Naturschutzgebiet
Geigelstein
Seit dem 1. Juni 1991 steht das Gebiet des
Geigelsteins unter Naturschutz. 3000 ha einmalige Kultur- und Naturlandschaft um den
Blumenberg sind nach zähem Ringen mit Befürwortern, Gegnern und Behörden wegen der
besonderen Schutzwürdigkeit vor dem Zugnff unserer Freizeitgesellschaft gerettet worden.
Dieses von jahrhundertelanger Almwirtschaft geprägte Gebiet hat in
Bayern mit seiner Vielfalt an Fauna und Flora eine Sonderstellung. Romanische Namen von
Weideflächen zeugen von uralter Besiedlung. Unter anderem: Touren, von Natur aus
gegebener Weidefläche, Gabron, die Ziegenweide, Rafen, die große Mure, Maden, die kleine
Mure, Trischübel heißt Türschwelle, Prien (Priena) der Bergfiuß, sowie Ramsen oder
Ramsental Bärlauchgebiet.
Das Schutzgebiet reicht von 600 m bis 1.800 m Seehöhe und erstreckt
sich von der momentanen bis in die alpine Stufe.
Die Gipfel der Geigelsteingruppe ragten während der Eiszeit als Inseln
aus den Strömen des Inn- und Kitzbühler Alpengletschers. So war die Hochfläche der
Roßalm eisfrei. Sie gilt daher als Beispiel einer tertiären Landoberfläche.
Merglige Gesteine, durchsetzt mit zahlreichen Fossilen im Bereich der
Roßalm. Rätische Schichten im Gebiet der Rudersburg. Hauptdolomit, Lias,
Wettersteinkalke, sowie die Kössner Schichten wechseln sich in diesem Gebiet ab. Flysch
und Lias ergänzen die zahlreichen geologischen Formationen.
Als Hauptgrund für die Unterschutzstellung des Geigelsteingebietes ist
dessen floristischer Artenreichtum zu nennen. Wegen der Vorkommen verschiedenster
Gesteinsarten auf kleinstem Raum auf der Roßalm und den sich daraus ergebenden
geologischen Ubergangszonen ist die Vegetation sehr vielfältig. So kommen im
Geigelsteingebiet sowohl arktischareale Florenelemente wie das Scheuchzers Wollgras, als
auch südalpine Endemiten wie die blaßgelbe Wicke vor. Für die Eberrauten, Geiskraut und
Bergpippau bildet das Geigelsteingebiet die Arealgrenze. Dieses Gebiet beherbergt
außerdem eine Reihe von botanischen Kostbarkeiten und ist einziger bayerischer Fundort
für eine Unterart des alpinen Habichtkrautes und das größte Vorkommen des Roten
Kohlröschens in Bayern.
Die Mohnraute, eine Urpflanze und die Mutter aller Farne ist häufig anzutreffen. Unter
anderem ist das Gebiet der Roßalm das größte bayerische Vorkommen des Milchweißen
Mannsschildes und das einzige Vorkommen der Breitblättrigen Glockenblume östlich des
Inns.
Außerdem werden für das Gebiet Seltenheiten wie der Rippensame, Strauß blättrige
Glockenblume, das Edelweiß, die Sumpfgladiole, Reinbestände des Narzissenblütigen
Windröschens geführt. Besonders zahlreich tritt der Gelbe Gepunktete Enzian, Ungarische
Enzian auf der Roßalm im Gebiet des Breitensteins auf.
Unsere schönste Orchidee, der Frauenschuh, ist bei uns noch häufig anzutreffen.
Massenbestände der Aurikel, vom Bergwohlverleih, vom Türkenbund sowie von der
Kuhschelle, haben in diesem Bereich ihre Standorte.
Ausgehend vom Erholungsverkehr auf der Priener Hütte und dem
bisherigen Sessellift zur Wuhrsteinalm verursacht der zunehmende Tourismus bereits
Schäden an der empflindlichen Vegetationsdecke auf den angrenzenden Almmatten,
Trompelpfade zum Geigelsteingipfel, die zum Teil durch starke Regenfälle in Gräben
erodierten, sind Nutzungsschäden durch den Erholungsverkehr. Hier befinden sich gerade
die floristisch wertvollsten Bereiche. Um die Erhaltung des Pflanzenstandes zu
gewährleisten, muß daher der Tourismus gelenkt werden.
Die Fauna wird durch Erholungssuchende vor allem im Winter und während
der Balzzeit empfindlich gestört. Der Geigelstein wird für den Tourenskifahrer immer
wieder empfohlen. Dieses ist mit den Lebensgewohnheiten der Rauhfußhühner nicht
vereinbar. Seltene Vegetationsbestände konnten sich auf den Almen nur deshalb einstellen
bzw. erhalten, weil die Almanger nur extensiv durch die Weide genutzt wurden.
Auf wenigen, unerschlossenen Almen wie der Roßalm konnten sich
seltenere Pflanzenarten ausbreiten und bis heute bestehen. Die floristische Vielfalt
verdankt das Gebiet somit nicht zuletzt einer jahrhundertelangen extensiven
Almbewirtschaftung. Ihre gänzliche Einstellung würde daher nicht den Naturschutz
belangen. Nachfolgende Aufzählung vorkommender Arten zeigt die Bedeutung des
Geigelsteinmassivs im Zusammenhang mit der roten Liste bedrohter Tiere in Bayern. Zur
Gefährdungsstufe Ia: das Auerhuhn, das Birkhuhn, der Steinadler, das Alpenschneehuhn, das
Haselhuhn und der Weißrückenspecht. Zur Gefährdungsstufe IIa: der Dreizehenspecht und
die Waldschnepfe. Zur Gefährdungsstufe IIb: die Alpenbraunelle, der Sperlingskauz und der
Rauhfußkauz. Bemerkenswert ist auch außerdem noch der Gänsesäger als Gastvogelart.
Insbesondere für die Arten der roten Liste ist eine Sicherung der Brut-und Balzplätze
erforderlich. Der Schutz der Rauhfußhühner wird daher im Schutzzweck und in den
Verbotsbestimmungen zum Erholungsverkehr entsprechend berücksichtigt.
Allgemeine Tiergruppen wie Säugetiere und Amphibien sind
repräsentativ vertreten. Das Murmeltier hat am Geigelstein seinen einzigen Standort in
den Chiem- und Inngauer Alpen.
Die Roßalm wird derzeit von der Familie Probst aus Bad Aibling
bewirtschaftet. Man sollte hier den großen Idealismus herausstellen, den die Familie
aufbringt. Abwechselnd wird der Jahresurlaub für die Alm geopfert. Sollte einmal die
Roßalm nicht mehr bewirtschaftet werden, würden bald die außergewöhnlich reichen
Bestände seltener Blumen überwuchert und verschwinden. Darum sollten die Roßalmbauern
vom Staat jede erdenkliche Unterstützung erfahren.
Derzeit wird vom Forst, der Unteren Naturschutzbehörde, der Regierung
van Oberbayern und den Gemeinden Schleching und Aschau an einem Pflege- und Wegekonzept
gearbeitet, um den Tourismus zu lenken. Die Schlechinger und Sachranger Bergwachten,
machen vermehrt Streifen, verbessern Steiganlagen, betreuen das Gebiet vorbildlich. |