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Historisches

Vergolder und Faßmaler Jakob Irrgang in ganz Deutschland gefragt -
Besuch in der kleinen Werkstätte in Weisham bei Bernau a. Chiemsee

Irrgang Jakob„Den Beruf eines Vergolders gibt es zwar nicht wie Sand am Meer, er ist aber auch nicht aussterbend“! - mit dieser Information weist der junge Jakob Irrgang aus Weisham (Gemeinde Bernau) darauf hin, dass sein Berufsbild als Vergolder und Faßmaler zwar rar aber nicht bedroht ist. Der Gestalter im Handwerk hat sich nach seiner Erstausbildung als Maler eine Zweitausbildung als Vergolder zuteil werden lassen. Den privaten und interessierten Studien der Beim Vergolden Kunstgeschichte, folgte ein dreijähriger Lehrberuf als Vergolder bei der Firma Stein in Inzell (Kirchenmalerbetrieb). Der Gesellen- und Zivildienstleistenden-Zeit schloss sich dann die Meisterprüfung in München an. Zeitgleich „machte“ er noch den „Gestalter im Handwerk“ bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Seit 1996 ist Jakob Irrgang selbstständiger Vergolder-Meister in Weisham. Vor zwei Jahren hat er sich noch die Qualifikation „Restaurator im Handwerk“ angeeignet. In der Meisterschule München für Vergolder und Kirchenmaler, der einzigen Schule dieser Art im deutsch-österreichisch-schweizerischen Alpenraum gibt Jakob Irrgang nun in Teilzeit auch noch Unterricht.

Werkstatt-Besuch

JerusalemBeim Besuch des „beruflichen Künstlers“ in der einfachen Werkstatt in Weisham kann man zusehen wie der Vergolder das kostbare Arbeitsmaterial verwendet. Blattgold mit einer Dicke von zwölf-tausendstel Millimetern, das bei Betrachtung gegen das Licht sogar durchschaut werden kann, verwendet er für die momentane Restaurierung der alten Orgel aus der Priener Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“. Diese Orgel wurde 1938/39 erbaut und 1994 abgebaut um einer neuen Orgel Platz zu machen.

Die alte Orgel hat jetzt in Rimsting-Otterkring einen neuen privaten Platz und eine neue Funktion gefunden. Es werden momentan die Holzteile und Ornamente dieser Orgel restauriert. Dieser Arbeitsvorgang hat mehrere Schritte. Zuerst wird das Holz mit einer Farbe aus Hautleim und Kreide bearbeitet, dann wird es glatt geschliffen, es folgen drei sogenannte Poliment-Aufträge und zwar zweimal in Gelb und einmal in Rot.  Alsdann wird  die Oberfläche angefeuchtet, das Blattgold aufgelegt und wenn das Gold getrocknet ist, beginnt das Polieren. Diese Arbeit wird mit dem Halbedelstein Achat vorgenommen. Die letzten Arbeitsvorgänge sind die Tönung mit Glutinleim und das Einstimmen zum alten Goldton.

Von Flensburg bis zum Chiemsee

Abschluß-ArbeitenSo nah wie derzeit die Arbeit der alten Priener Orgel in Rimsting ist es für Jakob Irrgang nicht immer, wenn es gilt, seinen Aufträgen von Kirche, Kommune oder privater Seite nachzukommen. Mehrmals seit 1995 fährt der Künstler zur Evangelischen Lutherischen Kirche St. Nikolai nach Flensburg. Dort gilt es, am größten Renaissance-Orgel-Prospekt Norddeutschlands die alte Farbgebung  zu rekonstruieren. Dies ist eine extreme Herausforderung im Auftrag des Orgelbauvereines St. Nikolai. Der Auftrag wird gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium sowie vom Land Schleswig Holstein und er kam zustande, weil Jakob Irrgang mit dem Orgelbauer Gerold Wöhl, der auch die neue Priener Orgel gebaut hatte,  ihn nach Flensburg holte. Mit Gerold Wöhl ist Irrgang auch zusammen in Leipzig bei der Bachorgel in der St. Thomas Kirche tätig. Zu den interessantesten Aufträgen für Irrgang zählte zusammen mit seinem Kollegen Hans Kellner aus München die Dach-Renovierung des „Maria Magdalenen Klosters“ auf dem Ölberg bei Jerusalem. Insgesamt war Irrgang innerhalb einer Arbeitsgemeinschaft vier Wochen dort beschäftigt. „Nur“ die Aussen-Rekonstruktion der Kuppel, die zum Teil ganz neu und teilweise renoviert werden musste, galt es zu machen. „Diese Arbeit war zum Teil furchtbar, weil sie zum einen eintönig und doch hoch konzentriert erfolgen musste. Man musste aufpassen, dass einem das Gold nicht davonfliegt“ - so Jakob Irrgang, der sich über jeden neuen Auftrag als persönliche Herausforderung freut. . Derzeit ist er daran, in Hamburg einen Auftrag zu erhalten. Dort soll in der Katharinenkirche der Barockorgel-Prospekt rekonstruiert werden.

Grundausstattung eines Vergolders

Orgel-ArbeitenZur Grundausstattung des Vergolders und Faßmalers gehört ein Kocher mit Wassertopf zur Erwärmung der Farben, verschiedene weichere und härtere Pinsel ein Vergolder-Kissen, ein Vergolder-Messer, verschiedene Pinsel, Achatsteine zum Polieren und weitere kleinere Utensilien. Das Berufsbild des Vergolders kann nach Auskunft von Jakob Irrgang in einen Rahmenvergolder und in einen Faßmaler unterteilt werden. Die Bezeichnung des Faßmalers (in Österreich Staffierer) bezieht sich auf das Einfassen von Gegenständen. Zwischen den verschiedenen Groß-Projekten in den Kirchen Deutschlands gefällt ihm in der kleinen Weishamer Werkstatt vor allem das Restaurieren alter, edler und kostbarer Gegenstände. Vielfach kommen diese aus dem bäuerlichen, religiösen und kirchlichen Bereich.

Text/Foto: Toni Hötzelsperger

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