Sehenswertes Übersee/Feldwies
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| Aus
der Geschichte unseres Ortes
Die Eiszeit prägte das Gesicht unserer
Voralpenlandschaft und das große Becken des Chiemsees wurde von
Eiszeitgletschern geschaffen. Die Ausdehnung des Chiemsees erstreckte sich
einstmals bis zum Fuß der Berge und nördlich bis zu den Streuseen des
Chiemgaues. Westerbuchberg und Osterbuchberg ragten als Inseln aus dem
Riesensee.
Schon in den Jahrhunderten vor Christi Geburt wies der
Chiemgau eine Besiedelung durch die Kelten auf. In den Zeiten der
römischen Besetzung gehöre der Chiemgau zu der Provinz Noricum.
Zahlreiche Funde in Orten um den See zeugen noch heute davon. Die
Völkerwanderung bringt dann unsere Vorfahren, die Bajuwaren. Neben
anderen Orten des Gaues lässt sich auch Übersee schon sehr früh
urkundlich nachweisen. So ist der Name "Übersee" schon im
Salzburger Urkundenbuch, das im 8. Jahrhundert angelegt wurde, zu finden.
Als die Karolinger in Bayern herrschten, finden wir zum ersten Male auch
den Namen "Chiemgau". Die Missionierung des Gaues trieb im 7.
Jahrhundert der hl. Rupertus vorwärts, dessen Grab wir im Dom zu Salzburg
finden. Kirchlich ist der Chiemgau in der Folgezeit bis 1817 an Salzburg
gebunden, wie ja auch andere kulturelle Beziehungen dorthin sehr eng waren
und heute noch sind. Weltlich gesehen gehörte der Chiemgau zum Herzogtum
"Baiern", dessen zuständiger Pfleger in der Burg zu
Marquartstein seinen Amtssitz harte.
Die Lage von Übersee-Feldwies, in der Vergangenheit
fernab jeder größeren Landstraße, und der kärgliche Boden besonders im
nördlichen Teil ließen in früheren Jahrhunderten nur eine spärliche
Entwicklung zu. Einige Berühmtheit brachte der heimischen Landwirtschaft
in der Vergangenheit der Anbau von Zwiebeln, Mais, Rüben zur
Samengewinnung, so dass wir in einem geographischen Lexikon des Jahres
1796 lesen können: “Die Feldwieser" beschäftigen sich neben dem
sehr häufigen Pflanzen des Rübsamens mit dem Zwiebel-, Knoblauch-,
Bohnen- und türkischen Weizenanbau so stark, dass mancher Häusler ab
Zwiebel 60, 70 bis 100 Metzen erhält und überhaupt in diesen Orten
jährlich gegen 1500 Metzen gewonnen werden«. Wie uns überliefert ist,
wurden diese Erträgnisse in den Wintermonaten in den nahen und weiteren
Orten verhausiert und die Vorfahren der Feldwieser sollen dabei sogar bis
nach Regensburg gekommen sein. Weithin berühmt waren Übersees Bauern
auch durch ihre Erfolge in der Pferdezucht. Es gab fast keinen Hof in der
Gemeinde, auf dem sich nicht zur Frühjahrszeit ein oder zwei und gar oft
noch mehr Fohlen tummelten. Auch heute zählt die Gemeinde noch mehr
Pferde als vergleichsweise gleichgroße ländliche Gemeinwesen.
Im vorigen Jahrhundert bringt dann ein besonderes
Ereignis den Ort am See in den Mund vieler Leute, als nämlich von
Feldwies aus der erste Chiemseedampfer am 5. Mai 1845 in See sticht und
somit die Aera der ChiemseeDampfschifffahrt eröffnet. Der Erbauer der
Sensation war ein Grassauer Zimmermann, sein Werk nannte man jedoch wegen
seiner urkomischen Form bei den Einheimischen nur den "Bügelstahl"‘.
Manche lustige Episode ließe sich von diesem Vehikel erzählen, das zwei
Jahre später durch ein "moderneres" Dampfschiff des
Kupferschmiedemeisters Josef Fessler abgelöst wurde. Bis auf den heutigen
Tag blieb die Dampfschifffahrt auf dem Chiemsee in Händen dieser Familie.
