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Sehenswertes Übersee/Feldwies
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Aus der Geschichte unseres Ortes

Die Eiszeit prägte das Gesicht unserer Voralpenlandschaft und das große Becken des Chiemsees wurde von Eiszeitgletschern geschaffen. Die Ausdehnung des Chiemsees erstreckte sich einstmals bis zum Fuß der Berge und nördlich bis zu den Streuseen des Chiemgaues. Westerbuchberg und Osterbuchberg ragten als Inseln aus dem Riesensee.

Schon in den Jahrhunderten vor Christi Geburt wies der Chiemgau eine Besiedelung durch die Kelten auf. In den Zeiten der römischen Besetzung gehöre der Chiemgau zu der Provinz Noricum. Zahlreiche Funde in Orten um den See zeugen noch heute davon. Die Völkerwanderung bringt dann unsere Vorfahren, die Bajuwaren. Neben anderen Orten des Gaues lässt sich auch Übersee schon sehr früh urkundlich nachweisen. So ist der Name "Übersee" schon im Salzburger Urkundenbuch, das im 8. Jahrhundert angelegt wurde, zu finden. Als die Karolinger in Bayern herrschten, finden wir zum ersten Male auch den Namen "Chiemgau". Die Missionierung des Gaues trieb im 7. Jahrhundert der hl. Rupertus vorwärts, dessen Grab wir im Dom zu Salzburg finden. Kirchlich ist der Chiemgau in der Folgezeit bis 1817 an Salzburg gebunden, wie ja auch andere kulturelle Beziehungen dorthin sehr eng waren und heute noch sind. Weltlich gesehen gehörte der Chiemgau zum Herzogtum "Baiern", dessen zuständiger Pfleger in der Burg zu Marquartstein seinen Amtssitz harte.

Die Lage von Übersee-Feldwies, in der Vergangenheit fernab jeder größeren Landstraße, und der kärgliche Boden besonders im nördlichen Teil ließen in früheren Jahrhunderten nur eine spärliche Entwicklung zu. Einige Berühmtheit brachte der heimischen Landwirtschaft in der Vergangenheit der Anbau von Zwiebeln, Mais, Rüben zur Samengewinnung, so dass wir in einem geographischen Lexikon des Jahres 1796 lesen können: “Die Feldwieser" beschäftigen sich neben dem sehr häufigen Pflanzen des Rübsamens mit dem Zwiebel-, Knoblauch-, Bohnen- und türkischen Weizenanbau so stark, dass mancher Häusler ab Zwiebel 60, 70 bis 100 Metzen erhält und überhaupt in diesen Orten jährlich gegen 1500 Metzen gewonnen werden«. Wie uns überliefert ist, wurden diese Erträgnisse in den Wintermonaten in den nahen und weiteren Orten verhausiert und die Vorfahren der Feldwieser sollen dabei sogar bis nach Regensburg gekommen sein. Weithin berühmt waren Übersees Bauern auch durch ihre Erfolge in der Pferdezucht. Es gab fast keinen Hof in der Gemeinde, auf dem sich nicht zur Frühjahrszeit ein oder zwei und gar oft noch mehr Fohlen tummelten. Auch heute zählt die Gemeinde noch mehr Pferde als vergleichsweise gleichgroße ländliche Gemeinwesen.

Im vorigen Jahrhundert bringt dann ein besonderes Ereignis den Ort am See in den Mund vieler Leute, als nämlich von Feldwies aus der erste Chiemseedampfer am 5. Mai 1845 in See sticht und somit die Aera der Chiemsee­Dampfschifffahrt eröffnet. Der Erbauer der Sensation war ein Grassauer Zimmermann, sein Werk nannte man jedoch wegen seiner urkomischen Form bei den Einheimischen nur den "Bügelstahl"‘. Manche lustige Episode ließe sich von diesem Vehikel erzählen, das zwei Jahre später durch ein "moderneres" Dampfschiff des Kupferschmiedemeisters Josef Fessler abgelöst wurde. Bis auf den heutigen Tag blieb die Dampfschifffahrt auf dem Chiemsee in Händen dieser Familie. Die Chiemseeflotte verfügt heute über eine beachtliche Anzahl von Schiffen, darunter den 52 Meter langen "Ludwig Fessler" und die 49 m lange "Edeltraud" mit einem Fassungsvermögen von 1050 Personen. Mit diesem Schiff, das erst 1970 in Dienst gestellt wurde, werden die beliebten Tanz- und Kaffeefahrten durchgeführt.


