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Bernau am Chiemsee
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Ortschronik

Rasthaus

Das Autobahnrasthaus in Felden bei Bernau, direkt am Ufer des Chiemsees gelegen, ist seinerzeit als erstes Rasthaus am deutschen Autobahnnetz entstanden. So wie den Bedürfnissen des Benutzers der Autobahn nach Treibstoff und bei Schäden an seinem Fahrzeug abgeholfen wurde, so sollte auch Bauarbeiten im Sommer 1938 sein Bedürfnis nach Rast, Erfrischung und Verpflegung durch ein Rasthaus befriedigt werden.
Erbaut wurde das Rasthaus nach Plänen des Münchener Architekten Fritz Norkauer. Es liegt etwa auf der Höhe von zwei Dritteln der Strecke zwischen München und Salzburg. Begonnen wurde mit dem Bau am 2.8.1937 und schon am 28.8.1938 wurde das Gebäude, mit Ausnahme der Fremdenzimmer, der Allgemeinheit zugänglich gemacht.
Für die Hochbauten wurden 1436 Eisenbetonpfähle mit einem Querschnitt von 30/30 cm und einer Länge von 14 m durch das Schwemmland in den darunter liegenden Molassefelsen geschlagen. Für die Uferbefestigung benötigte man weitere 5000 lfd. m Holz- und 1000 lfd. m Eisenbetonpfähle.
In dem, im oberbayerischen Stil erbauten Hauptbau, sind 53 Fremdenzimmer mit 70 Betten untergebracht. Anschließend an dem Ostflügel des Hauptbaus befindet sich ein Badestrand, der 1450 Badegästen Platz bietet. Eröffnung am 28. August 1938 Die überbaute Fläche des Hauptbaus bedeckt rund 5900 m, die der Nebenanlagen rund 4000 m. Die Erdarbeiten betrugen über 100.000 m³. Die Befestigungsflächen der Zufahrtsstraßen und Parkflächen messen rund 50.000 m. Die Länge der Rohr- und Wasserleitungen betragen etwa 26 km und für den Hauptbau wurden allein etwa 2,6 Mio. Ziegelsteine verwendet. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter betrug im Durchschnitt 500 bis 600 Mann, gegen Ende des Baues sogar über 800 Mann. Der umfangreiche Komplex umfasst das Seehotel, das sogenannte Parkhotel, Hafenanlage und Parkplätze für ca. 1200 Pkw.
Die großen Räume sind zumeist unbeschädigt. Die Gesellschaftshalle ziert ein reich profiliertes Deckengesims aus Zirbelholz, den Abschluss der Längsachse der Halle bildet ein offener Kamin. Der Gästeraum zeigt eine offene Fischer vom Chiemsee, Fresco von Heinrich Bickel, Garmisch, im Speisesaal des Rasthauses. Fichtenbalkendecke, getragen von drei Säulen aus Ruhpoldinger Marmor. An den Wänden zwischen Türen und Fenstern sind überlebensgroße Darstellungen von Volkstypen aus dem Oberland des Künstlers Heinrich Bickel aus Garmisch angebracht.
Vor dem Krieg war das Rasthaus ein außerordentlich beliebter Aufenthaltsort. Während des zweiten Weltkrieges diente es als großes Lazarett. Nach dem Krieg besetzte es die amerikanische Besatzungsmacht, seither wird es als »recreation-center«, als Erholungszentrum für Mitglieder der US- Armee genutzt. Der deutschen Bevölkerung ist die Anlage nur bedingt zugänglich.

 


Die Chiemseeschifffahrt

Bernau ist durch den Dampfersteg in Felden an die Chiemseeschifffahrt angeschlossen. Nachweislich seit dem Jahr 1906 fahren die Schiffe der Chiemseeflotte Felden an. Damals besorgte der erste Schraubendampfer auf dem See, die »Schwalbe«, die fahrplanmäßige Verbindung Felden nach Prien-Stock. Um auf die Inseln zu kommen, musste man also in Prien-Stock umsteigen. Die Schwalbe, als Donaudampfer 1887 erbaut, war 1901/02 von der Firma Fessler für den Chiemsee erworben worden.

Die Schwalbe
Die Schwalbe (1901 - 1973). 1950 wurde sie umgebaut zum Motorschiff.

