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Ausstellung „Papst Benedikt und Traunstein“ im Rathaus
Eröffnet Präsentation des Stadtarchivs dokumentiert die Beziehungen Joseph Ratzingers zu seiner „Vaterstadt“ 

Traunstein, (es) 20.10.2005 - Eine kleine Präsentation über die Beziehungen Papst Benedikts zu Traunstein eröffnete Oberbürgermeister Fritz Stahl im Beisein geladener Gäste und interessierter Bürgerinnen und Bürger am Donnerstag im Eingangsbereich des Rathauses. Das Stadtarchiv ist mit dieser Dauerausstellung in den Schaukästen des Eingangs „Brunnenhof“ – sie ersetzt die dort über mehrere Jahre gezeigte Ausstellung der Funde aus dem Brunnenschacht am Stadtplatz – einer oftmals seitens der Öffentlichkeit geäußertem Wunsch nachgekommen: Die Stadt sollte doch an zentraler, für alle problemlos zugänglichen Stelle die historischen Beziehungen Joseph Ratzingers zu seiner, von ihm selbst beim Besuch 2002 so bezeichneten, „Vaterstadt“, wo er „wieder die Atmosphäre der Heimat“ spürte, darstellen.

Dies ist nun geschehen, und in seiner Ansprache betonte Stahl, dass die Dauerausstellung eine schöne und sinnvolle Ergänzung zu den beiden von der Stadt herausgegebenen Broschüren „Papst Benedikt XVI. in Traunstein und Surberg“ und „Der Traunsteiner Benediktweg – Wege des Papstes in seiner >Vaterstadt<“, zu der kleinen Postkartenserie mit Papstmotiven und zu der geplanten Beschilderung der Häuser und Stätten in der Stadt, zu denen Joseph Ratzinger einen besonderen Bezug hatte, bietet. Zusammen mit den Aktivitäten der Pfarrei St. Oswald, des Studienseminars St. Michael auf der Wartberghöhe und der Nachbargemeinde Surberg – die neben einer eigenen Broschüre über die Verbindungen der Familie Ratzinger zu Surberg auch eine aussagekräftige Steintafel an deren ehemaligen Wohnhaus in Hufschlag angebracht hat – werde nun sowohl dem Gast wie auch dem interessierten Einheimischen die Möglichkeit an die Hand gegeben, sich über die jugendlichen Wurzeln des jetzigen Papstes zu informieren. Wichtig dabei ist vor allem, „dass wir den Papst nicht vermarkten, sondern auf einem gewissen Niveau der Beziehung Benedikt XVI. zu unserer Region gerecht werden wollten. Ich glaube, dies ist uns bislang mit vereinten Kräften auch gut gelungen“.

Betrachtet man die vom Stadtarchiv Traunstein in gewohnter Qualität zusammengestellte Ausstellung, fällt einem zunächst das Papstporträt Walter Angerers des Jüngeren ins Auge. Es handelt sich hierbei um einen limitierten Siebdruck, den der Siegsdorfer Künstler der Stadt für diesen Zweck verehrt hat. Das Originalgemälde wurde dem Heiligen Vater während der Generalaudienz am 7. September 2005 von einer Traunsteiner Delegation mit Landrat Hermann Steinmaßl und Stadtpfarrer Sebastian Heindl an der Spitze persönlich überreicht und befindet sich nun im Besitz des Vatikans. Zusammen mit diesem dekorativen Kunstwerk füllt liturgisches Gerät aus der Hauskapelle des 1972 aufgelassenen Bürgerheims die mittlere Vitrine; verlässlichen Zeitzeugenberichten zufolge hatte Joseph Ratzinger als junger Priester dort bei seinen Besuchen in Traunstein in den 50er Jahren des Öfteren aushilfsweise die heilige Messe gelesen. Ob er dabei auch die gezeigte Monstranz, den Hostien- bzw. Weinkelch oder das Weinkännchen in Händen hielt, ist nicht überliefert und bleibt der Phantasie des Betrachters überlassen…