Brauchtum und Überlieferung

Nichtbayern stellen sich den Einheimischen stets in "Sepplhose" und sein Dirndl nur in der Tracht vor. Sicher werden wir die Männer oft mit der Lederhose finden und Frauen und Mädchen tragen das kleidsame und praktische Dirndl oder an Feiertagen auch die schmucke Tracht mit dem Mieder. Aber ständig sind auch die Bayern nicht mehr in der Tracht anzutreffen. Städtische Mode hat auch in Bayern schon lange das Land erreicht und erobert. Aber zum Aussterben konnte die Mode Lederhose, Tracht und Mieder nicht bringen. Dafür sorgen schon die Trachten-Erhaltungsvereine. An hohen Festtagen oder bei Trachtenfesten sehen wir auch in der hiesigen Gemeinde die Burschen und Männer in der Lederhose und grünen Lodenjoppe und die Mädchen und Frauen in festlicher Tracht. Sicher mag man es bedauern, dass heute die Tracht nicht mehr so häufig im Dorf getragen wird. Die Trachtenvereine haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Tracht im richtigen Stil zu erhalten. Daneben pflegen die Vereine auch die überlieferten Volkstänze, die Schuhplattler und die Trachtentänze. Die Formen und Musik dazu sind über liefert. Da gibt es den "Häuslratz", den "Ribeaupierre", den "Zwei- und Dreisteyrer", den "Sterntanz" und den "Bandltanz" usw. Vorstellen können wir uns unter diesen Namen nicht viel. Es soll nur soviel dazu erklärt werden, dass jeder seine Melodie und seine eigenen Formen aufzuweisen hat. Auf Heimatabenden und bei Almtänzen der Vereine sind sie zu bewundern. Auch konnten große Erfolge im Ausland erzielt werden (z. B. in England, Irland, Frankreich Italien, Jugoslawien, Schweiz und Australien).

Besondere Freude, aber auch Fähigkeiten, zeigen die Altbayern, und dazu gehören auch die Chiemgauer, im Theaterspielen. Schon aus dem voriger Jahrhundert ist uns überliefert, dass sich die Überseer und Feldwieser im Komödien-Spiel auszeichneten. Seit einem halben Jahrhundert gibt es dazu einen eigenen Theaterverein, der mit viel Erfolg sein Publikum erfreut. All wöchentlich tritt das Bauerntheater in der Saison mit einem Spiel an die Öffentlichkeit und schon viele Tausende von Sommergästen erlebten mit ihm echt oberbayerisches Komödienspiel.

Nicht minder liebt der Bayer Musik und Gesang. Die Blaskapelle Übersee gehört mit zu den ältesten des Gaues. Sie besteht urkundlich nachgewiesen bereits seit 150 Jahren. Weitergeführt wird diese alle Tradition von der im Jahre 1975 neu gegründeten Jugendblaskapelle. Eine gute Pflegestätte finde auch das Volkslied. Einheimische Sängergruppen konnten bei Sängertreffer beachtliche Erfolge erzielen und die "Feldwieser Sänger" sind durch ihr Auftreten in Funk und Fernsehen weit über die Grenzen des Chiemgaues bekannt geworden.

Immer noch lebendig ist mannigfaches Brauchtum im Kreislauf des Jahres oder bei Hochzeiten und ähnlichen Gelegenheiten. In den Adventwochen ziehen die Anklöpfler noch durchs Dorf und um Neujahr wünschen Sternsinger von Haus zu Haus ein "Gutes Neujahr".

Am Palmsonntag bringen die Buben ihre kunstvoll gefertigten "Palmbüschel" zum Gottesdienst in die Kirche, um sie dann geweiht ins Haus zurückzubringen. Im Mai stellen die Trachtler ihren Maibaum auf und der Juni bringt die Sonnwendfeuer und Petersfeuer, um nur einige althergebrachte Bräuche zu erwähnen, die noch lebendig geblieben sind.


Pfarrei in Übersee am Chiemsee

Ortsgeschichte: Die Landschaft zwischen Inn und Salzach ist reich an Denkmälern aus der römischen Zeit der ersten fünf nachchristlichen Jahrhunderte. Ganz in der Nähe von Übersee gibt es Römersteine in Chieming (um 209/225), Grabenstätt (St.Johanneskirche), ehemals auch in Bernau (um 200), Egerndach (um 180) sowie Stöttham (193 n. Chr.), und Seebruck ist das alte „Bedaium“ an der Römerstraße von Augsburg nach Salzburg. Noch heute gehen Ortsnamen wie Castrum in ihrer lateinischen Form auf die Römerzeit zurück. Manche Archäologen meinen sogar, südlich am Chiemsee hätte eine alte Römerstraße bestanden (Eichenbohlentrasse bei Bernau entdeckt), die wegen der häufigen Überschwemmungen später aufgegeben wurde und deshalb die nördliche bei Seebruck die wichtigere war.