Die Chiemseeflotte verfügt heute über eine beachtliche Anzahl von
Schiffen, darunter den 52 Meter langen "Ludwig Fessler" und die
49 m lange "Edeltraud" mit einem Fassungsvermögen von 1050
Personen. Mit diesem Schiff, das erst 1970 in Dienst gestellt wurde,
werden die beliebten Tanz- und Kaffeefahrten durchgeführt. |
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Brauchtum
und Überlieferung
Nichtbayern stellen sich den Einheimischen stets in
"Sepplhose" und sein Dirndl nur in der Tracht vor. Sicher werden
wir die Männer oft mit der Lederhose finden und Frauen und Mädchen
tragen das kleidsame und praktische Dirndl oder an Feiertagen auch die
schmucke Tracht mit dem Mieder. Aber ständig sind auch die Bayern nicht
mehr in der Tracht anzutreffen. Städtische Mode hat auch in Bayern schon
lange das Land erreicht und erobert. Aber zum Aussterben konnte die Mode
Lederhose, Tracht und Mieder nicht bringen. Dafür sorgen schon die
Trachten-Erhaltungsvereine. An hohen Festtagen oder bei Trachtenfesten
sehen wir auch in der hiesigen Gemeinde die Burschen und Männer in der
Lederhose und grünen Lodenjoppe und die Mädchen und Frauen in festlicher
Tracht. Sicher mag man es bedauern, dass heute die Tracht nicht mehr so
häufig im Dorf getragen wird. Die Trachtenvereine haben es sich zur
Aufgabe gemacht, die Tracht im richtigen Stil zu erhalten. Daneben pflegen
die Vereine auch die überlieferten Volkstänze, die Schuhplattler und die
Trachtentänze. Die Formen und Musik dazu sind über liefert. Da gibt es
den "Häuslratz", den "Ribeaupierre", den "Zwei-
und Dreisteyrer", den "Sterntanz" und den "Bandltanz"
usw. Vorstellen können wir uns unter diesen Namen nicht viel. Es soll nur
soviel dazu erklärt werden, dass jeder seine Melodie und seine eigenen
Formen aufzuweisen hat. Auf Heimatabenden und bei Almtänzen der Vereine
sind sie zu bewundern. Auch konnten große Erfolge im Ausland erzielt
werden (z. B. in England, Irland, Frankreich Italien, Jugoslawien, Schweiz
und Australien).
Besondere Freude, aber auch Fähigkeiten, zeigen die
Altbayern, und dazu gehören auch die Chiemgauer, im Theaterspielen. Schon
aus dem voriger Jahrhundert ist uns überliefert, dass sich die Überseer
und Feldwieser im Komödien-Spiel auszeichneten. Seit einem halben
Jahrhundert gibt es dazu einen eigenen Theaterverein, der mit viel Erfolg
sein Publikum erfreut. All wöchentlich tritt das Bauerntheater in der
Saison mit einem Spiel an die Öffentlichkeit und schon viele Tausende von
Sommergästen erlebten mit ihm echt oberbayerisches Komödienspiel.
Nicht minder liebt der Bayer Musik und Gesang. Die
Blaskapelle Übersee gehört mit zu den ältesten des Gaues. Sie besteht
urkundlich nachgewiesen bereits seit 150 Jahren. Weitergeführt wird diese
alle Tradition von der im Jahre 1975 neu gegründeten Jugendblaskapelle.
Eine gute Pflegestätte finde auch das Volkslied. Einheimische
Sängergruppen konnten bei Sängertreffer beachtliche Erfolge erzielen und
die "Feldwieser Sänger" sind durch ihr Auftreten in Funk und
Fernsehen weit über die Grenzen des Chiemgaues bekannt geworden.
Immer noch lebendig ist mannigfaches Brauchtum im
Kreislauf des Jahres oder bei Hochzeiten und ähnlichen Gelegenheiten. In
den Adventwochen ziehen die Anklöpfler noch durchs Dorf und um Neujahr
wünschen Sternsinger von Haus zu Haus ein "Gutes Neujahr".
Am Palmsonntag bringen die Buben ihre kunstvoll
gefertigten "Palmbüschel" zum Gottesdienst in die Kirche, um
sie dann geweiht ins Haus zurückzubringen. Im Mai stellen die Trachtler
ihren Maibaum auf und der Juni bringt die Sonnwendfeuer und Petersfeuer,
um nur einige althergebrachte Bräuche zu erwähnen, die noch lebendig
geblieben sind. |
| Pfarrei
in Übersee am Chiemsee
Ortsgeschichte: Die Landschaft zwischen Inn und Salzach ist
reich an Denkmälern aus der römischen Zeit der ersten fünf
nachchristlichen Jahrhunderte. Ganz in der Nähe von Übersee gibt es
Römersteine in Chieming (um 209/225), Grabenstätt (St.Johanneskirche),
ehemals auch in Bernau (um 200), Egerndach (um 180) sowie Stöttham (193
n. Chr.), und Seebruck ist das alte „Bedaium“ an der Römerstraße von
Augsburg nach Salzburg. Noch heute gehen Ortsnamen wie Castrum in ihrer
lateinischen Form auf die Römerzeit zurück. Manche Archäologen meinen
sogar, südlich am Chiemsee hätte eine alte Römerstraße bestanden
(Eichenbohlentrasse bei Bernau entdeckt), die wegen der häufigen Überschwemmungen
später aufgegeben wurde und deshalb die nördliche bei Seebruck die
wichtigere war.
