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Sennerinnen Abenteuer
Wie drei Trostbergerinnen Krankenschwestern und Designerin ihren ersten Almsommer auf der Hofbauernalm in Aschau i. Chiemgau meisterten

Elke mit einer guten Brotzeit Aschau i. Ciemgau (hö) 18.09.05 – Wenn sich in diesen Tagen die Almen in den bayerischen Alpen wieder verändern, weil Mensch und Tier zu Tal ziehen, dann hat dies besonders für die Hofbauernalm an der südlichen Sonnwendwand nahe der Kampenwand eine eigene Bedeutung. In aller Stille und nicht so wie mancherorts als organisiertes Veranstaltungserlebnis ziehen drei ungewöhnliche Sennerinnen zusammen mit Bauern und Vieh vom Berg.

Elke mit ihrer lieben SauAm 8. Juni zogen Mona Huber, die am 2. September von ihrer Schwester Elke abgelöst wurde und Marion Obermaier als Sennerinnen auf die Hofbauern-Alm. Sie taten dies, ohne die Alm vorher jemals gesehen zu haben. Und mit der landwirtschaftlichen oder almwirtschaftlichen Vorbildung war es auch nicht soweit her. Die drei Freundinnen, die allesamt aus dem Trostberger Raum stammen, erfüllten sich mit dem Almsommer auf der Hofbauernalm einen Traum. Der Gedanke von einer eigenen Almbewirtschaftung kam dem Trio im Vorjahr, als sie zusammen im Berchtesgadener Land eine Berg- und Wanderwoche verbrachten. „Das wäre schon traumhaft, wenn wir einen ganzen Sommer die Abgeschiedenheit der Berge in Kombination mit dem Erlebnis einer Sennerin genießen könnten“. Mutig wie sie waren, wandten sie sich an den Almwirtschaftlichen Verein von Oberbayern in Miesbach und der schlug ihnen vor, die verwaiste Hofbauernalm ins Auge zu fassen. Bei dieser Alm handelt es sich um eine Weidegemeinschaft mit zehn Chiemgauer Bauern, dessen Vorstand Sebastian Staber (Beim „Raschl“) in Siegharting in der Gemeinde Riedering ist. Ein erstes Zusammentreffen zwischen den suchenden Frauen und den Bauersleuten im Tal war so überzeugend, dass es spontan den berühmten bayerischen Handschlag gab. Und erst einige Zeit später ging es auf die Alm zur Besichtigung des sommerlichen Objektes. Der erste Tag war der Vatertag. Er wurde zum Zaunmachen und zum ersten Umschauen genutzt.  Von der einzigartigen Aussicht war nichts zu sehen. Trotz starken Regens ging es dann ein paar Wochen später mit frohem Wesen an die Aufgabe und als die Tiere auch noch da waren, da konnten die Sennerinnen die inzwischen erlernten Grundkenntnisse bestens anwenden.

Sennerinnen und Almbauern gründeten eine „Alm-Familie“

Frischkäse von MarionMarion Obermaier als Diplom-Designerin, die seit sechs Jahren in Frankfurt lebt und arbeitet und Mona Huber, die im bisherigen Berufsleben als Krankenschwester im entfernten Münster im Einsatz war, haben mit den zehn Almbauern der Pächtergemeinschaft schnell eine „Alm-Familie“ gegründet. Und auch die später dazu kommende Elke Huber war begeistert: „In meinem Beruf als Krankenschwester auf der Intensivstation des Krankenhauses von Traunstein habe ich oft eine wahnsinnige Belastung, hier heroben auf dem Berg erfahre ich genau das Gegenteil“, so die gebürtige Trostbergerin. Das Käsen und einige andere Arbeiten erlernte Mona Huber  vor dem Einsatz auf der Alm auf einem Bauernhof. Wichtig war, dass die Alm immer von zwei Sennerinnen gleichzeitig besetzt war. Auch wenn ankommende Wanderer immer gerne gesehen und gut mit almerischen Brotzeiten und Getränken versorgt wurden, war es den frisch gebackenen Sennerinnen nicht das Wichtigste, viele Gäste zu bewirten. Vielmehr lebten sich nach dem Grundsatz, dass die Ruhe einer Touristen-Menge vorzuziehen ist. Schließlich war es mit diesem Grundsatz auch leichter zu schaffen, Vieh und Alm zu betreuen. Vier Milchkühe galt es täglich zu melken. Rund 50 Liter Milch wurden danach zu bestem Frisch- oder Hartkäse verarbeitet. Für manchen Berggeher waren die Brotzeiten auf der Hofbauernalm ein Geheimtipp. Und manche kamen des öfteren wegen der Brotzeiten und wohl auch wegen der feschen Sennerinnen. Ein Arzt aus dem Achental kam sogar fast täglich mit dem Radl zur Hofbauernalm. Der Kontakt mit den Leuten war eine neue Erfahrung. „In Frankfurt hatte ich zwar unzählige Leute um mich, aber richtig kennen lernen konnte ich die Menschen hier heroben schon besser“, stellte Marion Obermaier fest.

Rückkehr 2006 ist noch offen

Marion und Elke mit ihrer Lieblingskuh KarinFür heuer konnten die Sennerinnen aus ihrem Beruf aussteigen, weil sie noch Urlaub und Überstunden hatten. Eine Rückkehr in vorherige Aufgabenfelder ist zumindest für Designerin Marion noch offen, doch war sie es auch vorher schon gewohnt, freiberuflich zu arbeiten. Der finanzielle Aspekt lockte das Trio nicht hinauf in die Chiemgauer Bergwelt, denn reich werden kann man als Sennerin nicht. Ihre Eltern und Freunde aus Trostberg trafen gerade die nach Frankfurt und Münster beruflich ausgewanderten Frauen mehr als sonst. Denn schließlich war es Ehrensache für Verwandtschaft und Bekanntschaft, den drei Aussteigerinnen auf der Hofbauernalm immer wieder einen Besuch abzustatten. Ob sie im nächsten Jahr wieder mit von der Almpartie sind, wissen sie noch nicht. „Wollen tun wir schon und freuen würden wir uns auch, aber da müssen beruflicherseits noch ein paar Dinge abgeklärt werden“,  so die Antwort. Die stromlose Hofbauernalm-Hütte, die 1985 einmal abbrannte und 1986 wieder aufgebaut wurde, kann nunmehr mit Ruhe und Stolz verlassen werden. Vermissen werden die Sennerinnen vor allem ihre Lieblingskuh Karin und eine im Sommer hergefutterte und lieb gewonnene Sau, sie wird wohl in nächster Zeit dem Metzger in die Hände fallen. „Zwei Katzen sind leider mit Almbesuchern mitgegangen und nicht mehr zurückgekehrt“, sagt Marion mit ein bisschen Wehmut. Ob sie selbst mit ihren Freundinnen wieder zurückkehrt, das wird der Winter zeigen.

Fotos: Hötzelsperger

 Die HofbauernalmDie Hofbauernalm

Weitere Informationen: Mona Huber, Telefon 0152-04940664

 

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Stand: 26. September 2002