Der linke Schaukasten bietet unter anderem Platz für das Goldene Buch der Stadt Traunstein mit dem Eintrag von Joseph und Georg Ratzinger anlässlich ihres (bislang einzigen) offiziellen Besuchs am 12. Mai 2002. Bilder davon sind auch auf einer an der Rückwand angebrachten Fototafel mit zu sehen; ein zweiter Rahmen enthält die Stimmen des Traunsteiner Tagblattes zur Wahl und Inthronisation Benedikts. Zu sehen ist auch das Dankschreiben des Papstes an Oberbürgermeister Stahl für die ihm von der Stadt angetragene Ehrenbürgerwürde, die er – „da Sie wissen, wie sehr ich an Traunstein hänge“ – gerne und mit großer Freude angenommen hat. Die Verleihung wird an einem noch zu bestimmenden Termin im Vatikan stattfinden. Ein echtes „Highlight“ aber ist ein pileus (eine Scheitelkappe), getragen vom Namensvorgänger des derzeitigen Pontifex, Benedikt XV., eine Leihgabe aus Traunsteiner Privatbesitz mit Echtheitszertifikat.

Benedikt XV. – eigentlich Marquese Giacomo della Chiesa (* 21. November 1854 in Genua; † 22. Januar 1922 in Rom) – war Papst von 1914 bis 1922. Sein engagiertes Auftreten gegen den ersten Weltkrieg machte ihm als „Friedenspapst“ bekannt. Ihn und die Ideale des heiligen Benedikt von Nursia setzte sich Joseph Kardinal Ratzinger bei der Wahl seines Papstnamens zum Vorbild, und sein Porträt – ein Zufallsfund aus den Sammlungsbeständen des Stadtarchivs – ziert auch die rechte Vitrine. Interessant ist auch die Fotomontage mit sämtlichen Kandidaten des Priesterseminars Freising, die 1951 von dem legendären Michael Kardinal Faulhaber ihre Weihe erhielten, unter ihnen Joseph und Georg Ratzinger, Rupert Berger sowie der langjährige Pfarrer von Surberg Karl Stadler, eine freundliche Leihgabe des Diözesanarchivs München-Freising. Neben den Druckwerken der Stadt (die Broschüre ist inzwischen auch in italienischer und englischer Sprache erschienen) und einer kurzen Schilderung der „Jugend in Traunstein“ wird hier auch ein italienischer Reisführer („La Baviera di Joseph Ratzinger“) vorgestellt, zu dessen Erscheinen das Traunsteiner Stadtarchiv einiges an Material und Arbeit beigesteuert hat. Entsprechend umfassend wird der Zentralort des Chiemgaus den italienischen Touristen auch vorgestellt, sicher nicht zu seinem Schaden. Joseph Ratzingers Wahl zum Papst hat Traunstein eben auch ein Stück internationaler Bekanntheit beschert, die man sich ansonsten wohl kaum hätte erarbeiten können. Und um der damit verbundenen Verantwortung gerecht zu werden, gilt, wie sonst kaum, die lateinische Forderung „uti, non abuti“ – gebrauchen, nicht missbrauchen.

Die Stadt Traunstein ist hier bislang, trotz hin und wieder auftauchender gegenteiliger Forderungen, einen konsequenten Weg gegangen. Mit dieser Ausstellung zur historischen und aktuellen Verbindung Benedikt XVI. mit der Stadt seiner Jugendzeit wird dieser sinnvoll weitergeführt. Die sehenswerte Präsentation ist täglich zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu besichtigen. Ein Besuch lässt sich auch gut mit einen der „Traunsteiner Benediktwege“ verbinden oder als Station auf der Radtour auf den Spuren des Papstes zwischen Inn und Salzach einplanen. Der Eintritt ist selbstverständlich frei (Franz Haselbeck).

Stadtarchivar Franz Haselbeck (l.) und Maler Walter Angerer der Jüngere vor seinem Papst-Porträt im mittleren Schaukasten Stadtarchiv Traunstein

Franz Haselbeck Tel. 0861/65-250 franz.haselbeck@stadt-traunstein.de

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Stand: 26. September 2002