Der Ortsname Übersee ist abgeleitet von der Sicht der
bedeutenden Siedlungen Prien, Seebruck, Herren- und Fraueninsel aus, als
der Gegend auf der anderen Seite des Sees, „über dem See“. Zumindest
seit der Bajuwarenzeit (6. Jh.) besiedelt — wobei die Orte Wester- und
Osterbuchberg älter (keltisch/römisch) und Almau später anzusetzen sind
— wird Übersee in dem Salzburger Güterverzeichnis um 790 erstmals als
„ubse“ urkundlich genannt. Mit den Römern kam auch das Christentum in
unsere Heimat, und als älteste Pfarrei südlich des Chiemsees bildete
sich Grassau im 9. Jh. mit vielen Filialen heraus. Übersee gehörte
jahrhundertelang zur Pfarrei Grassau, erhielt 1485 einen eigenen
Benefiziaten, wurde dann Pfarrvikariat (Taufbücher seit 1637 erhalten)
und am 21. September 1818 zur Pfarrei erhoben, wobei es mit Teilen des
ehemaligen Bistums Chiemsee zum neugegründeten Erzbistum
München-Freising kam.
Der Ortsname könnte auch bildlich verstanden werden,
denn immer hatte man unter den jahreszeitlich bedingten Überschwemmungen
zu leiden. So heißt es in einer Bittschrift der Gemeinde 1584 an Herzog
Wilhelm V. in München: „So oft es ein wenig regnet, läuft die Ache
dermaßen groß an, daß, wenn wir in unsere Kirche gehen und den
Gottesdienst besuchen wollen, bis zu den Knien im Wasser gehen müssen.
Das Wasser läuft tief in das Gotteshaus hinein und wir müssen darin
stehen, was vielmals geschieht. Es könne wegen großen Gewässers die
Kinder nicht zur Taufe gebracht und wir können dem Gottesdienst nicht
gerecht werden. Wir haben seit Georgi über acht Tage das Gewässer in
unseren Häusern erdulden müssen“ (Brunner II, 204). Noch in der
Pfarrbeschreibung von 1874 steht: „Das Flüßchen Achen hindert
bisweilen die Communication. Die Wege sind lehmig.“ Erst mit der
Tieferlegung des Chiemsees und der Ausbaggerung von Ache und Alz Anfang
unseres Jahrhunderts wurden für Übersee günstigere Bedingungen
geschaffen.
Die erwähnte, oft unter Wasser gestandene frühere Überseer
Kirche war ein gotischer Bau, der 1720/22 durch einen barocken ersetzt
wurde, von dem noch alte Fotos die Außen- und Innenansichten bieten. Man
sieht eine barocke Saalkirche mit seitlichen Anbauten und einem westlichen
Zwiebelturm. Eine Reihe von Ausstattungsstücken hat sich erhalten, so z.
B. die Kreuzwegstationen von 1735/36 (jetzt in der Pfarrkirche von Bad
Endorf; vgl. Schnell, Kunstführer Nr. 1027) und von den
nachklassizistischen Seitenaltären die Gemälde von 1851/53. Jene
Pfarrkirche wurde 1902 abgebrochen. |
Kath.
Pfarrkirche St. Nikolaus
Baugeschichte. Durch das Anwachsen der Bevölkerung (1855: 1147
Seelen; 1895: 1600 Seelen, nicht zuletzt wegen der neuerrichteten
Bahnstrecke München—Salzburg mit Station Übersee) entstand das
Bestreben, eine neue, größere Pfarrkirche zu erbauen. So liegen von 1882
durch den Traunsteiner Bauamtsassessor Moritz von Horstig — von ihm
stammte auch die Turmplanung der dortigen Stadtpfarrkirche —Entwürfe
für eine neuromanische Kirche vor und 1897 von Hans Schurr aus München
eine neubarocke Variante. Im August 1899 legte der Münchner Architekt
Josef Elsner einen neuen Plan vor, der 1902 von der Regierung genehmigt
wurde und in seinen neugotischen Formen einen stattlichen Kirchenbau
brachte, der den Dimensionen einer Stadtpfarrkirche gleichkommt und
deshalb auch schon „Dom des Achentales“ Genannt wurde.
