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Heimatgeschichte auf 240 Seiten
Jahrbuch 2005 des „Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein“ erschienen

Traunstein (es) 23.12.05 - Zum 17. Mal seit 1989 ist, wie immer um die Weihnachtszeit, das Jahrbuch des „Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein“ erschienen. Stadtarchivar Franz Haselbeck, der die Publikation zusammen mit seiner Mitarbeiterin Monika Kösterke seit 1994 verantwortlich betreut, ist es wieder gelungen, dem interessierten Leser ein breites Spektrum geschichtlicher Abhandlungen zu präsentieren, verfasst von altbewährten Heimatforschern der Region, aber auch von renommierten Wissenschaftlern.

Aus dem Beitrag von Walter Staller: Zeichnung der ehemaligen Traunsteiner Gottesackerkirche samt Friedhof von Marcus Schreiber.Der einleitende Beitrag ist dieses Mal Alfred Staller vorbehalten, einem langjährigen Mitarbeiter des Jahrbuches, bekannt auch durch seine Artikel in den „Chiemgaublättern“. Er schildert unter dem gleichsam dramatischen wie treffend die Schrecken eines Krieges vor Augen führenden Titel „Was das Auge erblickte, war ein Bild grauenhafter Verwüstung“ die Luftangriffe auf die Stadt Traunstein in den Jahren 1944 und 1945. Breiten Raum nimmt dabei naturgemäß das verheerende Bombardement des Bahnhofes und seiner Umgebung am 18. April 1945 ein, bei dem über 100 Menschen den Tod fanden. Aber auch Ursache und Auswirkungen der weiteren Angriffe vom 11. November 1944, 20. Januar und 25. April 1945 werden ausführlich dargestellt und mit beeindruckenden Bilder und informativen Kartenmaterial belegt. Eine alphabetische Liste aller Todesopfer, die statistische Erfassung der Gebäudeschäden sowie Aufnahmen und technische Details der an den Angriffen beteiligten Flugzeuge ergänzen diesem Aufsatz. Staller gelingt es dabei vortrefflich, dem Leser den Luftkrieg in seiner ganzen Grausamkeit nahe zu bringen, ohne dabei auch nur ansatzweise den Boden der Objektivität zu verlassen und den gefährlichen Pfad der Aufrechung zu betreten. Der Beitrag fasst auch einen großen Teil der Inhalte der Ausstellung „60 Jahre Kriegsende in Traunstein“ zusammen, die das Stadtarchiv im Frühjahr in der „Alten Wache“ der Öffentlichkeit präsentiert hat.

Ebenfalls in den Rahmen des 60-jährigen Gedenkens an das Kriegsende und als Resümee einer Ausstellung ist der Beitrag von Judith Bader, der Leiterin der Städtischen Galerie Traunstein, einzuordnen; sie berichtet über die Künstlergruppe „Roter Reiter“ als ‚ein Produkt’ der unmittelbaren Nachkriegszeit. Das Titelbild des Jahrbuches, eine – für die städtische Kunstsammlung neu erworbene – Traunstein-Ansicht von Franz Rudolf Wanka, ist nur ein Beispiel aus den zahlreichen Werken dieser  Künstler, die das Ende des Nationalsozialismus auch als künstlerische Befreiung begrüßten und in ihrem Schaffen an Entwicklungen der Vorkriegszeit anknüpften, die durch das menschen- und kunstverachtende Regime des „Dritten Reiches“ unterbunden worden waren.  Franz Haselbeck schließt sich mit der Veröffentlichung seines Vortrages über „Herzogsburg, Veste und Pfleggericht Traunstein“ an, gehalten im November 2004 im Rahmen der Reihe des Historischen Vereins. Mit zahlreichen Bilder und den notwendigen Quellenangaben wissenschaftlich ergänzt, fasst der Text den Stand der Forschung bezüglich der Frühgeschichte der Stadt Traunstein zusammen und geht dabei vor allem auf die besondere Situation im Bereich des ehemaligen Stadtbauamtes ein.