Der direkte Verkehr von Felden zur Herreninsel wurde erst 1937 eingerichtet. Nach den kriegsbedingten Einschränkungen und der Sperre der Herreninsel gleich nach Kriegsende, konnte der Schiffsverkehr auf dem Chiemsee erst am 30.7.1945 mit der Linie Stock-Herreninsel-Fraueninsel-Gstadt wieder aufgenommen werden. Erst 1949 wurde Felden wieder in das Kursnetz einbezogen. Für die von Felden zur Herreninsel eingerichtete Linie war bis 1977 die Anlegestelle Kalkofen an der Westseite der Insel, unterhalb der Wirtschaftsgebäude des Alten Schlosses, der Anlaufpunkt. Von dort war das Neue Königschloss nur in einem längeren Fußmarsch zu erreichen. Ab 1977 wird die Herreninsel am Hauptsteg angefahren, so dass Fahrgäste aus Bernau für den Weg zum Schloß Ludwigs II. auch die Pferdekutschen benutzen können.


Justizvollzugsanstalt Bernau

Die Gründung der Justizvollzugsanstalt — früher sagte man Gefangenenanstalt — hängt eng zusammen mit der kgl. bayer. Moorkulturanstalt und dem Chiemseemoor. Im Jahre 1898 vergrößerte man die Versuchsflächen. Um die Etatmittel nicht zu stark zu beanspruchen, wurde vom Innenministerium vorgeschlagen, für diese Arbeiten Strafgefangene einzusetzen. In Preußen hatte man mit diesem Einsatz bereits gute Erfahrungen gemacht, wie aus einem Reisebericht von Prof. Baumann in die preußischen Moorkolonien hervorgeht.
1899 wurden erstmals versuchsweise 25 Strafgefangene der Gefangenenanstalt Laufen zu Beamte der Strafanstalt Bernau um 1921 Entwässerungsarbeiten in die Rottauer Filzen abkommandiert. Schon 1901 wurde der Einsatz der Gefangenen in Bernau als einer Außenabteilung der Gefangenenanstalt Laufen anerkannt. Sie sorgte auch für das leibliche Wohl der Gefangenen, die am Rand der Filzen in Baracken lebten. Die Moorkulturanstalt hatte nur 1,20 Reichsmark für den l0stündigen Arbeitstag pro Mann zu bezahlen. Von 1899 bis 1913 wurden von den Gefangenen 169,3 ha Moor kultiviert. Von 1913 ab führte die Justizverwaltung die Moorkultivierung in eigener Regie unter Anleitung von Fachkräften der Landesanstalt für Moorwirtschaft durch.
Die Zahl der Gefangenen hatte sich im ersten Weltkrieg auf 200 erhöht, die Moorkultivierung war intensiviert und mit Maschinen ausgestattet worden. Deshalb ordnete der Freistaat Bayern am 1.12.1920 an, daß Bernau als selbständige Gefangenenanstalt zu führen ist.
In den nächsten Jahren stieg die Zahl der Gefangenen auf 400 bis 500. Die Bauwerke bestanden nur aus Holz, Arbeits- und Betriebsräume und auch die Unterkünfte waren Baracken. 1924 bis 1927 wurden der heute noch bestehende Gemeinschafts- und Zellenbau (jetzt Haus 1) sowie die landwirtschaftlichen Gebäude errichtet. Die Planung sah weitere feste Zellengebäude vor. Mit Verordnung vom Oktober 1930 wurde die Moorwirtschaftsstelle Bernau aufgelöst und der landwirtschaftliche Großbetrieb mit dem Nebenbetrieb Neumühle dem Bayer. Staatsministerium für Justiz zur Verwaltung durch die Strafanstalt Bernau übergeben.
Die Nationalsozialisten verfolgten nach der Machtübernahme 1933 die Bauplanung der 20iger Jahre nicht weiter. Sie ergänzten die Anlage nur durch weitere Baracken. Bis zum Beginn des 2. Weltkrieges wurden in Bernau kaum »Politische« untergebracht. Diese wurden in die KZ eingewiesen. Nach 1940 saßen dann viele Deutsche und auch Fremdarbeiter ein, die gegen die Kriegsgesetze, wie z.B. Abhören feindlicher Sender, Schwarzschlachten usw., verstoßen hatten.
Nach dem Zusammenbruch 1945 stand das Gefängnis bis zur Gründung des neuen Freistaates Bayern unter der Verwaltung der amerikanischen Besatzungsmacht. Es beherbergte in dieser Zeit viele Personen, die von der Entnazifizierung betroffen waren. Die räumlichen und hygienischen Verhältnisse waren schlecht, die Anstalt war teilweise hoffnungslos überbelegt. Ein umfassender Ausbau, der den Grundsätzen des modernen Strafvollzugs entspricht, wurde unumgänglich. In einem großen Saal des Haupthauses waren zeitweise bis zu 80 Gefangene untergebracht, denen nur zwei Toiletten und wenige Wasserhähne zur Verfügung standen. In der schlechten Jahreszeit mussten die Gefangenen zwei riesige Torföfen in Schichten rund um die Uhr heizen.