Übersee bekam damit eine Bauform des 19. Jh., die von König Ludwig I.
initiiert und gefördert wurde und die 1831 mit der Maria-Hilf-Kirche in
der Au — damals noch bei München — als einer der ersten neugotischen
Kirchen Bayerns begann und mit Übersee in das letzte Stadium des
Historismus trat.
So ist die Pfarrkirche zeitlich eine der letzten neugotischen Kirchen
Bayerns. Für Niederbayern wären in dieser Größenordnung die
Pfarrkirchen von Rottenburg a.d. Laaber 1869/72, Freyung 1874/77,
Pfeffenhausen 1885, Zwiesel 1892/98 und Teisnach 1898/1900 als Vergleiche
zu nennen. Der Architekt, Josef Elsner (geb. 1845 in Schlaney bei Glatz/Schlesien)
bildete sich in München als Zeichner und Bildhauer aus und gestaltete
neben Johann Marggraff als einer der im kirchlichen Bereich
meistbeschäftigten Architekten viele Kirchenausstattungen, Neu- und
Umbauten in Ober- und Niederbayern. In der damals üblichen
historistischen Methode stammen von ihm neben neugotischen Kirchen auch
solche im neuromanischen (Schalding I. d. Donau 1900/04) und neubarocken
(Schönberg bei Neumarkt/St. Veit 1912, Saaldorf bei Laufen 1913) Stil —
alles Bauen und Einrichten ist ein Zeugnis für die Glaubensfreude der
damaligen Zeit, von den Gemeinden unter schweren finanziellen Opfern, aber
mit Begeisterung für die Heimatkirche geleistet.
Bauherr war Pfarrer Kaspar Kreitlhuber (t 1908). Die Pfarrchronik
vermeidet: „Am 1. April 1902 (Osterdienstag) wurde mit dem Abbruch der
alten und dem Bau der neuen Kirche begonnen.“ Am Fest Mariä Himmelfahrt
(15. August 1902) fand die Grundsteinlegung durch Generalvikar Dr.
Marzellus Stigloher statt, am 25. September 1904 erfolgte die Kirchweihe
durch Erzbischof Dr. Franz Josef von Stein. Die Maurerarbeiten leitete
Lorenz Scheck, Prien, die Zimmereiarbeit führten Nikolaus Pemler und
Andreas Maier, Feldwies, und Georg Wiendl aus Übersee durch. Die
Bauleitung hatte Eduard Hofele, München.
Baubeschreibung. Die Kirche liegt nach Abbruch
des Vorgängerbaues auf einer künstlichen leichten Erhebung inmitten
eines ummauerten Friedhofs. Es handelt sich um einen unverputzten
neugotischen Ziegelbau mit sechsachsigem Langhaus und dem stark
eingezogenen, niedrigeren Chor mit 5/8-Schluß. Der Spitzturm steht an der
Westseite des Langhauses. Beidseitig am Langhaus die Portale mit den
Vorhallen, am Chor unten und oben Sakristei und Seitenkapelle, die
querschiffartig einen kreuzförmigen Grundriß der Kirche ergeben. An der
südlichen Langhausaußenwand Wappengrabstein des Balthasar von Murach (t
1428) und seiner Gemahlin Anna von Lauterbach.
Die stattlichen Ausmaße der Pfarrkirche (ca. 50 x 15 m
bei Gewölbehöhe von 18 m und Turmhöhe von 75 m) erforderten eine
Ausmalung des weitgespannten Netzrippengewölbes, die das Betreten des Innenraumes
zu einem stilistischen Erlebnis werden lassen. Denn erst 1921/22 wurde der
Altarraum unter Leitung von Hauptkonservator Prof. Josef Schmuderer von
Waldemar Kolmsperger (sen. und jun.) und Konrad Schmer, alle aus München,
in Kalkkaseinlasur ausgemalt. In ihrer Farbigkeit ist die Ausmalung vom
Expressionismus beeinflußt.
Als Thema der Ausmalung wurde der Name der Pfarrei
gewählt: „Übersee“. Beginnend am Chorbogen mit dem Schweben des
Geistes Gottes über der Urflut (Gen 1,2), die Darstellung der Sintflut
mit der rettenden Arche (Gen 7,21) bzw. das Meer des Lebens mit dem
umtosten Fels Petri (Mt 16,18) als das Bild der alten Kirche von Übersee.
Im Altarraum (an der Südwand) der auferstandene Christus am See von
Tiberias, wo er den Aposteln Brot und Fisch anbietet (Joh 21,9), Maria
über den Fluten thronend und dann (an der Nordseite) beeindruckend der
6,5 m große hl. Christophorus über dem Chorgestühl (jeweils mit
erläuternden Bibelzitaten bzw. Bildlegenden).
