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Ortschronik Bergen
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Vielleicht ist für Sie, verehrter Feriengast, ganz interessant, zwischendurch einen kleinen Spaziergang in die Vergangenheit Bergens zu unternehmen. Die einzelnen Kulturen unserer Heimat lassen sich bis weit in die vorchristliche Zeit nachweisen, denn der Chiemgau zählt zu den ältesten bayerischen Siedlungsgebieten. Vor Christi Geburt wohnten hier die Illyrer, dann die keltischen Alaunen. Nach Unterwerfung durch die Römer, um 15 Jh. v. Chr., gehörte unser Gebiet der römischen Provinz Noricum an. Der germanische Stamm der Bajuwaren wanderte erst nach dem Zerfall des römischen Imperiums etwa im 6. Jahrhundert n. Chr. hier ein.

Die Bezeichnung „Chiemgave“ (Chiemgau) gebrauchten bereits Salzburger Urkunden aus dem 8. Jahrhundert. Weiter berichten Salzburger Urkunden aus dem 10. und 11. Jahrhundert, dass „Perga“ (Bergen) seinerzeit von Mönchen von St. Peter in Salzburg jährlich sechs Säcklein Silber, sechs Fuhren Holz und zwei Lasten Eisen zinsen musste. Daraus kann man entnehmen, dass schon damals die ersten Anfänge des späteren Eisenbergbaues bestanden. Erst anno 1275 kam Bergen durch den Vertrag von Eharting wieder an Bayern. Der kleine Ort Bayern (vier Kilometer westlich Bergens) heißt angeblich deshalb so, weil er in früheren Zeiten die Grenze zwischen dem Land Bayern und dem Fürstbistum Salzburg darstellte. Haben Sie schon einmal gehört, dass die Heimatstätte des Minnesängers Tannhäuser (13. Jh.) im Chiemgau liegt?

Bergen und sein Nachbarort Siegsdorf nehmen für sich in Anspruch, zum historischen Hintergrund der Tannhäusersage in Beziehung zu stehen. Im Chor der Pfarrkirche von Bergen wird der Stein, an eine mittelalterliche Kette geschmiedet, aufbewahrt, den Tannhäuser nach seiner Rückkehr als Büßer von Rom hier abgelegt haben soll. Die hübschen Töchter des Venusberger Bauernhofes bei Siegsdorf sollten der Anlass zu dem stürmischen Bekenntnis des Minnesängers zur Göttin der Liebe bei dem Sängerkrieg auf der Wartburg und zu seinem nachfolgenden Büßergang nach Rom gewesen sein. Auch in dem schon erwähnten kleinen Ort Bayern soll es ihm eine schöne Bauerntochter angetan haben. Das Geschlecht der „Tannhäuser“ stammt jedenfalls aus dieser Gegend oder ist aus Salzburg um 1200 hier eingewandert.

Die Kriegs- und Notzeiten der bayerischen Lande verschonten auch unser stilles Tal nicht. Nach den Stürmen des 10. Jahrhunderts war es 1504 der Landshuter Erbfolgekrieg, der Unruhen unter die Bevölkerung brachte. Von 1571 bis 1586 und von 1648 bis 1650 herrschte in unserer Gegend „Das große Sterben“, die Pest. Das Jahr 1573 berichtet von einer Wolfsplage. Besonders schwer litt Bergen im Spanischen Erbfolgekrieg 1704 durch raubende und brandschatzende Panduren und Kroaten. Neue Drangsale und Requirierungen brachte der Österreichische Erbfolgekrieg 1741/42. Auch die Napoleonischen Kriege, der Krieg 1870/71 und besonders aber die beiden großen Weltkriege forderten von den Söhnen unserer Heimat größte Opfer an Blut und Leben.

Neben der Landwirtschaft übte einen besonderen Einfluss auf die Entwicklung Bergens die Errichtung von Hochöfen, Hämmern und Werksgebäuden der Maximilianshütte aus. Diese verdankt ihre Entstehung dem östlich bei Siegsdorf liegenden Eisensteinwerk am Vogelwald. 1562 wurde die im Bergener Mühlwinkel liegende Hammerschmiede von den Burgherren von Hohenaschau an die Herren von Freyberg verkauft und ausgebaut. Im Lauf der Zeit folgten Vergrößerungen und um 1750 waren bereits 750 Arbeiter dort beschäftigt und erreichten eine Jahresleistung von 11.000 Zentner Eisen. Für die damaligen Verhältnisse außerordentlich viel! 1816 durch eine Feuersbrunst zerstört, ließ König Max-Josef das Werk wieder aufbauen und seit dem 18. September 1824 nannte man es Maximilianshütte oder kurz Maxhütte. Nach einer Blütezeit und Exportlieferungen seiner Erzeugnisse in viele europäische Länder kam es infolge seiner verkehrs- und rohstoffungünstigen Lage, sowie durch Wirtschaftskrisen zwischen den beiden Weltkriegen zum Erliegen. Die Gebäude wurden teilweise verkauft und dienen heute in kleinerem Umfang Privatunternehmen als Produktionsstätte. Inzwischen wurde ein Verein für Industriegeschichte gegründet. Die große Halle, die ehemalige Dreherei, wird zur Zeit saniert und in den alten Zustand versetzt. Eine vorläufige Sammlung der in der Maxhütte gebauten Maschinen usw. kann bei den Führungen, die von Mai bis Oktober jeden Dienstag stattfinden, besichtigt werden.