Lastwagen mit zwei Beamten der Strafanstalt um 1920 Der Ausbau begann 1954 mit der Eröffnung einer neuen Teilanstalt im Moor, drei km vom Haupthaus entfernt, die die Unterbringung von 250 bis 300 Gefangenen ermöglichte. Sie wurden hauptsächlich noch bei der Moorkultivierung und beim Torfabbau beschäftigt. Die Moorbahn führte mit ihren Geleisen bis zum Haus, um die Gefangenen jeden Tag an den Arbeitsplatz in den Filzen zu bringen. Diese Arbeiten sind seit vielen Jahren eingestellt. Mit der Renaturierung der Moorflächen wurde in den letzten Jahren begonnen.
1964 bereitete man mit umfangreichen Bodenuntersuchungen den Ausbau der Hauptanstalt vor. 1968 wurde dann das erste neue Zellengebäude mit 100 Einzelhaftplätzen bezogen. Danach errichtete die Bauabteilung der Anstalt mit anstaltseigenen Kräften vier weitere Zellengebäude mit je 110 Haftplätzen, ein Heizwerk, ein Wirtschaftsgebäude mit Großküche, Metzgerei und Bäckerei, zwei Arbeitsbetriebsgebäude mit modernen Werkstätten und Arbeitsräumen. Ein weiteres Arbeitsbetriebsgebäude ist vorgesehen. In diesem sollen weitere Arbeitsbetriebe untergebracht werden. Auch das alte Hauptgebäude wurde völlig modernisiert.
Die Justizvollzugsanstalt Bernau ist heute eine moderne Anstalt des Regelvollzugs für erwachsene Männer, d.h. hier werden nur Delinquenten untergebracht, die bereits einmal eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten verbüßt haben. In Bernau werden Strafen zwischen drei Monaten und drei Jahren vollstreckt. Daraus ergibt sich, dass die Straftaten der Mehrzahl der Insassen der kleinen und mittleren Kriminalität zuzurechnen sind. Insbesondere handelt es sich hier um Vermögens- und Eigentumstäter aus dem Großraum München.
An Personal stehen 265 Bedienstete zur Verfügung, davon 201 Werk- und Aufsichtsbeamte, die rund um die Uhr tätig sein müssen. Die Belegungsfähigkeit ist auf 910 Strafgefangene ausgerichtet, von denen nun dem Vollzug eines modernen Strafvollzugs entsprechend weit mehr als die Hälfte in Einzelhafträumen untergebracht werden können.
Schmalspurbahn auf dem Gelände der Strafanstalt vor 1939 Als Arbeitsmöglichkeiten — Strafgefangene sind zur Arbeit verpflichtet — stehen innerhalb der Anstalt in erster Linie Handwerksbetriebe und Betriebe der Selbstversorgung zur Verfügung. Besonders in der warmen Jahreszeit werden 100 bis 150 Strafgefangene in Außenkommandos im Umkreis von 30 km und mehr zur Arbeit eingesetzt. Auch Unternehmer unterhalten in der Anstalt Arbeitsbetriebe, vornehmlich mit einfachen Handarbeiten. In den Handwerksbetrieben werden Lehrlinge ausgebildet, die auch hier ihre Gesellenprüfung ablegen können.
Der landwirtschaftliche Großbetrieb hat, bedingt durch die Marktlage, seine Struktur immer mehr verändert. Das Schwergewicht liegt heute auf einer großen Schweinezucht und Schweinemast, wobei die Speisenabfälle der Gefangenen Verwendung finden. 125 ha der Gesamtfläche werden noch für den Anbau von Kartoffeln und Getreide genutzt, ein großer Teil der Moorwiesen wurde an umliegende Landwirte verpachtet.
Für die Freizeitgestaltung der Strafgefangenen wurden im Rahmen der Baumaßnahmen wichtige Einrichtungen geschaffen: Werkräume für Bastel-, Keramik- und Holzwerkgruppen, Gruppenräume für Gesprächs- und Beschäftigungsgruppen, eine moderne Bücherei mit etwa 13.000 Bänden, ein Ton-und Fernsehstudio zur Übertragung von Ton- und Fernsehveranstaltungen in die Haft- und Fernsehräume.

Quelle: Heimatbuch der Gemeinde Bernau am Chiemsee
Autor: Anselm Schmid


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Stand: 26. September 2002