Interessant und eigenwillig gewagt im Chorschluß der
blaue Sternenhimmel mit der Milchstraße und den zwölf Tierkreiszeichen;
als Schlußstein erscheint eine Sonne mit gemaltem Gesicht
(Osternachtliturgie: „Christus das Licht“). In den Stichkappenfeldern
Spruchbandengel mit liturgischen Textanfängen aus dem Römischen Meßkanon
mit Lobpreisungen Gottes (aus Psalm 150, Sanctus, Gloria, Präfation,
Lobgesang der drei Jünglinge aus Daniel 3,57).
Zur einheitlichen Ausstattung aus dem 1. Viertel des
20. Jh. gehören auch die Glasgemälde der Münchner
Hofglasmalereianstalt von Franz Xaver Zettler (mit Stifterangaben) und den
Darstellungen aus der Legende des Kirchenpatrons St. Nikolaus (Chorschluß:
Heilung eines Kindes bzw. Rettung der drei Kaufleute aus Seenot mit
Darstellung der Pfarrkirche), (im Langhaus) den Apostelbildern und
weiteren auf das Wasser bezugnehmenden Symbolen bzw. Bibelzitaten.
Die Einrichtung entstammt wieder der Planung
Josef Elsners. (Die Altäre wurden in der Zeit vom 13. April bis 3. August
1905 aufgestellt). So wurde der Hochaltar 1905 von dem Münchner
Bildhauer Josef Auer (1867—1934) ausgeführt. Er ist eine Stiftung des
Freiherrn Theodor von Cramer-Klett, Hohenaschau (1874—1938), eines
Konvertiten, der Anfang unseres Jahrhunderts (als Besitzer der MAN-Fabrik)
viel für die bayerische Kirche geopfert hat (Ausbau der Abtei St.
Ottilien, Wiederbegründung des Klosters Ettal, Stiftung Wessobrunn und
Hochaltar Aschau im Chiemgau). Links am Altar ist das Wappen des Stifters
und seiner Frau, geb. von Würtzburg angebracht.
Im Hochaltar von Übersee
schuf Josef Auer die ausdrucksstarke Darstellung des hI. Nikolaus als
Patron der bedürftigen Familie. Die Szene der Beschenkung von drei
Jungfrauen mit Goldstücken kennen wir aus der berühmten Legenda aurea
des Genueser Bischofs Jacobus de Voragine. Zusätzlich stellte der
Künstler vorne rechts noch den knienden reuigen Vater dar, der seine
Töchter verkaufen wollte. Betrachtet man die Gesichter, wird man an
Vorbilder wie Tilman Riemenschneider erinnert. Eine ähnliche Gestaltung
hatte derselbe Bildhauer ein Jahr zuvor bereits in dem Hochaltar Elsners
in der Pfarrkirche von Heldenstein (Landkreis Mühldorf) geschaffen. Dort
stellte Josef Auer die aufwendige Szene der Taufe Herzog Theodos durch den
Salzburger Bischof Rupert (anachronistisch) in gotischer Kathedrale in
Begleitung der herzoglichen Familie und von Klerikern vor dem Choraltar
mit Altöttinger Madonna dar. Gerade der Vergleich der Pfarrkirchen Übersee
und Heldenstein (Altäre, Kanzel, Emporenbrüstung) zeigt die Ähnlichkeit
und die Steigerungskraft der zusammenarbeitenden Künstler Elsner und
Auer.
Im Hochaltar von Übersee sehen wir als
Assistenzfiguren den hI. Erzengel Michael in Ritterrüstung und den hI.
Georg in Turnierrüstung (mit Kettenhemd) auf dem getöteten Drachen
stehend. Im Gesprenge eine zeitgleiche Kreuzigungsgruppe.
Die Seitenaltäre von denselben Meistern: Als
Skulpturen schuf Josef Auer im linken Seitenaltar die Mutter Anna mit
Maria und dem Jesuskind, dahinter die hll. Joachim und Josef, in der
Vertikalen die trinitarische Ergänzung: Gottvater und Heiliggeisttaube.
Im Gesprenge finden sich die hll. Barbara, Elisabeth und Katharina. Im
rechten Seitenaltar ist Maria mit dem Christkind dargestellt, seitlich die
hIl. Florian und Sebastian bzw. im Gesprenge die hll. Stephanus, König
Ludwig und Laurentius.