Der Ortsname Übersee ist abgeleitet von der Sicht der bedeutenden Siedlungen Prien, Seebruck, Herren- und Fraueninsel aus, als der Gegend auf der anderen Seite des Sees, „über dem See“. Zumindest seit der Bajuwarenzeit (6. Jh.) besiedelt — wobei die Orte Wester- und Osterbuchberg älter (keltisch/römisch) und Almau später anzusetzen sind — wird Übersee in dem Salzburger Güterverzeichnis um 790 erstmals als „ubse“ urkundlich genannt. Mit den Römern kam auch das Christentum in unsere Heimat, und als älteste Pfarrei südlich des Chiemsees bildete sich Grassau im 9. Jh. mit vielen Filialen heraus. Übersee gehörte jahrhundertelang zur Pfarrei Grassau, erhielt 1485 einen eigenen Benefiziaten, wurde dann Pfarrvikariat (Taufbücher seit 1637 erhalten) und am 21. September 1818 zur Pfarrei erhoben, wobei es mit Teilen des ehemaligen Bistums Chiemsee zum neugegründeten Erzbistum München-Freising kam.

Der Ortsname könnte auch bildlich verstanden werden, denn immer hatte man unter den jahreszeitlich bedingten Überschwemmungen zu leiden. So heißt es in einer Bittschrift der Gemeinde 1584 an Herzog Wilhelm V. in München: „So oft es ein wenig regnet, läuft die Ache dermaßen groß an, daß, wenn wir in unsere Kirche gehen und den Gottesdienst besuchen wollen, bis zu den Knien im Wasser gehen müssen. Das Wasser läuft tief in das Gotteshaus hinein und wir müssen darin stehen, was vielmals geschieht. Es könne wegen großen Gewässers die Kinder nicht zur Taufe gebracht und wir können dem Gottesdienst nicht gerecht werden. Wir haben seit Georgi über acht Tage das Gewässer in unseren Häusern erdulden müssen“ (Brunner II, 204). Noch in der Pfarrbeschreibung von 1874 steht: „Das Flüßchen Achen hindert bisweilen die Communication. Die Wege sind lehmig.“ Erst mit der Tieferlegung des Chiemsees und der Ausbaggerung von Ache und Alz Anfang unseres Jahrhunderts wurden für Übersee günstigere Bedingungen geschaffen.

Die erwähnte, oft unter Wasser gestandene frühere Überseer Kirche war ein gotischer Bau, der 1720/22 durch einen barocken ersetzt wurde, von dem noch alte Fotos die Außen- und Innenansichten bieten. Man sieht eine barocke Saalkirche mit seitlichen Anbauten und einem westlichen Zwiebelturm. Eine Reihe von Ausstattungsstücken hat sich erhalten, so z. B. die Kreuzwegstationen von 1735/36 (jetzt in der Pfarrkirche von Bad Endorf; vgl. Schnell, Kunstführer Nr. 1027) und von den nachklassizistischen Seitenaltären die Gemälde von 1851/53. Jene Pfarrkirche wurde 1902 abgebrochen.


Pfarrkirche St.NikolausKath. Pfarrkirche St. Nikolaus

Baugeschichte. Durch das Anwachsen der Bevölkerung (1855: 1147 Seelen; 1895: 1600 Seelen, nicht zuletzt wegen der neuerrichteten Bahnstrecke München—Salzburg mit Station Übersee) entstand das Bestreben, eine neue, größere Pfarrkirche zu erbauen. So liegen von 1882 durch den Traunsteiner Bauamtsassessor Moritz von Horstig — von ihm stammte auch die Turmplanung der dortigen Stadtpfarrkirche —Entwürfe für eine neuromanische Kirche vor und 1897 von Hans Schurr aus München eine neubarocke Variante. Im August 1899 legte der Münchner Architekt Josef Elsner einen neuen Plan vor, der 1902 von der Regierung genehmigt wurde und in seinen neugotischen Formen einen stattlichen Kirchenbau brachte, der den Dimensionen einer Stadtpfarrkirche gleichkommt und deshalb auch schon „Dom des Achentales“ Genannt wurde.

Innenansicht der Pfarrkirche St. NikolausÜbersee bekam damit eine Bauform des 19. Jh., die von König Ludwig I. initiiert und gefördert wurde und die 1831 mit der Maria-Hilf-Kirche in der Au — damals noch bei München — als einer der ersten neugotischen Kirchen Bayerns begann und mit Übersee in das letzte Stadium des Historismus trat.

