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Kirche will sich mehr um Regionalvermarktung kümmern
Heimische Produkte und Nahversorgung in den Dörfern ihr Anliegen

Rosenheim (hö) 06.10.05 – „Was geht uns als Kirche die Nahversorgung zur Verbesserung der Lebensqualität  an und was können wir hierzu für einen Beitrag leisten?“ – mit diesen Fragen beschäftigte sich erstmals in ausführlicher Form der Kreiskatholikenrat Rosenheim (KKR). In einer Zusammenkunft in den Räumen des Bildungswerkes Rosenheim unter der Leitung von Vorsitzendem Hans-Peter Czech machten die Repräsentanten der Dekanate Bad Aibling, Chiemsee, Inntal, Rosenheim und Wasserburg deutlich, dass vor Ort große Chancen und Aufgaben bestehen, um Lebensqualität zu erhalten oder zu steigern.

KKR-Vorsitzender Czech sprach bei seiner Begrüßung von einem klassischen Thema für die Kirche, wenn es um Regionalvermarktung gehe. Landkreisdekan Lorenz Poschenrieder, der das traditionelle Geistliche Wort sprach, erinnerte daran, dass in einem Dorf alles und jeder wichtig ist. „In der Realität ist es aber schon so, dass viele Orte keinen Bäcker, keinen Schuster und keinen kleinen Bauern mehr haben. Spielt sich da das Leben im Dorf nur noch vor dem Fernseher ab?“, fragte Poschenrieder mit der Bitte, das Aufeinander-Zugehen und das Sich-die-Hand-Reichen wieder bewusst zu stärken. Der Verödung ländlicher Räume durch die zunehmende Rückzugsmentalität der einzelnen Menschen will die Kirche mit ihren Gremien und Mitgliedern nun entgegnen. Praktische und positive Beispiele konnte in seinem Vortrag Sebastian Friesinger aufzeigen. Als Zweiter Bürgermeister von Albaching und in mehrfachen Funktionen in der regionalen Direktvermarktung („Lebensqualität durch Nähe“ als Gemeinde-Programm und Rosenheimer Bauernherbst im Verein der Regionalförderung) zeigte Friesinger Beispiele echter Nachhaltigkeit auf. Er sprach von der Beziehungs-Ebene („Gehen wir aufeinander zu und nicht aufeinander los und pflegen wir die Werte des Grüssens und Miteinander-Redens“), von der Sinn-Ebene („Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen“) und von der Sach-Ebene („Die heile, kleine Welt zu Weltmarktpreisen oder umsonst gibt es nicht“). Bürger, Vereine, Wirte, Erzeuger und Firmen müssen vor Ort in einem gesunden Kreislauf stehen, dann können sie sich gegenseitig fördern. Da sollte die Kirche nicht aussen vor bleiben. Bei der Diskussion, an der sich vor allem Alois Rinser vom Bildungswerk Rosenheim, Monika Mayer von der Katholischen Landvolkbewegung und Landesbäuerin Annemarie Biechl beteiligten, kam es zu praktischen Anregungen. So wäre es denkbar, ein Pfarrfest mit einem Markt der Möglichkeiten zu verbinden. Ausserdem könnte die Kirche über ihre Kindergarten-, Eltern-Kind-Gruppen- und Schul-Kontakte sowie über den Religions-Unterricht den Wert heimischer Produkte näher bringen. „Heute ist alles zu jeder Zeit verfügbar, deshalb genießen Essen und Trinken keine so hohe Wertschätzung mehr wie Auto, Reisen und Freizeit.  Ausserdem verschwindet Kochen als schöne Kultur in den eigenen vier Wänden immer mehr“, meinte Landesbäuerin Annemarie Biechl mit Hinweis darauf, dass die Arbeit in der Landwirtschaft und bei den verschiedenen Erzeugern wieder mehr Anerkennung finden muss. Die Bewusstseinsbildung, mehr Informationen, positive Beispiele und das Vor-Ort-Einkaufen als Erlebnis sollen gefördert werden. Der Kreiskatholikenrat Rosenheim will sich diesen Aufgaben zugunsten einer intensiveren Regionalvermarktung heimischer Produkte über die Neuwahlen im kommenden Jahr 2006 hinaus gezielt stellen.

Foto: Hötzelsperger

Wollen gemeinsam die Regionalvermarktung fördern: von links: Landkreisdekan Lorenz Poschenrieder, Rosenheims Dekan Benno Biehler, KKR-Vorsitzender Hans-Peter Czech, Landesbäuerin Annemarie Biechl und Sebastian Friesinger vom Verein zur Förderung der Regionalentwicklung im Raum Rosenheim e.V.

Weitere Informationen: Kreiskatholikenrat, Hans-Peter Czech Telefon 08031-67117

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Stand: 26. September 2002