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Jakob Irrgang
Außergewöhnliche Trauerfeier in Hittenkirchen

Hittenkirchen (hö) 21.04.06 – Das Gotteshaus „St. Bartholomäus“ von Hittenkirchen konnte die Trauergäste bei weitem nicht fassen, die sich einfanden, um dem im Alter von 67 Jahren überraschend verstorbenen Jakob Irrgang die letzte Ehre zu erweisen. Irrgang wurden vielfältige Verdienste für seine Familie und Kirche, sowie für Vereine und Brauchtumsarbeit und auch im Beruf als Handwerker und Planer bescheinigt.

Das Bild von einem starken Baum, der nunmehr gefällt worden ist, beschrieb Pfarrer Bruno Frink zu Beginn der Trauerfeier, die vom örtlichen Kirchenchor und von der Musikkapelle Prien musikalisch gestaltet wurde. Fink bezeichnete Irrgang als Menschen, der Großartiges für die Hittenkirchener Dorfgemeinschaft geleistet hat. Aber auch der Kirche war er ein wertvoller Diener. So gehörte er viele Jahre aktiv der Katholischen Landjugend an und in 16 von insgesamt 20 Jahren seiner Zugehörigkeit zum Pfarrgemeinderat leitete er diesen als Vorsitzender.

Das Kümmern um die Prozessionen an Fronleichnam und am Patroziniumstag war ihm ein besonders wichtiges Anliegen. „Der Irrgang Jak wusste immer um die richtigen Schritte und Zwischenschritte ehe er für immer den irdischen Tanzboden verlassen musste“ – in diesem Sinne dankten Gauvorstand Ludwig Entfellner vom Chiemgau-Alpenverband und Vereinsvorstand Christoph Kaufmann einem Trachtler, der mit Leib und Seele die Brauchtumsarbeit lebte und gerne weitervermittelte. Irrgang war 30 Jahre Gauvolkstanzwart und 25 Jahre Zweiter Vorstand in Hittenkirchen. Dem GTEV „Almenrausch“ war  er auch als Fähnrich, Vorplattler, beim Bau und Ausbau des eigenen Trachtenheimes und vor allem bei den vielen Veranstaltungen sehr behilflich. Die Aufgaben der Volkstanzpflege und Volkstanzweitergabe übernahm er vom bekannten Tanzmeister Georg von Kaufmann. 1971 war es Jakob Irrgang, der erstmals in der Geschichte des Chiemgau-Alpenverbandes einen Gautanzwart als Aufgabe übernahm und der für die vielen Leistungen vor wenigen Jahren zum Gau-Ehrenvolkstanzwart ernannt worden war. Er hatte eine schwierige Startphase für den damals wenig beachteten, zuweilen sogar belächelten Volkstanz. Doch mit Hartnäckigkeit und vor allem mit viel Grundwissen-Vermittlung begeisterte Jakob Irrgang die Trachtler immer mehr. Die Zahl der Mitstreiter stieg und in 25 Jahren hat er unzählige Jugendliche an die Chiemgauer Tanzformen herangeführt. Ihm ist es zu verdanken, dass im Chiemgau anlässlich der Gautrachtenfeste die Volkstanzabende zum festen Bestandteil geworden sind und dass der Gauball aus seinem Nischendasein herausgeholt wurde und zu einer etablierten Veranstaltung gewachsen ist.

Mit dem Volkstanz sowie mit Volksmusik und Tracht war Irrgang nicht nur mit den Trachtlern eng verbunden. Er war dies auch mit dem Internationalen Freundschaftskreis in Prien (Tanzkurse gab er unter anderem auch in Frankreich, im Schwarzwald und in der Schweiz), mit dem Priener Goethe-Institut, mit der Franziska-Hager-Hauptschule, mit dem Bayernbund, mit dem Volksmusikarchiv des Bezirkes Oberbayern (unter anderem mit Singstunden) sowie mit allen 23 Trachtenvereinen des Chiemgau-Alpenverbandes. Deren Fahnenabordnungen, die Gaustandarte sowie die Ortsvereinsfahnen nahmen im gesamten Friedhof zur Trauerfeier Aufstellung und sie begleiteten den Leichnam in einem Trauerzug zum offenen Grab. Dort würdigte auch Zweiter Vorstand Manfred Buchwald vom Heimat- und Trachtenbund Bräunlingen die vielfältigen Verdienste des Verstorbenen. „Der Jak war von Anbeginn bis heute in 45 Jahren einer der Motoren unserer Freundschaft und er wurde hierfür in den 70er-Jahren mit der Hans-Jakob-Medaille und 2001 mit der Goldenen Ehrennadel von Bräunlingen geehrt“. Klaus Daiber würdigte in seinem Nachruf für den Hauptschulverband, für den CSU-Ortsverband und für die Gemeinde Bernau das Engagement von Jakob Irrgang, der sich für den Kindergarten ebenso einsetzte wie für das Schulwesen oder für die Parteiarbeit. Dem CSU-Ortsverband gehörte er 42 Jahre an, im Hauptschulverband war er von 1980 bis 1984 einige Jahre Elternbeiratsvorsitzender und seit 1996 setzte er sich stark für eine bayerisch-ungarische Schulpartnerschaft ein. Georg Hinterholzer als Vorsitzender des Krieger- und Soldatenvereins Hittenkirchen dankte dem langjährigen Vereinsmitglied, das seinen Wehrdienst in Bad Reichenhall geleistet hatte, ebenfalls mit einer Kranzniederlegung. Unter den zahlreichen Trauergästen befanden sich auch Landesvorsitzender Otto Dufter vom Bayerischen Trachtenverband sowie Vertreter vom Landesverein für Heimatpflege, vom Bayernbund, vom Bezirk Oberbayern sowie Abordnungen des Altbayerisch-Schwäbischen Gauverbandes, des Bayerischen Inngau-Trachtenverbandes, des Lechgau- und des Oberen Lechgau-Verbandes und des Gauverbandes I.

Foto/s: Hötzelsperger

1.      Porträt Jakob Irrgang

2.      Trauerzug mit Fahnenabordnungen aller 23 Trachtenvereine des Chiemgau-Alpenverbandes

3.      Die Fahnen senkten sich zum letzten Gruß über dem offenen Grab

 

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Stand: 26. September 2002