| Geschichtliches von Rimsting und Greimharting Ortsnamen
und Siedlungsgeschichte
Der Name Rimsting ist im Codex Falkensteinensis erstmals 1189 urkundlich erwähnt. Nach
seinem Gründer Rimisto benannt, dürfte die Gründung im 7. Jahrhundert gelegen sein. Es
gehörte Rimsting wie Greimharting zur Herrschaft Aschau-Wildenwart. 1995 wurden
südöstlich von Rimsting römische Urnengräber entdeckt. Verschiedene Münzfunde und
Tonscherben lassen vermuten, daß es bereits im ersten vorchristlichen Jahrhundert im
Rimstinger Gemeindebereich eine keltische Besiedelung gab.
Greimharting ist 1135 erstmals urkundlich erwähnt und zwar in drei verschiedenen
Urkunden, verbunden mit dem Namen "Konrad von Grimhartingen". Zu dieser Zeit gab
es eine Burg und ein Geschlecht der Grimhartinger von Grimhartingen. Vermutlich stand die
Burg an der Stelle, wo heute die Greimhartinger Kirche steht.
Aus der neueren Geschichte
Die Samer
Den unternehmungslustigen Bauernsöhnen aus Rimsting bot der Handel mit Wein und Salz
die Möglichkeiten, durch den Transport dieser Waren, die "weite Welt"
kennenzulernen. Der Handel mit Getreide als Aushilfe nach örtlichen Mißernten oder
anderer Notsituationen kam hinzu. Die Samer mit ihrem Fuhrwerk sind die Zubringer der
Schiffahrt auf Inn, Salzach und Donau, Spediteure und Kaufleute in einer Person. Manche
von ihnen kamen weit herum, setzten sich vielleicht sogar mancherorts fest. So sind durch
Wiederbesiedlung die Ortsnamen Ottakring, Hitzing und Nußdorf aus dem Chiemgau in den
Wiener Raum gelangt, wo sie heute noch als Vororte von Wien ihren Namen tragen.
Aus der strengen Ordnung des mittelalterlichen Lehensverbandes konnte manch einer als
Samer aus- und aufsteigen. Durch Erlernen und Ausüben des gesuchten Handwerks sein Glück
an anderen Orten machen oder daheim zu etwas kommen. Das Wagnis schloß die Gefahr des
Scheiterns ebenso ein.
-Josef Schmid, Mojer von Hochstätt wird auf einer Samerfahrt um Wein nah Südtirol
1847 von einem Pferd erschlagen-
Das Gewerbe der Samer aus Rimsting darf nicht unerwähnt bleiben, hat es die damaligen
Verhältnisse im Dorf stark beeinflußt, im positiven Sinn verändert.
Der Begriff Samer dürfte aus dem Gewichtsmaß 1 Samm = etwa 150 g herkommen, wobei
Samm eine Ableitung vom mittelalterlichen Sagma = Last ist.
Duch die Ereignisse des Spanischen Erbfolgekrieges wurden auch Rimstinger Bauern durch
den Feind gezwungen, Fuhrdienste zu leisten. Dabei kamen sie bis Wien und Preßburg und
sogar über den Brenner. Da sie oft Leerfahrten zu machen hatten, nützten sie diese
Gelegenheit und trieben Handel auf eigene Rechnung. Daraus entwickelten sich die
Samerfahrten, die großen Wohlstand in das Dorf brachten. Jene Bauern, die auf eigene
Rechnung reisten, zeigten ihren Wohlstand auch nach außen. Sie rissen ihre alten teils
baufälligen Anwesen ab und bauten sich staatliche Höfe. Sie brauchten vor allem Platz
zum Lagern von Handelsgütern. Ideal für diese Zwecke war der sogenannte Itakterhof, ein
Einfirsthaustyp mit hohen Dachgeschoßräumen als trockene Lagerfläche. Ein Beispiel
dafür ist der stattliche Möglhof in Rimsting.
In den alten Aufzeichnungen finden sich Angaben über Rimstinger Bauern, die als Samer
tätig waren, so im Jahr 1821 Georg Schleipfner vom Mentlgut, Josef Stocker vom
Hinterlechnergut, Johann Prankl vom Brunnhubergut, der Möderl von Stetten.
Ab 1809 durften außer den Wochenmärkten in Prien auch die Märkte von Rosenheim
beliefert werden. Die Samer brachten die Waren auf die Märkte, kauften und verkauften auf
eigene Rechnung und machten gute Geschäfte, die Bargeld ins Dorf brachten.
Mit dem Bau der Eisenbahn, der Linien München-Salzburg-Wien und
München-Lindau-Schweiz und der Bahnverbindung über den Brenner nach Italien wurde dem
Samergewerbe ein wesentlicher Teil der Existenzgrundlage entzogen, denn das Salz wurde nun
schneller und billiger mit der Bahn verfrachtet.
König Max I. von Bayern bestimmte 1812 die Badenburg im Park des Nymphenburger
Schlosses mit Gemälden von den schönsten Landschaften seines Königreiches zu
schmücken. So diente Rimsting als Motiv für eines der schönsten Olgemälde, das es von
einer bayerischen Landschaft gibt. Peter v. Hess malte im Jahr 1813 von der Ludwigshöhe
aus das heute im Schloß Nymphenburg befindliche Chiemseebild.
Beim Bau von Schloß Herrenchiemsee durch König Ludwig II. von Bayern ließ dieser an
der Stelle, wo sich jetzt der ehemalige Bahnhof von Rimsting befindet, einen Pavillon, den
"Königssalon" errichten. Der König war menschenscheu und wollte unauffällig
den Baufortschritt auf der Herreninsel überprüfen. Der kürzeste Weg führte von der
Bahnlinie Rimsting nach Urfahrn am Nordufer des Chiemsees. In der Dunkelheit brachte eine
Kutsche den König an eine einsame Stelle beim Urfahrner Chiemseeufer und von dort ließ
er sich zur Herreninsel hinüberrudern. Nach seinem Tod wurde der Wartesaal-Pavillon 1887
abgetragen und in einfacherer Form in Prien am Chiemsee errichtet.
Allen, die sich für Rimsting - von der Siedlungsgeschichte bis zur
Neuzeit, Kultur und Natur - interessieren, sei das Rimstinger Heimatbuch von Josef Waibel
empfohlen. Es ist in der Gemeindeverwaltung zum Preis von DM 45,-- zu erwerben. |