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Historisches

Das Geheimnis von "hot" und "hüst"
Sattler Isidor Pfisterer aus Bernau fertigt auch komplette Pferdegeschirre

Der Sattler aus Bernau mit einem fertigten Pferdegeschirren.Bernau - Eine kleine, aufgeräumte und somit fast wohnlich wirkende Werkstatt genügt dem Bernauer Isidor Pfisterer, um in seinem Rentnerdasein hobbymäßig weiter seinen ehemaligen Sattlerberuf zu pflegen. Zu stark ist die Verbundenheit zu den Rössern und Rosserern, um sich nach der Pensionierung für immer von dieser Tätigkeit zu verabschieden.

Isidor Pfisterer kommt aus der Landwirtschaft, und diese bäuerliche Abstammung kann er auch gut für seinen Umgang mit den Pferden brauchen. Bereits vor Kriegsende begann Pfisterer mit 14 Jahren bei Dominikus Mittermaier in Marquartstein eine Sattlerlehre. 1948 schaffte er mit einem guten Abschluss den Gesellenbrief und begann mühsam und fleißig, das tägliche Brot zu verdienen. Pro Woche gab es 25 Mark in der Zeit nach der Währungsreform. Dabei musste aber täglich von 7 bis 18 Uhr und sogar samstags noch bis 15 Uhr gearbeitet werden. Urlaub zu bekommen war sehr schwierig und nur dann möglich, wenn in der heimischen Landwirtschaft die Unterstützung ganz besonders dringend war.

Ein Glockenriemen von Isidor Pfisterer.Veränderungen in der Wirtschaft ergaben Mitte der 50er Jahre, dass sich Isidor Pfisterer als Sattler verabschiedete und 15 Jahre lang bei den Körting­Werken in Grassau und anschließend bei der Autobahnmeisterei arbeitete.

Als Sattler hatte er gelernt, mit bestimmten Werkzeugen umzugehen. Diese zeigt er heute noch in seiner Werkstätte gerne her. Mit einem Nähbock, den man zwischen die Füße stellt, ist man viele Jahre lang auf die so genannte Stör gegangen, um von Haus zu Haus und von Hof zu Hof die gewünschten Arbeiten zu verrichten.

Aus der guten alten Anfangszeit stammt auch noch eine alte Sattler-Nähmaschine der Firma „Pfaff“, die eine eigene Nadel für die Lederbearbeitung hat. Weitere Werkzeuge für einen Sattler sind ein Ledermesser, ein Federkiel zum Aussticken, ein spezielles Sattlermesser (eineinhalb und eineinviertel Mond), verschiedene Ahlen eine Schneidemaschine sowie weiteres Werkzeug zum Spitzen und Spalten des Leders.

Grundlage des Materials ist die Haut des Rindes. Das Rindsleder mit einer Stärke von fünf bis sechs Millimetern wird zum Beispiel für Glockenriemen gegerbt.,, Die Haut selbst ist nicht so teuer, aber das Gerben“, bilanziert der Sattler. Eine Herausforderung ist es, Pferdegespanne komplett einzuschirren.
Zwei neue Geschirre für Rösser kosten nicht wenig. Aufwändiger als ein Arbeitsgeschirr ist ein Festgeschirr.

- Isidor Pfisterer bekommt mit Bartholomäus Mayer von Roßholzen (Gemeinde Samerberg) BesuchDie so genannten Kummets mit Zierhalftern (Kopfgestell), Schwungriemen und zwei Überwürfen und Schweifriemen verlangen eine individuelle, geduldige und geschickte Handarbeit.

Zu den Produkten eines Sattlers gehören auch die Zügel.,, früher hatte man zum Arbeitseinsatz nur einen Zügel, weil man mit der anderen, zweiten Hand den Pflug zu führen hatte. Besser leiten beziehungsweise führen lassen sich die Rösser natürlich mit einem Doppelzügel. Für den Waldeinsatz mit einer Hand gibt es auch den so genannten Stoßzügel.

Das Handhaben der Zügel ist eng verbunden mit der Ansprache der Pferde mit „hot“ (da wissen sie, dass sie links zu gehen haben) und mit hüst“ (rechts).

Ein wichtiger Bestandteil des Pferdegeschirrs sind auch die Messingbeschläge oder Kummets, die mit Leder ausgeputzt sind und als weitere Materialien Leinen und Rosshaare haben.

Text und Fotos: Anton Hötzelsperger

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