In der Werktagskapelle (Chornordanbau) steht ebenfalls
ein neugotischer Altar aus der Werkstätte Elsners mit Passionsthemen:
Schmerzhafte Muttergottes bzw. im Auszug Kruzifix und als Gemälde die
Szenen aus dem Schmerzhaften Rosenkranz (Ölbergszene, Dornenkrönung,
Geißelung, Kreuztragung). In reicher Neugotik auch die Kanzel von Eisner
bzw. Auer um 1905, wie üblich mit den halbfigurigen Darstellungen der
vier Evangelisten mit ihren Attributen in reichem Maßwerkdekor. Den Volksaltar
schuf 1994 Franz Berger, Übersee; Fassung von Malermeister Christian
Schweiger. Ebenfalls mit aufwendigem neugotischen Dekor im warmen Holzton
das Chorgestühl, das Laiengestühl und die Emporenbrüstung.
Die Orgel erbaute 1914 die Firma Willibald
Siemann (München) mit 24 Registern bei zwei Manualen und einer von der
Romantik beeinflussten Disposition. Überraschend der für diese Gattung
eigenwillige gitterartige Prospekt, der mit seiner die Vertikale des
Kirchenraumes betonenden Prospektpfeifen- und Pilasteranlage in der
unterstützenden anthrazitfarbigen Fassung des Holzes dem Rückblick in
der Kirche eine besondere Note verleiht. Gewaltig der Klang und die
ausgezeichnete Akustik.
Bauzeitgleich die weitere Ausstattung: die
Beichtstühle, die Skulpturen (hll. Aloisius und Agnes 1916, Antonius und
Franziskus), die mit Ausnahme des Christus an der Geißelsäule (mit der
für Altbayern typischen, aber seltenen Darstellung der Betonung der
linken Schulterwunde; vgl. Dorfen bei Erding) alle aus dem 1. Viertel des
20. Jh. stammen und eine seltene Einheitlichkeit bieten. Es ist ein
Glücksfall, dass die Ausstattung unberührt die den Historismus
ablehnende Zeit nach Mitte unseres Jahrhunderts überlebt hat. Selbst die
Türen mit dem reichen Beschlagwerk stammen noch aus der Bauzeit. Neben
dem in immer neuen Varianten verarbeiteten Holz sind lediglich die
Altarunterbauten (Mensen) in Marmor ausgeführt. Hervorgehoben sein sollen
auch die 14 Kreuzwegstationen, von Josef Auer als Halbreliefs
geschnitzt und zwischen 1915 und 1920 entstanden. Hinzuweisen ist aber
auch auf das ausdrucksvolle Kanzelkreuz in der Gestaltung als
Kriegergedächtnis.
Zwei Gemälde (über den Seitenportalen) bringen
ortsbezogene Themen: Max Steinleitner Übersee (1887—1978) schuf 1923
das Tafelgemälde mit dem hl. Leonhard als Patron der Landwirtschaft, und
von Pater Gabriel stammt die Darstellung der sel. Irmingard, der Äbtissin
auf Frauenchiemsee, als der Patronin des Chiemgaues.
Von den liturgischen Geräten seien die beiden
Monstranzen erwähnt, die eine vom Augsburger Goldschmied Lorenz Anton
Kalb um 1752, die andere von Rudolf Harrach, München 1909. Letztere wurde
(laut Inschrift) von den Jungfrauen der Pfarrei Übersee gestiftet und
zeigt in dem von Bildhauer Hans Miller, München-Solln entworfenen fein
geästelten Aufbau in fünf blauen Rundmedaillons die Geheimnisse des
glorreichen Rosen-kranzes — dies als Erinnerung an die am Ort vom
Bauherrn der Kirche, Pfarrer Kreitlhuber, ins Leben gerufene
Rosenkranzbruderschaft.
Das aus sechs Glocken bestehende Geläute wurde
(kriegsbedingt) 1949 bei Karl Czudnochowsky in Erding neu gegossen und
ertönt im Salve-Regina-Motiv: 1. hl. Nikolaus (ø 160 cm, Ton h, 47,30
Ztr.); 2. hl. Maria (ø 130 cm, Ton dis‘, 23,12 Ztr.); 3. hl. Josef (ø
108 cm, Ton fis‘, 13,17 Ztr.); 4. hl. Florian, (ø 90 cm, Ton gis‘,
8,10 Ztr.); 5. hl. Bruder Konrad (ø 85 cm, Ton ais‘, 6 Ztr.); 6. hl.
Michael (ø 70 cm, Ton cis‘, 3,30 Ztr.).
1984/89 wurde die Pfarrkirche einer Gesamtrestaurierung
unterzogen, wobei die äußere Schicht des unverputzten Ziegelmauerwerks
erneuert werden musste. Der Kirchenbau gehört nunmehr in ihrer
Architektur zu den schönsten neugotischen Kirchen im Erzbistum.
