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Chiemgauer Postkarten-Geschichte im Priener Heimatmuseum
Bürgermeister Fichtl eröffnet einblickreiche Ausstellung

Prien (hö) 26.06.04 – Die Geschichte und Vielfalt der Postkarte ist Gegenstand einer am Wochenende im Priener Heimatmuseum eröffneten Ausstellung. Insgesamt 400 Exponate aus der Zeit von 1886 bis 1921 aus dem Besitz des leidenschaftlichen Postkartensammlers Walter Brumm  zeigen unter dem Titel „Abgeschickt“ einen Querschnitt alter Ansichtskarten aus dem westlichen Chiemgau. Der frühe Tourismus am Chiemsee, König Ludwig II. und sein Königsschloss sowie Ortsveränderungen in Prien und Umgebung sind weitere Inhalte der übersichtlich aufgehängten Schautafeln und Vitrinen in zwei Museumsräumen.Gruß aus Prien – eine von 400 Postkarten, die in diesem Sommer im Priener Heimatmuseum zu sehen sind.

Priens Bürgermeister Christian Fichtl sprach in seinem Grußwort, dass der Chiemsee und der Chiemgau schon früher eine Märchenlandschaft war, die sich bis heute erhalten hat, allerdings mit einigen Veränderungen. Er dankte dem Sammler Walter Brumm für die Gewährung von Einblicken in seine reiche Sammlung und dem Priener Kulturförderverein für die Übernahme der Kosten eines über 50 Seiten starken Kataloges. Walter Brumm setzte sich in seinem Vortrag mit dem Thema der Post- und Ansichtskarten näher auseinander. „Die Postkarte hat sich in ihrer über 100jährigen Geschichte als schriftliches Kommunikationsmittel einen festen Platz erobert“, so Walter Brumm. Den Anfang der Postkarten-Geschichte bildete 1865 die Veröffentlichung des späteren Generalpostmeisters des Deutschen Reiches Heinrich von Stephan, der in einer Denkschrift Überlegungen zur Einführung eines offen zu versendenden „Postblattes“ zu reduziertem Porto anregte. Die Umsetzung dieser Idee ließ sich in Deutschland zwar noch ein paar Jahre Zeit, doch der Siegeszug der Postkarte nahm seinen Lauf. In Österreich-Ungarn ging es schneller. Im Jahr 1869 verfasste in Wien der Professor für Nationalökonomie, Dr. Emanuel Herrmann einen Artikel zum Thema „Über eine neue Art der Korrespondenz mittels der Post“. Damit verbunden war eine Aufforderung an die österreichische Postverwaltung, „Postkarten“ herauszugeben. Somit hatte die Postkarte in der K. u. K. – Donaumonarchie ihren Geburtstag. Am 1. Juli 1870 führten der Norddeutsche Bund und die Bayerische Postverwaltung die „Correspondenzkarte“ ein. Im Gegensatz zur Postkarte, die mit eingedrucktem Wertzeichen versehen war, mussten die Korrespondenzkarten mit Briefmarken frankiert beziehungsweise freigemacht werden. Erst am 1. Januar 1873 wurden für das Deutsche Reich Postkarten in  Groschen- (Norddeutschland) und Kreuzer-Währung (Süddeutschland) ausgegeben. Am gleichen Tag brachten Bayern – das sich seine eigenständige Postverwaltung bewahrt hatte – die erste Postkarte in Kreuzer-Währung an die Postschalter. Und erst ab 1. Januar 1875 wurde die einheitliche Mark-Pfennig-Währung im gesamten Reichsgebiet eingeführt.

Themen-Schwerpunkte und Ereigniskarten

Die Ausstellung im Priener Heimatmuseum hat als Schwerpunkt frühe Karten bis zum Jahr 1895. Gerade mit dem Tod von König Ludwig II. im Jahr 1886 und mit der Inbetriebnahme des Schiffes Luitpold und der Chiemseebahn im Jahr 1887 kam es zu motivreichen Postkarten-Anregungen, weil auch die Schlossbesucher rapide zunahmen. Für Walter Brumm sind Postkarten mehr als nur Zeitzeugen. Jede der ausgestellten Karten ist ein Unikat und vermittelt mit seiner Ansicht, mit der Briefmarke, mit dem Text und mit dem Stempel eine Fülle an interessanten Geschichtsinformationen. Interessant neben den königlichen Motiven und neben den besonders einfallsreichen Karten mit Bezug auf die Chiemsee-Maler sind auch Ereigniskarten. Damit sind zum Beispiel das Hochwasser im September 1899, winterliche Eisszenen auf dem Chiemsee oder der Trauerzug mit dem toten Bayerischen Königspaar Ludwig III. und seiner Gattin Therese  im Jahr 1921 von Wildenwart nach Prien für die Nachwelt in anschaulicher Weise festgehalten. Abschließend an die Eröffnung dankte Kulturfördervereinsvorsitzender Friedrich von Daumiller Walter Brumm für seine Postkarten-Sammlung und Museumsleiter Karl J. Aß für die Unterstützung bei der Realisierung dieser für Priener, Chiemgauer und Gäste gleichermaßen besuchenswerten Ausstellung. Diese ist noch anzuschauen bis zum 24. Oktober während der üblichen Museums-Öffnungszeiten (mittwochs bis samstags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr).

Repro: Hötzelsperger

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Stand: 26. September 2002