österreich (und trägt damit den Kaisertitel) unter der Vormundschaft seiner Mutter, Kaiserin Zita
Sommer 1922: Exil in Spanien
1922-1929: Exil in Palacio Uribarren von Lequeitio (Baskenland)
20. November 1930: Großjährigkeitserklärung im Salon von Steenockerzeel. Ende der Vormundschaft Kaiserin Zitas.
7. Juni 1935: Doktor der sozialen und politischen Wissenschaften an der Universität Löwen unter dem Namen Herzog von Bar
Mai/Juni 1940: Flucht nach Frankreich
1940 bis 1944: Flucht in die USA. Exil in Washingon D.C.
1944 bis 1954: Exil in Frankreich und Spanien
10. Mai 1951: Hochzeit in Nancy mit Prinzessin Regina von Sachsen-Meiningen
Seit 10. Mai 1954: Ständiger Wohnsitz in der Villa Austria in Pöcking am Starnberger See
31. Mai 1961: Verzicht auf Thronansprüche gemäß dem Habsburgergesetz. Seit 1. Juli darf Otto wieder nach Österreich einreisen
11. Mai 1973: Otto von Habsburg wird Präsident der Paneuropa-Union
1979-1999: Mitglied des Europäischen Parlaments als Abgeordneter der CSU

Schreiben Sie uns Ihre Berichte!

zurück

derChiemgauerreport     kleinanzeigenreport      werberingreport 
copyright by friedrich wilhelm   83209 prien am chiemsee    dickertsmühlstrasse 24    Tel.: 08051/63344

Stand: 26. September 2002