So ist die Pfarrkirche zeitlich eine der letzten neugotischen Kirchen Bayerns. Für Niederbayern wären in dieser Größenordnung die Pfarrkirchen von Rottenburg a.d. Laaber 1869/72, Freyung 1874/77, Pfeffenhausen 1885, Zwiesel 1892/98 und Teisnach 1898/1900 als Vergleiche zu nennen. Der Architekt, Josef Elsner (geb. 1845 in Schlaney bei Glatz/Schlesien) bildete sich in München als Zeichner und Bildhauer aus und gestaltete neben Johann Marggraff als einer der im kirchlichen Bereich meistbeschäftigten Architekten viele Kirchenausstattungen, Neu- und Umbauten in Ober- und Niederbayern. In der damals üblichen historistischen Methode stammen von ihm neben neugotischen Kirchen auch solche im neuromanischen (Schalding I. d. Donau 1900/04) und neubarocken (Schönberg bei Neumarkt/St. Veit 1912, Saaldorf bei Laufen 1913) Stil — alles Bauen und Einrichten ist ein Zeugnis für die Glaubensfreude der damaligen Zeit, von den Gemeinden unter schweren finanziellen Opfern, aber mit Begeisterung für die Heimatkirche geleistet.

Hochaltar in der Pfarrkirche St. NikolausBauherr war Pfarrer Kaspar Kreitlhuber (t 1908). Die Pfarrchronik vermeidet: „Am 1. April 1902 (Osterdienstag) wurde mit dem Abbruch der alten und dem Bau der neuen Kirche begonnen.“ Am Fest Mariä Himmelfahrt (15. August 1902) fand die Grundsteinlegung durch Generalvikar Dr. Marzellus Stigloher statt, am 25. September 1904 erfolgte die Kirchweihe durch Erzbischof Dr. Franz Josef von Stein. Die Maurerarbeiten leitete Lorenz Scheck, Prien, die Zimmereiarbeit führten Nikolaus Pemler und Andreas Maier, Feldwies, und Georg Wiendl aus Übersee durch. Die Bauleitung hatte Eduard Hofele, München.

Baubeschreibung. Die Kirche liegt nach Abbruch des Vorgängerbaues auf einer künstlichen leichten Erhebung inmitten eines ummauerten Friedhofs. Es handelt sich um einen unverputzten neugotischen Ziegelbau mit sechsachsigem Langhaus und dem stark eingezogenen, niedrigeren Chor mit 5/8-Schluß. Der Spitzturm steht an der Westseite des Langhauses. Beidseitig am Langhaus die Portale mit den Vorhallen, am Chor unten und oben Sakristei und Seitenkapelle, die querschiffartig einen kreuzförmigen Grundriß der Kirche ergeben. An der südlichen Langhausaußenwand Wappengrabstein des Balthasar von Murach (t 1428) und seiner Gemahlin Anna von Lauterbach.

Der linke Seitenaltar mit Mutter Anna, Maria und dem JesukindDie stattlichen Ausmaße der Pfarrkirche (ca. 50 x 15 m bei Gewölbehöhe von 18 m und Turmhöhe von 75 m) erforderten eine Ausmalung des weitgespannten Netzrippengewölbes, die das Betreten des Innenraumes zu einem stilistischen Erlebnis werden lassen. Denn erst 1921/22 wurde der Altarraum unter Leitung von Hauptkonservator Prof. Josef Schmuderer von Waldemar Kolmsperger (sen. und jun.) und Konrad Schmer, alle aus München, in Kalkkaseinlasur ausgemalt. In ihrer Farbigkeit ist die Ausmalung vom Expressionismus beeinflußt.

Als Thema der Ausmalung wurde der Name der Pfarrei gewählt: „Übersee“. Beginnend am Chorbogen mit dem Schweben des Geistes Gottes über der Urflut (Gen 1,2), die Darstellung der Sintflut mit der rettenden Arche (Gen 7,21) bzw. das Meer des Lebens mit dem umtosten Fels Petri (Mt 16,18) als das Bild der alten Kirche von Übersee. Im Altarraum (an der Südwand) der auferstandene Christus am See von Tiberias, wo er den Aposteln Brot und Fisch anbietet (Joh 21,9), Maria über den Fluten thronend und dann (an der Nordseite) beeindruckend der 6,5 m große hl. Christophorus über dem Chorgestühl (jeweils mit erläuternden Bibelzitaten bzw. Bildlegenden).

