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Geschichte des Heiligen Nikolaus
Sachgebiet Mundart und Laienspiel im Bayerischen Trachtenverband fordert besseren Umgang mit Bräuchen vor Weihnachten

Bayern (hö) 30.11.06 – Hellwach sollen dieser Tage nicht nur die Kinder sein, wenn der Heilige Nikolaus mit seinem Knecht Rupprecht unterwegs ist. Höllisch aufpassen sollen auch die Erwachsenen und vor allem jene, denen Verantwortung in der Erziehung zu Hause, in der Schule und in Betrieben übertragen worden ist. Denn die Zeit der Nikolaus-, Advent- und Weihnachtstage ist voller schöner Bräuche, die nach Darstellung von Walter Sirch, dem Vorsitzenden des Sachgebietes Laienspiel und Mundart des Bayerischen Trachtenverbandes nicht vergessen und verdreht werden dürfen.

Der Kommerz und die Oberflächlichkeiten bei der Brauchtums- und  Dialektpflege haben schon spürbare Spuren hinterlassen.  Gerade um die Richtigkeit der Anlässe sollten die Kinder mehr wissen. Der Nikolaus zum Beispiel ist kein Weihnachtsmann. Er hat eine eigene Geschichte. Walter Sirch aus Suzscheid erklärt und klärt auf: „Alles begann mit dem katholischen Heiligen Nikolaus. In ihm ist ein gleichnamiger Bischof von Myra, gestorben am 06. Dezember 343 nach Christus und Abt Nikolaus von Sion vereint. Die Legenden um den Heiligen sind zahlreich und oftmals tritt er als selbstloser Schenker den Armen und Notleidenden gegenüber auf. Nachdem er den Bruder des byzantinischen Kaiser im 11. Jahrhundert wundersam heilte, war sein Siegeszug gewiss und so wurde er bis heute einer der populärsten Heiligen. Er gilt als Patron der Kinder, der Schüler, der jungen Mädchen, die sich Männer und der jungen Frauen, die sich Kinder wünschen. Er ist Nothelfer der Gebärenden, Schutzherr der Seeleute, der Kaufleute, der Müller, der Bäcker und Metzger, der Schneider und Weber, der Fährleute, Flößer und Schiffbauer, der Reisenden, selbst der Gefangenen, der Advokaten, der Notare, der Pfandleiher, der Küfner, der Wein- und Kornhändler und der Eigentümer. Sogar von Bettlern und Dieben wurde er als Patron angefleht.

Als im 10. Jahrhundert die Kunde vom heiligen Nikolaus nach Deutschland kam, vermischte sie sich mit den noch lebendigen heidnischen Bräuchen und der Heilige bekam zahlreiche Begleiter: Knecht Ruprecht, Krampus oder der Rheinländer Michl, um nur einige zu nennen. Mit Martin Luther wurde in der Reformzeit die Heiligenverehrung abgelehnt. In katholischen Gegenden konnte er sich allerdings weiterhin großer Beliebtheit erfreuen. Allerdings wurde er karikaturiert, das heißt in Darstellungen seiner bischöflichen Attribute beraubt und diese ersetzte man durch Gabensack und Rute. 1835 schrieb Heinrich Hoffmann von Fallersleben die Geschichte „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ und schon bald wanderte der „Weihnachtsmann“ nach Amerika aus, wo er als Santa Claus (holländisch Sinterklass) bekannt wurde. Und mit dem amerikanischen Kommerz kam der Weihnachtsmann wieder zurück nach Europa und Bayern“, so Walter Sirch in seiner Zusammenstellung. Durch Medien und Geschäftemacherei wurde und wird mit dem ehemals Heiligen Nikolaus eine ruchlose Geschäftemacherei betrieben. Beim Gang durch die Kaufhäuser und Geschäfte oder beim Lesen der Werbeanzeigen sieht man nur noch die Figur des für den Kommerz Missbrauchten. Die Brauchtumspfleger wollen allerdings den eigentlichen Sinn und Inhalt der Person des Heiligen Nikolaus wieder bekannter machen. Hierzu können Familien, Schulen, Kindergärten, Vereine und Medien beitragen. Dies erhofft sich das Sachgebiet Mundart und Laienspiel, dem aus allen 25 Gauverbänden des Bayerischen Trachtenverbandes Vertreter angehören. Diese wiederum tragen Verantwortung für fast 200.000 erwachsene und 100.000 jugendliche Mitglieder in fast 1.000 Heimat- und Volkstrachtenvereinen in Bayern.

Foto/s: Hötzelsperger

Walter Sirch, Sachgebietsleiter beim Bayerischen Trachtenverband für Mundart und Laienspiel

Weitere Informationen: Walter Sirch, Telefon 08349-777 od. 0171-4772725

 

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Stand: 30. November 2006