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Ausgrabungen
Grabungen in der Mittleren Hofgasse auf dem Grundstück der ehemaligen Veste  

Traunstein (es) 19.04.06 - Im Rahmen eines „Abends der offenen Grabung“ stellten der örtliche Grabungsleiter Jochen Scherbaum und Dr. Walter Irlinger vom Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung Bodendenkmäler, den derzeitigen Forschungsstand an der Grabungsstelle „Veste“ beim ehemaligen Stadtbauamt (Mittlere Hofgasse 11) vor. Dabei wurden zunächst die Vertreter der Presse, des historischen sowie des Fördervereins „Alt-Traunstein“ informiert, bevor die über die Medien sowie die amtlichen Verlautbarungen eingeladene interessierte Öffentlichkeit – die davon einen überaus regen Gebrauch machte – durch die Grabungsstätte geführt wurde.Herrn Scherbaum und einen Teil der Grabungsfläche

Nach einer kurzen Begrüßung seitens des Oberbürgermeisters informierte Dr. Walter Irlinger zunächst über die allgemeinen Ziele dieser Grabung, bevor Jochen Scherbaum die derzeitig vorliegende Fundsituation erläuterte. Dabei konnte er berichten, dass man bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt den, soweit noch in Rudimenten erhalten, Bauzustand der spätmittelalterlichen herzoglichen Veste freigelegt hat, die in den schriftlichen Quellen ab dem Jahr 1361 belegt ist und ab der Mitte des 16. Jahrhunderts auch durch Zeichnungen und Stiche nachgewiesen werden kann. Die archäologischen Befunde gehen dabei mit den bislang bekannten historischen Fakten konform: So konnten die mächtigen Fundamente des „Bergfrieds“, des bereits auf der Apian-Ansicht von 1560 erkennbaren zentralen Wehrturms ebenso freigelegt wie auch der „Wall“, immer wieder in den schriftlichen Aufzeichnungen genannt, anhand der Bodenformation belegt werden. Schön zu erkennen ist auch noch das Pflaster des ehemaligen Burghofes.

In den nächsten Tagen und Wochen werden die Grabungen weiter „in die Tiefe vorangetrieben“, und es deutet alles darauf hin, dass man danach auch die „vorherzogliche Zeit“ der Burg, über die es bislang nur Mutmaßungen gibt, belegen kann. Kleinere Keramikfunde aus dem 11. und 12. Jahrhundert wurden schon im bisherigen Verlauf der Arbeiten zu Tage gefördert; falls man auch die gesamte Burganlage auf diesen Zeitraum zurückführen kann, muss dies wohl als entscheidender Beleg für den Sitz des Geschlechts der Herren „de Truna“ auf dem Gebiet der Stadt Traunstein gewertet werden. Die Öffentlichkeit jedenfalls wird darüber noch in einer weiteren Grabungsführung informiert werden, die wohl in der zweiten Maihälfte stattfinden wird. Bis Ende Mai sollte nämlich die Grabung abgeschlossen sein und der Bau der projektierten Wohnungen in Angriff genommen werden. In jedem Fall wird die Stadt rechtzeitig zu diesem sicher sehr interessanten historischen Termin einladen. Es ist im Übrigen auch angedacht, einige der bearbeiteten alten Quadersteine der Veste in den Neubau zu integrieren. Gespräche mit dem Bauherren hierüber werden derzeit geführt.

 

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Stand: 26. September 2002