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Historisches

 Das Feldkreuz und die Prinzessin
Marterl, Feldkreuze und Gedenksteine sind vielfach im Chiemgau vorhandene Geschichts-Zeugnisse

Aschau (hö) 27.07.02 – Marterl, Feldkreuze und Gedenksteine sind vielfach im Chiemgau vorhandene Geschichts-Zeugnisse am Wegesrand. Oft stellen die kleinen Kulturdenkmäler eine eigene Geschichte dar. Ein Beispiel davon gibt in der Gemeinde Aschau i. Chiemgau das Feldkreuz im hoch gelegenen Gemeindeteil Gschwendt. Wolfgang Bude als Zweiter Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Aschau und als Leiter der örtlichen Tourist-Information hat sich der Geschichte des Feldkreuzes angenommen und diese im jüngst herausgegebenen Quellenband „Erzählungen“ dargestellt. Wolfgang Bude schreibt in seinem Beitrag zur Aschauer Chronik:

Das „Hausern-Wetterkreuz“ in Hintergschwendt. Aufgestellt am 30. Mai 1995; eingeweiht am 8. Oktober des gleichen Jahres.„Die am 7. November 1919 in München ausbrechende Revolution setzte der Ära der bayerischen Monarchie ein jähes Ende. Die königliche Familie musste bei Nacht und Nebel die Residenzstadt verlassen und wählte das einsam gelegene Wildenwart im Chiemgau als ersten Zufluchtsort. Die Töchter König Ludwig III., die Prinzessinnen Gundelinde, Wiltrud und Hildegard, sollten nicht im Schloss bleiben, sondern ein Versteck bekommen, in dem sie vor Nachstellungen der Kommunisten und Spartakisten sicher sein konnten. Der landwirtschaftliche Verwalter Klampfleitner empfahl deshalb, die Töchter bei seinen Verwandten, der Hausernfamilie im abgelegenen Hochtal von Hintergschwendt bei Aschau unterzubringen. Noch am späten Abend des 8. November flüchteten die Prinzessinnen zu Fuß auf Feldwegen übers Abendmahl zum Gschwendt hinauf. Gegen 22 Uhr erreichten die Flüchtlinge, begleitet von Klampfleitner, die Bauernhäuser und klopften beim Hausern. Die Hausernmutter erschrak, als sie hörte, dass sie plötzlich und unvorbereitet so hohen Besuch aufnehmen sollte. Sie hatte lediglich ein Bett frei und zudem noch russische Kriegsgefangene als Knechte im Haus. Sie bat die späten Gäste, doch nebenan beim Wirt vorzusprechen. Der habe Fremdenzimmer und könne sie sicher besser unterbringen. So war es denn auch.

Bereits am nächsten Tag besuchte Prinzessin Wiltrud das nahegelegene, fast vier Meter hohe Hausern-Wetterkreuz, das schon damals neben dem Feldweg nach Vordergschwendt in der Wiese stand. Dieser Ort schien es ihr angetan zu haben, denn von ihr stammt die unter dem Kreuz angebrachte Gedenktafel.

Die Prinzessinnen trugen auf ihrer Flucht nach Gschwendt einfache Kleidung, die sie sich von Frau Klampfleitner in Wildenwart ausgeliehen hatten. Um nicht aufzufallen, verrichteten sie die täglich am Hof anfallenden Arbeiten. Unter anderem versuchten sie sich auch im "Dax'n-hacken", wie die Hausernmutter zu erzählen wusste. Das hätten sie lieber nicht tun sollen, denn jeder Vorbeikommende sah auf den ersten Blick, dass diese Frauen weder in die Bauerngewänder passten, noch sich jemals zuvor in ihrem Leben mit "Dax'n-Hacken" beschäftigt hatten. Die Wernberger-Mutter meinte dazu, die Königstöchter hätten sich lieber als Touristen verkleiden sollen, dann wären sie weniger aufgefallen, als wenn sie versuchten zu arbeiten. Als am 18. November 1919 König Ludwig III. wieder nach Wildenwart zurückkehrte, ging auch für die drei Prinzessinnen die Zeit ihres "Exils" in Hintergschwendt zu Ende.

Für die Bewohner des Aschauer Weilers Hintergschwendt unter Führung von Sepp Aiblinger war es ein Anliegen, das alte Feldkreuz, das seit einigen Jahrzehnten verschwunden war, zum 150. Geburtstag des letzten Bayerischen Königs im Jahr 1995 wieder aufzurichten. Mit Unterstützung des Heimat- und Geschichtsvereins ist dies inzwischen geschehen. Dekan Josef Winkler von Aschau segnete das Kreuz bei strahlendem Herbstwetter im Beisein der Gschwendter im Rahmen einer kleinen Feier.“

Soweit die Ausführungen von Wolfgang Bude. Der Quellenband mit der Feldkreuz-Geschichte sowie mit vielen weiteren Erzählungen und Vereins-Informationen aus dem Priental gibt es in der Tourist-Info in Aschau i. Chiemgau, Telefon 08052-904937.

Repro: Hötzelsperger

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