Der rechte Seitenaltar mit Maria und dem JesukindInteressant und eigenwillig gewagt im Chorschluß der blaue Sternenhimmel mit der Milchstraße und den zwölf Tierkreiszeichen; als Schlußstein erscheint eine Sonne mit gemaltem Gesicht (Osternachtliturgie: „Christus das Licht“). In den Stichkappenfeldern Spruchbandengel mit liturgischen Textanfängen aus dem Römischen Meßkanon mit Lobpreisungen Gottes (aus Psalm 150, Sanctus, Gloria, Präfation, Lobgesang der drei Jünglinge aus Daniel 3,57).

Zur einheitlichen Ausstattung aus dem 1. Viertel des 20. Jh. gehören auch die Glasgemälde der Münchner Hofglasmalereianstalt von Franz Xaver Zettler (mit Stifterangaben) und den Darstellungen aus der Legende des Kirchenpatrons St. Nikolaus (Chorschluß: Heilung eines Kindes bzw. Rettung der drei Kaufleute aus Seenot mit Darstellung der Pfarrkirche), (im Langhaus) den Apostelbildern und weiteren auf das Wasser bezugnehmenden Symbolen bzw. Bibelzitaten.

Die Einrichtung entstammt wieder der Planung Josef Elsners. (Die Altäre wurden in der Zeit vom 13. April bis 3. August 1905 aufgestellt). So wurde der Hochaltar 1905 von dem Münchner Bildhauer Josef Auer (1867—1934) ausgeführt. Er ist eine Stiftung des Freiherrn Theodor von Cramer-Klett, Hohenaschau (1874—1938), eines Konvertiten, der Anfang unseres Jahrhunderts (als Besitzer der MAN-Fabrik) viel für die bayerische Kirche geopfert hat (Ausbau der Abtei St. Ottilien, Wiederbegründung des Klosters Ettal, Stiftung Wessobrunn und Hochaltar Aschau im Chiemgau). Links am Altar ist das Wappen des Stifters und seiner Frau, geb. von Würtzburg angebracht.

Neugotischer Altar in der Werktagskapelle der Pfarrkirche St. Nikolaus aus der Werkstätte Josef Elsner Im Hochaltar von Übersee schuf Josef Auer die ausdrucksstarke Darstellung des hI. Nikolaus als Patron der bedürftigen Familie. Die Szene der Beschenkung von drei Jungfrauen mit Goldstücken kennen wir aus der berühmten Legenda aurea des Genueser Bischofs Jacobus de Voragine. Zusätzlich stellte der Künstler vorne rechts noch den knienden reuigen Vater dar, der seine Töchter verkaufen wollte. Betrachtet man die Gesichter, wird man an Vorbilder wie Tilman Riemenschneider erinnert. Eine ähnliche Gestaltung hatte derselbe Bildhauer ein Jahr zuvor bereits in dem Hochaltar Elsners in der Pfarrkirche von Heldenstein (Landkreis Mühldorf) geschaffen. Dort stellte Josef Auer die aufwendige Szene der Taufe Herzog Theodos durch den Salzburger Bischof Rupert (anachronistisch) in gotischer Kathedrale in Begleitung der herzoglichen Familie und von Klerikern vor dem Choraltar mit Altöttinger Madonna dar. Gerade der Vergleich der Pfarrkirchen Übersee und Heldenstein (Altäre, Kanzel, Emporenbrüstung) zeigt die Ähnlichkeit und die Steigerungskraft der zusammenarbeitenden Künstler Elsner und Auer.

Im Hochaltar von Übersee sehen wir als Assistenzfiguren den hI. Erzengel Michael in Ritterrüstung und den hI. Georg in Turnierrüstung (mit Kettenhemd) auf dem getöteten Drachen stehend. Im Gesprenge eine zeitgleiche Kreuzigungsgruppe.

Neugotische Kanzel um 1905Die Seitenaltäre von denselben Meistern: Als Skulpturen schuf Josef Auer im linken Seitenaltar die Mutter Anna mit Maria und dem Jesuskind, dahinter die hll. Joachim und Josef, in der Vertikalen die trinitarische Ergänzung: Gottvater und Heiliggeisttaube. Im Gesprenge finden sich die hll. Barbara, Elisabeth und Katharina. Im rechten Seitenaltar ist Maria mit dem Christkind dargestellt, seitlich die hIl. Florian und Sebastian bzw. im Gesprenge die hll. Stephanus, König Ludwig und Laurentius.

