Seisersäule
Die rote Marmorsäule wurde 1518 an der damaligen Straße von
Bernau
nach Weisham errichtet. Die 2,70 m hohe Säule besteht aus einem achteckigen Basisblock.
Auf ihm steht eine vieleckige leicht kannelierte Säule, die auf der Vorderseite auf einem
gewellten Blatt die Inschrift trägt:
»Got genadt / Cristan Seyser / Vnd Martein / seine(m) sund wirten / zw Pernaw / Erhebern
vnd / machern des / wegs Anno / 1518«.
Die Schrift ist in Minuskeln in den Stein eingemeißelt. Darunter befinden sich zwei
Tartschen (Wappenschilder), eine davon trägt die Hausmarke der Familie Seiser, die andere
ist leer. Über dem Säulenschaft ragt als Kopf eine Art dreiseitiger Tabernakel auf, der
mit einer stumpfhaften Pyramide gekrönt ist. Auf der Vorderseite des Tabernakels befindet
sich als Relief die Kreuzigung (Kruzifix zwischen Maria und Johannes). Die beiden anderen
Seiten zeigen eine Darstellung der Kreuztragung und eine stehende Maria mit dem Jesuskind.
Unter dem Kreuzigungsrelief ist eingehauen »E 1765.W«. Das erinnert an eine Renovierung
der Säule durch die Bernauer Tafernwirtsfamilie Wieser. Nach Bomhard war der Schöpfer
der Säule wahrscheinlich der Trostberger Steinmetz Cristan Grueber, der nachweislich für
Aschau tätig war und von dem die viel reichere Trostberger Säule stammt. 1930 wurde die
Säule an einen Münchner Antiquitätenhändler verkauft und entfernt. Sie musste
aber
nach heftigen Widersprüchen wieder an Ort und Stelle errichtet werden.
Die Sorge um die Erhaltung dieser schönen bildhauerischen Arbeit veranlasste
den
Gemeinderat Bernau mit Zustimmung des Landesamtes für Denkmalpflege, das Denkmal nach
gründlicher Renovierung und unter Auflage ständiger Pflege von dem Wege, der nach Anlage
der neuen Priener Straße völlig vereinnahmt worden war, weg zu verlegen. 1958 wurde die
Säule an dem historisch gerechtfertigten Platz neben der ehemaligen Seiserschen Taverne
(Alter Wirt) am Fuße der Kirchentreppe aufgestellt und am 4. Mai 1958 an dem neuen
Standort geweiht. Als Gegenüber zum Kriegerdenkmal hat sie nun einen würdigen, viel
beachteten Platz in der Mitte des Ortes gefunden. |