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Winter sowie Freizeitsportler und Hunde sorgen für Notsituation bei Wild
Gerade der Wildverbiss ist es, der Jägern und Waldbauern gemeinsam Sorge bereitet

Chiemgau (hö) 29.01.06 – Seit fast zehn Wochen sorgt eine geschlossene Schneedecke im Chiemgau für traumhafte winterliche Verhältnisse. Was für Pistensportler, Winterwanderer sowie Langläufer ein lange ersehnter Traum sein mag, für das heimische Wild ist es eine ausgesprochene Not-Situation. Die Natur verweigert ausreichend Fütterung, so dass die Jägerschaft mit umfangreichen Fütterungsaktionen gefordert ist. Der gerade im Chiemgau erhöhte Freizeitdruck verschlimmert die Notsituation für das Wild noch zusätzlich. Wir begleiten zwei Jäger bei ihrer Versorgungstour.

Die Jäger in der Chiemgau-Region betreuen ihre Reviere und sorgen für Futterstellen, die flächendeckend so verteilt sind, dass sich keine größeren Einstandsveränderungen des Wildes ergeben. Wenn nur alle 100 Hektar eine Futterstelle wäre, dann kommt es zu Wild-Konzentrationen und diese sind nicht gerade günstig für den Verbiss. Gerade der Wildverbiss ist es, der Jägern und Waldbauern gemeinsam Sorge bereitet. Die jungen Bäume des Waldes, deren Triebe den Tieren besonders dann schmecken, wenn Natur und Wildfütterung nicht ausreichende oder bessere Alternativen bieten, sollen sich ungestört fortentwickeln können. Die Fütterung im Wald muss kontinuierlich erfolgen, in der Regel wird jede Futterstelle so befüllt, dass immer genügend Futtervorrat vorhanden ist. Zur Fütterung gibt es ausgesuchte Mischungen. Bestandteile der artgerechten Futter-Silage (AFS) sind Grünzeug, Apfel- und Karottenreste, Maissilo, Heu, Rüben und ungebrochener Hafer. Der Hafer regt im übrigen den Pansen der Wiederkäuer an, das Sprichwort vom „Hafer, der sticht“ könnte hiermit im Zusammenhang stehen. Nicht auf den Tisch der Wildtiere sollen Kraft- und Soja-Futter oder Mastpräparate kommen. Die Fütterungsperiode soll so lange dauern, bis im Frühjahr die Vegetation wieder angesetzt hat. Neben den Schneedecken, die natürliches Futter für das Wild unzugänglich machen, sind in den letzten Jahren auch veränderte landwirtschaftliche Rahmenbedingungen zum Nachteil für das Wild geworden. Die intensive Landwirtschaft, die für die Bauern erforderlich wurde, bietet kaum noch güllefreie Zonen oder Raine. Dies hat zur Folge, dass die Rehe und Hasen weniger als früher aus den Wäldern herauskommen und in romantischen Bildern auf den Wiesen zu sehen sind. Arbeitszeit und Futterkosten während der Wintermonate gehen ganz zu Lasten der Jägerschaft, die aufgrund des Jagdgesetzes zur Fütterung verpflichtet ist, wenn es die  Witterungsverhältnisse (Notzeit) erfordern. Letztlich lässt sich das Ziel der winterlichen Fütterung des Schalenwildes ebenso wie das Ziel der Anlage von Wildäsungsflächen so zusammen fassen: durch die Darbietung geeigneter, vorzugsweise aufgenommener Futtermittel soll zum einen die Ernährung des Wildes generell verbessert und zum anderen sollen die im äsungsarmen Wirtschaftswald unvermeidlichen Verbissschäden auf ein ökonomisch tragbares Maß vermindert werden. Im übrigen kommen auch alle Vögel und Singvögel in den Genuss der Fütterung. Hasen vergnügen sich ebenfalls ein wenig mit den vorhandenen Heu- und Karrottenresten.

Freizeitdruck und Hundeverhalten überdenken

In Gebieten mit viel Freizeitdruck gibt es noch ein ganz eigenes, großes Problem. Wanderer, Langläufer und Jogger stören die Waldesruhe. Oftmals abseits der amtlichen Wege. Und vielfach in Begleitung mit einem Hund oder gar mehreren Vierbeinern. Schlimm wird es, wenn die Hunde nicht an der Leine sind, was leider immer wieder festzustellen ist. Der Jahreszyklus des Rehwildes sieht vor, dass in den Wintermonaten der Ruhe große Fettreserven abgebaut werden. Der Energiebedarf wird drastisch zurückgefahren, um mit weniger Nahrungsaufnahme zurecht zu kommen. Sobald jedoch eine Störung der Waldesruhe durch den Menschen oder seiner Hunde erfolgt, schnellt der Energiebedarf bei den Rehen um ein Vielfaches auf die Höhe. Die Jäger appellieren seit vielen Jahren ebenso wie die Bauern auf die Vernunft der Hundehalter. „Wenn ein Mensch schon einen Hund aus Liebe hält, dann sollte seine Tierliebe auch für die Geschöpfe des Waldes gelten“, ist die Meinung der Jäger. Streunende Hunde, die von Natur aus auf Wild reagieren und dieses unbarmherzig jagen, können nicht hingenommen werden, sie zerstören die Gemeinschaftsidylle von Mensch, Tier und Natur. „Rehe und andere Wildtiere sind schließlich auch Tiere“, so die Jägerschaft, die feststellt, dass durch Baumaßnahmen und erhöhtem Freizeitdruck der Lebensraum der Waldtiere immer mehr eingeengt worden ist. Da ist es schon gut, dass mit den Jägern auch Jemand für die Zurückgedrängten in der kargen Winterszeit sorgt.

Fotos: Hötzelsperger

1.      Jäger auf dem Weg zum Befüllen einer Futterkrippe

2.      Eine frisch befüllte Futterkrippe

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Stand: 26. September 2002