In der Werktagskapelle (Chornordanbau) steht ebenfalls ein neugotischer Altar aus der Werkstätte Elsners mit Passionsthemen: Schmerzhafte Muttergottes bzw. im Auszug Kruzifix und als Gemälde die Szenen aus dem Schmerzhaften Rosenkranz (Ölbergszene, Dornenkrönung, Geißelung, Kreuztragung). In reicher Neugotik auch die Kanzel von Eisner bzw. Auer um 1905, wie üblich mit den halbfigurigen Darstellungen der vier Evangelisten mit ihren Attributen in reichem Maßwerkdekor. Den Volksaltar schuf 1994 Franz Berger, Übersee; Fassung von Malermeister Christian Schweiger. Ebenfalls mit aufwendigem neugotischen Dekor im warmen Holzton das Chorgestühl, das Laiengestühl und die Emporenbrüstung.

Orgel um 1914 Ausführung: Willibald Siemann, MünchenDie Orgel erbaute 1914 die Firma Willibald Siemann (München) mit 24 Registern bei zwei Manualen und einer von der Romantik beeinflussten Disposition. Überraschend der für diese Gattung eigenwillige gitterartige Prospekt, der mit seiner die Vertikale des Kirchenraumes betonenden Prospektpfeifen- und Pilasteranlage in der unterstützenden anthrazitfarbigen Fassung des Holzes dem Rückblick in der Kirche eine besondere Note verleiht. Gewaltig der Klang und die ausgezeichnete Akustik.

Bauzeitgleich die weitere Ausstattung: die Beichtstühle, die Skulpturen (hll. Aloisius und Agnes 1916, Antonius und Franziskus), die mit Ausnahme des Christus an der Geißelsäule (mit der für Altbayern typischen, aber seltenen Darstellung der Betonung der linken Schulterwunde; vgl. Dorfen bei Erding) alle aus dem 1. Viertel des 20. Jh. stammen und eine seltene Einheitlichkeit bieten. Es ist ein Glücksfall, dass die Ausstattung unberührt die den Historismus ablehnende Zeit nach Mitte unseres Jahrhunderts überlebt hat. Selbst die Türen mit dem reichen Beschlagwerk stammen noch aus der Bauzeit. Neben dem in immer neuen Varianten verarbeiteten Holz sind lediglich die Altarunterbauten (Mensen) in Marmor ausgeführt. Hervorgehoben sein sollen auch die 14 Kreuzwegstationen, von Josef Auer als Halbreliefs geschnitzt und zwischen 1915 und 1920 entstanden. Hinzuweisen ist aber auch auf das ausdrucksvolle Kanzelkreuz in der Gestaltung als Kriegergedächtnis.

Zwei Gemälde (über den Seitenportalen) bringen ortsbezogene Themen: Max Steinleitner Übersee (1887—1978) schuf 1923 das Tafelgemälde mit dem hl. Leonhard als Patron der Landwirtschaft, und von Pater Gabriel stammt die Darstellung der sel. Irmingard, der Äbtissin auf Frauenchiemsee, als der Patronin des Chiemgaues.

Von den liturgischen Geräten seien die beiden Monstranzen erwähnt, die eine vom Augsburger Goldschmied Lorenz Anton Kalb um 1752, die andere von Rudolf Harrach, München 1909. Letztere wurde (laut Inschrift) von den Jungfrauen der Pfarrei Übersee gestiftet und zeigt in dem von Bildhauer Hans Miller, München-Solln entworfenen fein geästelten Aufbau in fünf blauen Rundmedaillons die Geheimnisse des glorreichen Rosen-kranzes — dies als Erinnerung an die am Ort vom Bauherrn der Kirche, Pfarrer Kreitlhuber, ins Leben gerufene Rosenkranzbruderschaft.

Das aus sechs Glocken bestehende Geläute wurde (kriegsbedingt) 1949 bei Karl Czudnochowsky in Erding neu gegossen und ertönt im Salve-Regina-Motiv: 1. hl. Nikolaus (ø 160 cm, Ton h, 47,30 Ztr.); 2. hl. Maria (ø 130 cm, Ton dis‘, 23,12 Ztr.); 3. hl. Josef (ø 108 cm, Ton fis‘, 13,17 Ztr.); 4. hl. Florian, (ø 90 cm, Ton gis‘, 8,10 Ztr.); 5. hl. Bruder Konrad (ø 85 cm, Ton ais‘, 6 Ztr.); 6. hl. Michael (ø 70 cm, Ton cis‘, 3,30 Ztr.).

1984/89 wurde die Pfarrkirche einer Gesamtrestaurierung unterzogen, wobei die äußere Schicht des unverputzten Ziegelmauerwerks erneuert werden musste. Der Kirchenbau gehört nunmehr in ihrer Architektur zu den schönsten neugotischen Kirchen im Erzbistum. Glücklicherweise besitzt sie eine qualitätvolle Einrichtung, die durch die Seltenheit der theologisch streng einheitlichen und künstlerisch gewagten Ausmalung Einzigartigkeit in dieser Stilrichtung aufweist.