Da Bergen jetzt nur noch einige kleine und rauchlose Betriebe beherbergt, kann der Feriengast die Hochgebirgsluft um so reiner atmen. Mehr und mehr entwickelt sich dank der Vielgestaltigkeit unserer heimatlichen Natur in Bergen der Fremdenverkehr. Schon Fürst Otto von Bismarck ließ hier seinen Sonderzug nach Bad Gastein anhalten, um die Schönheit der Landschaft zu genießen.

Ausgestorbene Gewerbe in Bergen
Der südwestlich vom Thoraukopf befindliche Alabasterbruch wurde vom Hüttenwerk Bergen seit 1795 ausgebeutet; das gewonnene Material ging hauptsächlich nach München, während der Abfall (Gips) in der Gipsmühle im „Daburgeranwesen“ (im inzwischen stillgelegten Sägewerk Brummer) verarbeitet wurde. Mit der Totalverschüttung durch eine Erdlawine im Jahre 1860 fand dieser Betrieb sein Ende.

Im heutigen Gasthof „Hochfelln“ befand sich noch im vorigen Jahrhundert eine Bierbrauerei, daher noch heute „Beim Bräu“. 1897 vernichtete ein Großfeuer die Brauerei. Sie wurde zwar vom damaligen Besitzer wieder aufgebaut, aber nach seinem Tod endgültig aufgegeben.

Im Bergener Gebiet befanden sich bis vor etwa hundert Jahren nicht weniger als dreiundzwanzig Kohlenmeiler. Für die Maxhütte außerordentlich wichtig, um damals das Eisenerz verhütten zu können. Der Ortsname „Kohlstatt“ sowie viele Stellen mit vollkommen schwarzer Erde von den ehemaligen Meilern im Weißachental, im Pulvergraben, am Scheichen- und Hammerberg sind heute noch Zeugen dieser Kohlenmeiler.

Ein Kalkofen und ein „Thonwerk“ wurden von 1890 bis 1910 beim „Petermoar“ betrieben. Jahresproduktion etwa 30.000 Ziegel und Platten.

Vierzehn Nagelschmieden gab es früher in Bergen. Tagesleistung: 1.000 bis 2.000 geschmiedete Nägel.

Beim „kohlwieser“ (Weißachenstraße 22) soll sich früher eine Seilerei befunden haben. Vielleicht stammt daher der Ortsname Säuln, der in älteren Urkunden „Seillen“ geschrieben wird.

Auch die Steinbruchbetriebe (am Engelstein, Mühlalpkopf, Weißachental usw.) wurde durch das moderne Baumaterial aus Ton, Beton usw. mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt.

Bis vor wenigen Jahren stand im Lichtmanneggeranwesen eine Wagnerei in Blüte. Sie fiel der Technisierung des Verkehrs zum Opfer. (Das Anwesen heißt heute noch „Beim Wagner“.)

In zwei Webereien (Scherbl: Beim Weber und Gstatter: Beim Dofferl) wurde bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts der im hiesigen Gebiet angebaute Flachs („Haar“) und Hanf verarbeitet, nachdem er vorher in der „Brechelstube“ gebrochen, geriffelt und gereinigt war.

Ausgrabung in Holzhausen, Gde. Bergen
(RÖMISCHES BADEHAUS)

Auf den sogenannten Steinmaueräckern, südlich Holzhausens, wurden beim Pflügen immer wieder Steine herausgerissen. Schon 1854 hat Pfarrer Dr. Vogel Ruinen entdeckt und als römisch bezeichnet. Durch das tiefere Pflügen hat der Bauer im Winter wieder Steine herausgerissen und den Kreisheimatpfleger verständigt. Es wurden kleine norische Gewölbe entdeckt, die eine Warmluftheizung überdeckten. Eine angesetzte Grabung durch den Leiter der prähistorischen Staatssammlung, Herrn Dr. Kellner, brachte Licht in die Ruinen. Es ist das Badehaus einer römischen Gutsanlage. Die dazugehörige Villa wird in einer weiteren Grabung freigelegt werden. Ziegel, Ton- und Glasscherben, ein Gewicht und ein Labrum (Behälter für fließendes Wasser) wurden geborgen. Ein weiterer Beweis der geschichtsträchtigen Vergangenheit unserer Heimat. Mit Hilfe des Landkreises und der Gemeinde wurde eine Überdeckung der freigelegten Gebäude vorgenommen, als kleines Freilichtmuseum in reizvoller Landschaft.

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Stand: 26. September 2002