Glücklicherweise besitzt sie eine qualitätvolle Einrichtung, die durch
die Seltenheit der theologisch streng einheitlichen und künstlerisch
gewagten Ausmalung Einzigartigkeit in dieser Stilrichtung aufweist. |
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Filialkirche
St. Peter und Paul Westerbuchberg
Die Kirche gehört nach den Urkunden und dem
Patrozinium zu den ältesten Kirchen der Gegend südlich des Chiemsees.
Durch den Abgang der Burg der Westerberger ist der ehemalige Zusammenhang
nicht mehr direkt herzustellen. Die Langhaustuffsteinmauern entstammen
aber noch der romanischen Zeit des 13. Jh.
Baubeschreibung. Die an der Westseite des Dorfes
in bevorzugter Lage mit herrlichem Weitblick (südlich ist das alte
Pfarrdorf Grassau zu sehen) in ummauertem Friedhof befindliche Kirche
liegt, wie der Ortsname besagt, auf dem Westerbuchberg (603 m), einer
Erhebung im Achental.
Das im Kern romanische, dreijochige Langhaus (auf der
Südseite ist ein Rundbogen der Hochschiffenster unter der ehemals
romanischen Flachdecke im Dachboden zu sehen) wurde in der gotischen Zeit
umgebaut (Steingewölbe nach 1410), erhielt 1426 einen dreiseitig
schließenden Chor und 1514 ein südliches Seitenschiff sowie eine
Sakristei. Westlicher geschindelter Dachreiter mit Spitzhelm, Westportal
mit Rotmarmorgewände (Buchbergerstein = 30 Millionen Jahre alter
Sandstein).
Ausmalung. 1958/59 konnten gotische Fresken
freigelegt werden, die teilweise noch aus der Zeit um 1410/25 stammen. Sie
bereichern die bisher in dieser Kunstrichtung schon berühmten Kirchen des
Chiemgaus Urschalling und auf dem Streichen um eine weitere Kostbarkeit.
Die Fresken entstammen zumindest drei verschiedenen Perioden: Die älteste
Schicht, fragmentarisch freigelegt an der Südwand des Langhauses, mit
Darstellung der Anbetung der Hl. Drei Könige, um 1410. An der südlichen
Chorwand abgelöste Darstellung der Hl. Drei Könige aus dem 15. Jh.,
gegenüber Jüngstes Gericht um 1580. An der Stirnwand des Seitenschiffs
freskiertes Altarretabel um 1525/30 mit Darstellung der 14 Nothelfer.
Der Vollständigkeit halber sollen auch die im
Langhausdachgeschoß (über dem Gewölbe) befindlichen Wandmalereien der
Zeit um 1410 erwähnt werden: An der Nordwestseite zwei Engeldarstellungen
(jeweils mit Lanze bzw. Kreuz) und die Hand eines hI. Christophorus, der
einen Baumstamm hält (vgl. u.a. Garmisch, Alte Kirche) und an der
Südwestseite das Fragment einer Anna Selbdritt. Von der
Christophorusdarstellung sehen wir an der Nordseite des Langhauses noch
den untersten Teil fragmentarisch, nämlich das Stehen des Heiligen im
Wasser (erkennbar die Fische). Das daneben befindliche abgelöste Fragment
eines Heiligen gehört zur Dreikönigsdarstellung an der Chorsüdseite.
An Skulpturen über dem Altar ein
überlebensgroßer Kruzifixus der Zeit um 1520, an der Nordseite Maria auf
der Mondsichel mit Gesicht, 16. Jh., und die hl. Barbara. Im Seitenschiff
befinden sich die Apostelfürsten Petrus und Paulus und eine Muttergottes
mit dem Jesuskind, 2. Hälfte 17. Jh. Die Wangen des Laiengestühls und
die Empore stammen aus der Zeit um 1730. Erst bei der letzten
Restaurierung (um 1978) kam das Kirchenpflaster aus Adneter Marmor herein.
Im Dachreiter hängen zwei Glocken, eine spätgotische und eine von Karl
Czudnochowsky in Erding 1963 gegossene. Die Schwarzweißmonotypie neben
dem Südportal „Einer unter Euch wird mich yerraten“, entstanden um
1958 — Stiftung der Erben — stammt von dem Maler Franz S. Gebhardt,
Westerbuchberg. Eine Besonderheit wurde bereits 1902 entdeckt: Auf dem
Dachboden (= über dem jetzigen gotischen Gewölbe, aber noch unter der
ehemals romanischen Flachdecke) befinden sich weitere Wandgemälde, u. a.
eine in gotischen Minuskeln in magischem Quadrat geschriebene Sator-Formel
als Vexierrätsel:
„SATOR AREPO TENET OPERA ROTAS“
— das Ganze in 25 Rechtecken zu lesen (nach Ludwig
Diehl) „wie der Ochse beim Pflügen“, d. h. man kann von allen Seiten
aus beginnen, von oben und unten, von vorn und rückwärts: Immer entsteht
die vollständige magische Formel „sator opera tenet“ und ergibt
übersetzt den Sinn: „Der große Sämann (Gott) hält die Werke
(Schöpfung) in seiner Hand". Eine Zauberformel, die sogar in den
sakralen Raum Eingang fand im Sinne des „Besprechens“ und
Gesundbetens?