Filialkirche St. Peter und Paul WesterbuchbergFilialkirche St. Peter und Paul Westerbuchberg

Die Kirche gehört nach den Urkunden und dem Patrozinium zu den ältesten Kirchen der Gegend südlich des Chiemsees. Durch den Abgang der Burg der Westerberger ist der ehemalige Zusammenhang nicht mehr direkt herzustellen. Die Langhaustuffsteinmauern entstammen aber noch der romanischen Zeit des 13. Jh.

Baubeschreibung. Die an der Westseite des Dorfes in bevorzugter Lage mit herrlichem Weitblick (südlich ist das alte Pfarrdorf Grassau zu sehen) in ummauertem Friedhof befindliche Kirche liegt, wie der Ortsname besagt, auf dem Westerbuchberg (603 m), einer Erhebung im Achental.

Das im Kern romanische, dreijochige Langhaus (auf der Südseite ist ein Rundbogen der Hochschiffenster unter der ehemals romanischen Flachdecke im Dachboden zu sehen) wurde in der gotischen Zeit umgebaut (Steingewölbe nach 1410), erhielt 1426 einen dreiseitig schließenden Chor und 1514 ein südliches Seitenschiff sowie eine Sakristei. Westlicher geschindelter Dachreiter mit Spitzhelm, Westportal mit Rotmarmorgewände (Buchbergerstein = 30 Millionen Jahre alter Sandstein).

Seitenkapelle der filialkirche St. Peter und Paul Westerbuchberg mit dem Wandfresko der 14 NothelferAusmalung. 1958/59 konnten gotische Fresken freigelegt werden, die teilweise noch aus der Zeit um 1410/25 stammen. Sie bereichern die bisher in dieser Kunstrichtung schon berühmten Kirchen des Chiemgaus Urschalling und auf dem Streichen um eine weitere Kostbarkeit. Die Fresken entstammen zumindest drei verschiedenen Perioden: Die älteste Schicht, fragmentarisch freigelegt an der Südwand des Langhauses, mit Darstellung der Anbetung der Hl. Drei Könige, um 1410. An der südlichen Chorwand abgelöste Darstellung der Hl. Drei Könige aus dem 15. Jh., gegenüber Jüngstes Gericht um 1580. An der Stirnwand des Seitenschiffs freskiertes Altarretabel um 1525/30 mit Darstellung der 14 Nothelfer.

Der Vollständigkeit halber sollen auch die im Langhausdachgeschoß (über dem Gewölbe) befindlichen Wandmalereien der Zeit um 1410 erwähnt werden: An der Nordwestseite zwei Engeldarstellungen (jeweils mit Lanze bzw. Kreuz) und die Hand eines hI. Christophorus, der einen Baumstamm hält (vgl. u.a. Garmisch, Alte Kirche) und an der Südwestseite das Fragment einer Anna Selbdritt. Von der Christophorusdarstellung sehen wir an der Nordseite des Langhauses noch den untersten Teil fragmentarisch, nämlich das Stehen des Heiligen im Wasser (erkennbar die Fische). Das daneben befindliche abgelöste Fragment eines Heiligen gehört zur Dreikönigsdarstellung an der Chorsüdseite.

Blick zum Chor der FilialkircheAn Skulpturen über dem Altar ein überlebensgroßer Kruzifixus der Zeit um 1520, an der Nordseite Maria auf der Mondsichel mit Gesicht, 16. Jh., und die hl. Barbara. Im Seitenschiff befinden sich die Apostelfürsten Petrus und Paulus und eine Muttergottes mit dem Jesuskind, 2. Hälfte 17. Jh. Die Wangen des Laiengestühls und die Empore stammen aus der Zeit um 1730. Erst bei der letzten Restaurierung (um 1978) kam das Kirchenpflaster aus Adneter Marmor herein. Im Dachreiter hängen zwei Glocken, eine spätgotische und eine von Karl Czudnochowsky in Erding 1963 gegossene. Die Schwarzweißmonotypie neben dem Südportal „Einer unter Euch wird mich yerraten“, entstanden um 1958 — Stiftung der Erben — stammt von dem Maler Franz S. Gebhardt, Westerbuchberg. Eine Besonderheit wurde bereits 1902 entdeckt: Auf dem Dachboden (= über dem jetzigen gotischen Gewölbe, aber noch unter der ehemals romanischen Flachdecke) befinden sich weitere Wandgemälde, u. a. eine in gotischen Minuskeln in magischem Quadrat geschriebene Sator-Formel als Vexierrätsel:

„SATOR AREPO TENET OPERA ROTAS“

— das Ganze in 25 Rechtecken zu lesen (nach Ludwig Diehl) „wie der Ochse beim Pflügen“, d. h. man kann von allen Seiten aus beginnen, von oben und unten, von vorn und rückwärts: Immer entsteht die vollständige magische Formel „sator opera tenet“ und ergibt übersetzt den Sinn: „Der große Sämann (Gott) hält die Werke (Schöpfung) in seiner Hand". Eine Zauberformel, die sogar in den sakralen Raum Eingang fand im Sinne des „Besprechens“ und Gesundbetens?

