Historisches
Das
Feldkreuz und die Prinzessin
Marterl,
Feldkreuze und Gedenksteine sind vielfach im Chiemgau vorhandene
Geschichts-Zeugnisse
Aschau
(hö) 27.07.02 – Marterl, Feldkreuze und Gedenksteine sind vielfach im
Chiemgau vorhandene Geschichts-Zeugnisse am Wegesrand. Oft stellen die kleinen
Kulturdenkmäler eine eigene Geschichte dar. Ein Beispiel davon gibt in der
Gemeinde Aschau i. Chiemgau das Feldkreuz im hoch gelegenen Gemeindeteil
Gschwendt. Wolfgang Bude als Zweiter Vorsitzender des Heimat- und
Geschichtsvereins Aschau und als Leiter der örtlichen Tourist-Information hat
sich der Geschichte des Feldkreuzes angenommen und diese im jüngst
herausgegebenen Quellenband „Erzählungen“ dargestellt. Wolfgang Bude
schreibt in seinem Beitrag zur Aschauer Chronik:
„Die
am 7. November 1919 in München ausbrechende Revolution setzte der Ära der
bayerischen Monarchie ein jähes Ende. Die königliche Familie musste bei Nacht
und Nebel die Residenzstadt verlassen und wählte das einsam gelegene Wildenwart
im Chiemgau als ersten Zufluchtsort. Die Töchter König Ludwig III., die
Prinzessinnen Gundelinde, Wiltrud und Hildegard, sollten nicht im Schloss
bleiben, sondern ein Versteck bekommen, in dem sie vor Nachstellungen der
Kommunisten und Spartakisten sicher sein konnten. Der landwirtschaftliche
Verwalter Klampfleitner empfahl deshalb, die Töchter bei seinen Verwandten, der
Hausernfamilie im abgelegenen Hochtal von Hintergschwendt bei Aschau
unterzubringen. Noch am späten Abend des 8. November flüchteten die
Prinzessinnen zu Fuß auf Feldwegen übers Abendmahl zum Gschwendt hinauf. Gegen
22 Uhr erreichten die Flüchtlinge, begleitet von Klampfleitner, die Bauernhäuser
und klopften beim Hausern. Die Hausernmutter erschrak, als sie hörte, dass sie
plötzlich und unvorbereitet so hohen Besuch aufnehmen sollte. Sie hatte
lediglich ein Bett frei und zudem noch russische Kriegsgefangene als Knechte im
Haus. Sie bat die späten Gäste, doch nebenan beim Wirt vorzusprechen. Der habe
Fremdenzimmer und könne sie sicher besser unterbringen. So war es denn auch.
Bereits
am nächsten Tag besuchte Prinzessin Wiltrud das nahegelegene, fast vier Meter
hohe Hausern-Wetterkreuz, das schon damals neben dem Feldweg nach
Vordergschwendt in der Wiese stand. Dieser Ort schien es ihr angetan zu haben,
denn von ihr stammt die unter dem Kreuz angebrachte Gedenktafel.
Die Prinzessinnen trugen auf ihrer Flucht nach Gschwendt einfache
Kleidung, die sie sich von Frau Klampfleitner in Wildenwart ausgeliehen hatten.
Um nicht aufzufallen, verrichteten sie die täglich am Hof anfallenden Arbeiten.
Unter anderem versuchten sie sich auch im "Dax'n-hacken", wie die
Hausernmutter zu erzählen wusste. Das hätten sie lieber nicht tun sollen, denn
jeder Vorbeikommende sah auf den ersten Blick, dass diese Frauen weder in die
Bauerngewänder passten, noch sich jemals zuvor in ihrem Leben mit "Dax'n-Hacken"
beschäftigt hatten. Die Wernberger-Mutter meinte dazu, die Königstöchter hätten
sich lieber als Touristen verkleiden sollen, dann wären sie weniger
aufgefallen, als wenn sie versuchten zu arbeiten. Als am 18. November 1919 König
Ludwig III. wieder nach Wildenwart zurückkehrte, ging auch für die drei
Prinzessinnen die Zeit ihres "Exils" in Hintergschwendt zu Ende.
Für
die Bewohner des Aschauer Weilers Hintergschwendt unter Führung von Sepp
Aiblinger war es ein Anliegen, das alte Feldkreuz, das seit einigen Jahrzehnten
verschwunden war, zum 150. Geburtstag des letzten Bayerischen Königs im Jahr
1995 wieder aufzurichten. Mit Unterstützung des Heimat- und Geschichtsvereins
ist dies inzwischen geschehen. Dekan Josef Winkler von Aschau segnete das Kreuz
bei strahlendem Herbstwetter im Beisein der Gschwendter im Rahmen einer kleinen
Feier.“
Soweit
die Ausführungen von Wolfgang Bude. Der Quellenband mit der
Feldkreuz-Geschichte sowie mit vielen weiteren Erzählungen und
Vereins-Informationen aus dem Priental gibt es in der Tourist-Info in Aschau i.
Chiemgau, Telefon 08052-904937.
Repro: Hötzelsperger