1995 bekam die Kirche eine neue Orgel, die durch
eine großzügige Spende der Familie Dr. Ing. und Dr. phil. E. W.
Ruckdeschel und aus Eigenmitteln der Pfarrei für den Einbau finanziert
werden konnte. Die Orgel ist ein Werk des Orgelbauers Dieter Schingnitz,
Iffeldorf. |
Filialkirche
St. Leonhard Almau
Baubeschreibung. 929 erstmals urkundlich erwähnt, besitzt die
neben einem Bauernhof gelegene kleine Kirche in den Chormauern ebenfalls noch
romanische Bausubstanz. Auffallend sind im Altarraum die tiefliegenden
gotischen Apostelkreuze und beiderseits rundbogigen Mauernischen,
d. h., das ursprüngliche Bodenniveau wurde später beträchtlich erhöht.
Um 1500 wurde der Altarraum mit Langhaus- und Sakristeianbau erweitert. Im
17. Jh. fand die Barockisierung statt (neue Decken, Fensterveränderung,
Westempore und Errichtung eines Dachreiters). 1764 erhielt (nach Peter von
Bomhard) das Kirchlein durch Franz Xaver Tiefenbrunner aus Trautersdorf
eine Freskierung mit Darstellung des Kirchenpatrons (Chor Nord
außen und Chor innen). Von Tiefenbrunner (1736/79) stammen auch die
Deckengemälde in Thalkirchen bei Hirnsberg, St. Florian und St. Salvator
bei Prien.
Der Neurenaissancealtar stammt von Paul Horchler, Burghausen um
1879, mit den zeitgleichen Skulpturen hl. Leonhard bzw. hll. Florian und
Johannes von Nepomuk.
Im Langhaus ein Kruzifix, 2. Hälfte 17. Jh. Von der seit der
Barockzeit beliebten Wallfahrt zum Viehpatron Leonhard zeugt noch eine
Reihe von Votivtafeln. Jährlich findet Anfang November ein Leonhardiritt
zu Ehren des hl. Leonhard statt.
Im Dachreiter zwei Glocken, die größere mit einer
unvollständigen Jahreszahl „MLVI“, die deshalb nicht auf 1056
gedeutet werden darf, schon deswegen, weil sich in Deutschland vor dem 12.
Jh. keine Kirchenglocken erhalten haben und wegen der Inschrift „Gotes
bort pleybt ebyg“ (= Gottes Wort bleibt ewig) vom Schriftzug auf 1656 zu
verlegen ist. Die kleinere stammt vom Münchner Glockengießer Wolfgang Stöger,
1578, — wobei auffällt, dass wir die Herkunft des Meisters nicht
kennen, der damalige Mandlbauernhof (jetzt Stegen 2) aber einen Besitzer
Wolf Stöger aufweist! Die Almauer Kirche wurde 1975 und 1994 restauriert. |
| Wegkapelle
am Seerosenweg in Feldwies
Typische Wegkapelle, wie sie häufig in Altbayern
anzutreffen ist. Aus einem persönlichen Vermächtnis oder zum frommen
Gedenken an Verunglückte oder Verstorbene wurden solche Kapellen
errichtet. Diese Kapelle weist einige Martert auf, die an tödlich
Verunglückte des benachbarten Hofes erinnern sollen und um ein
Gebetsgedenken bitten. |
| Nikolauskapelle
am Ufer der Feldwieser Halbinsel
Am Ostufer der Feldwieser Halbinsel, die Einheimischen
nennen sie den "Gamer Zipf", steht die malerische
Nikolauskapelle, die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts anstelle einer
alten Holzkapelle erbaut wurde. Die Kapelle wurde aus Dankbarkeit für die
glückliche Errettung aus Seenot gestiftet und aus dem gleichen Grund in
jüngster Zeit erneuert. Zwei Votivtafeln berichten hierüber. Die große
Holzskulptur, den hl. Nikolaus darstellend, befand sich einmal in der
früheren Pfarrkirche von Übersee. |
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