1995 bekam die Kirche eine neue Orgel, die durch eine großzügige Spende der Familie Dr. Ing. und Dr. phil. E. W. Ruckdeschel und aus Eigenmitteln der Pfarrei für den Einbau finanziert werden konnte. Die Orgel ist ein Werk des Orgelbauers Dieter Schingnitz, Iffeldorf.


Außenansicht der Filialkirche St. Leonhard AlmauFilialkirche St. Leonhard Almau

Baubeschreibung. 929 erstmals urkundlich erwähnt, besitzt die neben einem Bauernhof gelegene kleine Kirche in den Chormauern ebenfalls noch romanische Bausubstanz. Auffallend sind im Altarraum die tiefliegenden gotischen Apostelkreuze und beiderseits rundbogigen Mauernischen, d. h., das ursprüngliche Bodenniveau wurde später beträchtlich erhöht. Um 1500 wurde der Altarraum mit Langhaus- und Sakristeianbau erweitert. Im 17. Jh. fand die Barockisierung statt (neue Decken, Fensterveränderung, Westempore und Errichtung eines Dachreiters). 1764 erhielt (nach Peter von Bomhard) das Kirchlein durch Franz Xaver Tiefenbrunner aus Trautersdorf eine Freskierung mit Darstellung des Kirchenpatrons (Chor Nord außen und Chor innen). Von Tiefenbrunner (1736/79) stammen auch die Deckengemälde in Thalkirchen bei Hirnsberg, St. Florian und St. Salvator bei Prien.

Deckengemälde von Franz Xaver TiefenbrunnerDer Neurenaissancealtar stammt von Paul Horchler, Burghausen um 1879, mit den zeitgleichen Skulpturen hl. Leonhard bzw. hll. Florian und Johannes von Nepomuk.

Im Langhaus ein Kruzifix, 2. Hälfte 17. Jh. Von der seit der Barockzeit beliebten Wallfahrt zum Viehpatron Leonhard zeugt noch eine Reihe von Votivtafeln. Jährlich findet Anfang November ein Leonhardiritt zu Ehren des hl. Leonhard statt.

Im Dachreiter zwei Glocken, die größere mit einer unvollständigen Jahreszahl „MLVI“, die deshalb nicht auf 1056 gedeutet werden darf, schon deswegen, weil sich in Deutschland vor dem 12. Jh. keine Kirchenglocken erhalten haben und wegen der Inschrift „Gotes bort pleybt ebyg“ (= Gottes Wort bleibt ewig) vom Schriftzug auf 1656 zu verlegen ist. Die kleinere stammt vom Münchner Glockengießer Wolfgang Stöger, 1578, — wobei auffällt, dass wir die Herkunft des Meisters nicht kennen, der damalige Mandlbauernhof (jetzt Stegen 2) aber einen Besitzer Wolf Stöger aufweist! Die Almauer Kirche wurde 1975 und 1994 restauriert.


Wegkapelle am Seerosenweg in Feldwies

Typische Wegkapelle, wie sie häufig in Altbayern anzutreffen ist. Aus einem persönlichen Vermächtnis oder zum frommen Gedenken an Verunglückte oder Verstorbene wurden solche Kapellen errichtet. Diese Kapelle weist einige Martert auf, die an tödlich Verunglückte des benachbarten Hofes erinnern sollen und um ein Gebetsgedenken bitten.


Nikolauskapelle am Ufer der Feldwieser Halbinsel

Am Ostufer der Feldwieser Halbinsel, die Einheimischen nennen sie den "Gamer Zipf", steht die malerische Nikolauskapelle, die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts anstelle einer alten Holzkapelle erbaut wurde. Die Kapelle wurde aus Dankbarkeit für die glückliche Errettung aus Seenot gestiftet und aus dem gleichen Grund in jüngster Zeit erneuert. Zwei Votivtafeln berichten hierüber. Die große Holzskulptur, den hl. Nikolaus darstellend, befand sich einmal in der früheren Pfarrkirche von Übersee.


 

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Stand: 26. September 2002