Aus dem Beitrag von Alfred Staller: Der Schutthaufen des Hotels Krone nach dem Luftangriff auf Traunstein am 18. April 1945, dahinter das weitgehend verschont gebliebene Wohnhaus Bahnhofstraße 27.Das Leben eines heute weitgehend in Vergessenheit geratenen Künstlers zeigt Walter Staller, ein über die Jahre bewährter Autor dieser Publikation wie sein Vater, in seiner Maler-Biographie „Marcus Schreiber, der Zachersdorfer Maxl“. Schreiber, der am Ende seines Lebens nach Argentinien auswanderte und dort verschollen ist, hat unter anderem sämtliche Kirchen im Dekanat Traunstein in den 1920er Jahren in einer Postkartenserie zeichnerisch festgehalten. Dank des Entgegenkommens des passionierten Traunstein-Sammlers Helmut Kölbl konnten diese insgesamt als Kataloganhang diesem interessanten und zum Teil auch amüsanten Aufsatz beigefügt werden. Ganz anders wiederum ist die Themenstellung bei Hans Bleckenwegner, der sich der „Krankheiten im Mittelalter und der Neuzeit“ gewidmet hat und dabei besonders auf die in den zahlreichen Altöttinger Votivtafeln dokumentierten Krankheiten und Unglücksfälle eingeht.

Von Museumsleiter Dr. Jürgen Eminger in seinem Jahresbericht als Neueingang vorgestellt: Das „Bildnis eines Herrn“ von Cosmas Anselm Lorenzoni, Öl auf Leinwand, 1749, aus dem Haselberger-Nachlass.Einen bemerkenswerten und zugleich den längsten Beitrag stellte der Chieminger Historiker Dr. Norbert Schindler zur Verfügung; unter dem Neugier erweckenden Titel „Skandal in der Kirche“ behandelt er die „Strategien der kleinstädtischen Ehrbarkeit im ausgehenden 17. Jahrhundert“. Schindler, ein weit über die regionalen Grenzen hinaus anerkannter Experte auf dem Gebiet der Sozialgeschichte, liefert hier einen grundlegenden Beitrag über die soziokulturelle Struktur der frühneuzeitlichen Stadt Traunstein. Jedem, der über die Grenzen von Volkstümelei und historischer Legendenbildung hinaus an Stadtgeschichte interessiert ist, kann die Lektüre dieses zwar streng wissenschaftlichen, ungeachtet dessen jedoch jederzeit spannenden Aufsatzes nur empfohlen werden. Bekannt als Spezialist für die Geschichte der ehemaligen Gemeinde Kammer ist Gebhard Diener spätestens, seit 1996 seine umfassende Chronik der dortigen Höfe erschienen ist. Auch er zählte schon des Öfteren zu den Autoren des Jahrbuches; dieses Mal liefert er mit seinen „Anmerkungen zu Herkunft und Kindheit“ Balthasar Permosers einen wichtigen Baustein zu den nach wie vor nicht abgeschlossene Forschungen über diesen bedeutenden Barockkünstler, dem der Historische Verein 2001 zur 350. Wiederkehr seines Geburtstages einen eigenen Sonderband gewidmet hat.

Abgeschlossen wird das Kompendium mit einer Vorstellung des Heimathauses Chieming, verfasst von Rudi Leitermann, sowie den Jahresberichten des Traunsteiner Heimathauses (Autor: Dr. Jürgen Eminger) und des Historischen Vereins selbst. Walter Staller würdigt darin ausführlich die Verdienste der in diesem Jahr verstorbenen langjährigen Kustodin des Heimathauses Dr. Editha Habersetzer in sehr persönlichen Worten.

Auf 240 Seiten, illustriert mit 122 Abbildung, verteilen sich dieses Mal die Beiträge. Das neue Jahrbuch  ist im Traunsteiner Buchhandel, im Stadtarchiv im Rathaus und im Stadt- und Spielzeug Museum (Traunsteiner Heimathaus) erhältlich. Der Preis Beträgt acht Euro. Mitglieder des Historischen Vereins erhalten des Jahrbuch kostenlos.

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Stand: 26. September 2002