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Erinnerungen an einen Mord im Jahre 1919 in Prutdorf bei Wildenwart
Erzählt, von Josefa Steinbeißer, deren Opa das Opfer war

Prien-Prutdorf (hö) 28.08.05 – Es war im Mai des  Jahres 1919, dass in Prutdorf ein Mord geschah. Hierüber gibt es keine offiziellen Quellen oder einen Zeitungsbericht von damals. Die Erinnerung an das brutale Geschehen ist allerdings noch bei einigen Leuten vom Hören-Sagen wach. So unter anderem bei Josefa Steinbeißer aus Prien-Osternach, die die schaurige Geschichte von ihrem Vater und Großvater mehrmals erzählt bekam. Die heute 80jährige Frau kann die Geschehnisse noch gut in Erinnerung bringen, weil es sich beim Ermordeten um einen Verwandten, nämlich um den Großvater mütterlicherseits  handelte.

Der Ermordete war ein gewisser Josef Zechner, dessen Eltern vom nahen Gaishacken nach Prutdorf kamen, das damals noch zur Gemeinde Wildenwart gehörte. Dieser Josef Zechner hatte von einer Therese Seininger von der Halbinsel Sassau eine ledige Tochter (diese wiederum war die Mutter von Josefa Steinbeißer).  Im Jahr 1900 oder 1901 hatte Zechner eine Dirn vom „Mühltaler“ geheiratet, diese brachte einen achtjährigen Stiefsohn in die Ehe. Dieser Stiefsohn sollte der spätere Mörder sein.  Zum Stiefsohn kamen gleich nach der Hochzeit noch weitere vier Kinder dazu. Der älteste war der Jakl, die weiteren waren der Sepp, der im Chiemgau ein Haus baute, der Hiasl, der nach Schlossberg zog und in jungen Jahren beim Hantieren mit Munition zu Tode kam und die Nanni, die nach Berlin zog. Josef Zechner war Schloß-Zimmermann im nahen Wildenwart und hatte ein Häusl mit kleiner Landwirtschaft in Prutdorf. Die Ehefrau Therese Zechner verstarb mit etwa 40 Jahren allzu früh, die Kinder hätten die Mutter noch viel gebraucht. Wie sich Josefa Steinbeißer erinnert, soll sich Josef Zechner um eine Bedienung aus der nahen Prutdorfer Gastwirtschaft umgeschaut haben, um das plötzlich entstandene Erziehungsproblem zu meistern. Das Verhältnis zu seinem Stiefsohn war schon vor diesem sich anbahnendem Verhältnis nicht das Beste. Die Tat geschah dann um den 20. Mai des Jahres 1919. Im nahen Bachham wurde beim „Staffner“ gefeiert. Bei der sogannenten Nacht-Hochzeit (heute Polterabend) war die ganze Nachbarschaft bis Prutdorf hinauf auf den Beinen, denn beim „Staffner“ wurde eingeheiratet (Josef Staffner ehelichte Maria Fischer aus Ernsdorf).

Erschlagen und in die Prien geworfen

Wie weiter überliefert wurde, hat man zu besagter Zeit ein mehrmaliges und auffälliges lautes Hacken in der Tenne des Hauses in Prutdorf gehört. Sepp König, so hieß der Stiefsohn, hat wohl seinen kaum 50 Jahre alten Stiefvater zu Hause erschlagen und dann mit einem Schubkarren in die nahe Prien gebracht und dort ins Wasser geworfen. Josefa Steinbeißer ist sich ob dieser Version ziemlich sicher, da ihr Vater Sebastian Staffner mit dem König Sepp in die Schule ging und die beiden gute Spezi gewesen sind. „Prutdorf war zu diesem Zeitpunkt leer als die Nacht-Hochzeit in Bachham war und zur Prien hätte sich der Zechner Sepp nicht foppen lassen“, erzählt Josefa Steinbeißer. Drei Tage lang wurde dann der Ermordete gesucht ehe er in einem Gestrüpp verfangen und im Wasser liegend gefunden wurde. Beim Nachbarn im Salmer-Hof wurde der Leichnam seziert. Nach der Tat wurde Sepp König verhaftet und nach Straubing ins Gefängnis gebracht, die Kinder bekamen Pflegeplätze und das Haus wurde verkauft. Die Verhandlung für Sepp König war in Traunstein. Zu damaliger Zeit gab es noch die Todesstrafe. König Ludwig III. begnadigte Sepp König jedoch zu einer lebenslangen Haftstrafe. Ein Erlaß auf 12 bis 15 Jahre war jedoch nicht möglich, weil der damalige Wildenwarter Bürgermeister, der „Grom-Bauer“ von Brandenberg, Peter Stoib nicht einwilligte, zumal man zu jener Zeit noch einen sogenannten Gutstand leisten musste. Als im Jahre 1945 die Amerikaner zur Befreiung kamen, da wurden auch die Gefängnis-Insassen freigelassen. Sepp König machte sich gleich auf den Weg nach Bachham. Dort erkannte ihn eine versammelte Männer-Runde kaum. Alte Freundschaften konnten nicht mehr aufgewärmt werden, so zog es Josef König nach Rosenheim. Einem Zeitungsbericht zu Folge wurde er allerdings mit seiner Freiheit nicht fertig und er nahm sich das Leben. Damit war auch das Leben des Vatermörders erloschen.

Josefa Steinbeißer, Jahrgang 1925, kann sich noch an die Erzählungen ihres Vaters erinnern, der ein Schulfreund des Vatermörders war.

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Stand: 26. September 2002