Historisches
Bei Trachtenschneider Hans Fischer aus
Greimharting geht es auch mit 78 Jahren noch um Knopf und Kragen
Besuch beim Greimhartinger Trachtenschneider Hans Fischer
Greimharting (hö) - „Maßschneider werden immer
weniger und das Verdienst darf nicht im Vordergrund stehen!“ - diese
beiden ganz und gar nicht zusammenpassenden Erkenntnisse kann man einem
Informationsbesuch bei Trachtenschneider Hans Fischer in Greimharting
(Gemeinde Rimsting) abgewinnen. Kein großes Geschäft oder gar Reklame
machen auf den handwerklichen Könner aufmerksam. Der altersbedingte
Ruhestand und erst recht das junge Witwer-Dasein nach dem Tod seiner
privat wie beruflich nahestehenden Gattin haben den Hans aber auch nicht
dazu veranlasst, Nadel und Faden aus der Hand zu legen. „Schneider ist
man mit Leib und Seele, aber auch mit Berufung und Verantwortung“ -
damit meint Hans Fischer, dass er nur noch nach altem Stil, in privater
Entscheidung und ohne Blick auf wirtschaftliche Bilanzen oder gar auf
modische Trends aktiv bleibt.
50 Jahre bereits selbstständig und
doch kein Meister
Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg, der ihm aufgrund einer Handverletzung zum Schneiderberuf „verhalf“, begann für Hans Fischer der Weg zu einem beständigen Handwerk. 1948 trat er in die verkürzte Lehre bei der Firma Hibler in Prien ein. Als Prüfungsbester von 25 Lehrlingen war Fischer als „alter“ 23-jähriger ein Natur-Talent. So traute er sich auch gleich die Selbstständigkeit zu, die heuer das 50jährige Bestehen feiern kann. „Ausgelernt nach der Währungsreform, das war wahrlich kein Honiglecken“ - so erinnert sich der Schneider an Zeiten, die wenig Arbeit und damit auch wenig Brot brachten. Das Recht der Besatzungs-Amerikaner, nachdem man ohne Meisterbrief einen eigenen Betrieb aufmachen konnte, kam Fischer dann sehr entgegen. Außerdem profitierte er von zunehmend wirtschaftlichen Aufstiegen und somit vermehrt möglichen Bestellungen für das Äußere.
Kleider ändern Zeiten
Auch wenn es mit der Zeit und mit der
Wirtschaft aufwärts ging: das Handwerk des Schneiders musste leiden. Denn
Veränderungen in Technik und (Versand)-Handel brachten unter anderem
Massen-Geschmack und billige Konfektionen, so dass die vielen Schneider, die
sich auf den Berufsweg gemacht hatten, ein schweres Dasein fristen mussten.
„Einige Jahre haben meine Frau und ich „alles“ gemacht, nur damit wir
Arbeit hatten“ - so Hans Fischer bei seiner Erinnerung. Aber schon bald
konnte er sich wieder verstärkt und heute kann er sich sogar ausschließlich
der „richtigen“ Trachtenschneiderei widmen. Fischer, der selbst nicht
nur Trachtler ist, sondern auch 34 Jahre als Schriftführer von
Anbeginn des 1957 gegründeten Trachtenvereins „Ratzingerhöhe“
Greimharting war, weiß heute wohl zu unterscheiden. „Eine jede Joppe von
mir kann ich auf den Chiemgauer Trachtenfesten erkennen!“ - damit und mit
der Bemerkung, dass bei einem Greimhartinger Jahrtag rund 95 Prozent der Männer
„seine“ Joppe tragen, verspürt man Stolz. Überhaupt freut sich Hans
Fischer, dass die Leute von heute wieder mehr Wert auf Trachten- und
Stoff-Echtheit legen, wenn sie sich ein nicht billiges, aber fest-tägliches
Gewand anschaffen. Gut und gerne erinnert sich der Schneider noch an das
100jährige Markt-Jubiläum in Prien als er bei der damaligen und viel
beachteten Trachtenausstellung im Kleinen Kursaal sein Handwerk vorstellte.
„Da verdienst Du ja nichts mehr, wenn Du alle Taschen und Ecken mit der
Hand stickst!“ - dies war einer der kritischen und zugleich respektvollen
Kollegen-Aussprüche bei der genannten Ausstellung in Prien. „Aber um
Verdienst alleine war und ist mir nicht. Vielmehr möchte ich noch dazu
beitragen, dass altes Handwerk, trachtlerische Gewandung und individueller
Anzug zusammenpassen“ sagt der Fischer angesichts der versteckten Kritik.
Maschinentreue seit 50 Jahren
Das Rüst- und Werkzeug von Hans Fischer ist nicht überwältigend. Ein Schneider braucht Nadel, Faden, Schere und ein gutes Auge. Das treueste Werkzeug von Hans Fischer ist eine Pfaff-Nähmaschine, die seit 1950 ihren Dienst tut. „Wenn´s not tut, dann wechsle ich die verschieden starken Nadeln aus, ansonsten passt es sowieso“ - sagt der Schneider bei seinem Loblied auf die alte Nähmaschine. Auf die Frage nach besonderen Fertigkeiten zeigt er einige in Arbeit befindliche Leibl, Joppen und Anzüge her. „Ein gutes Futter und das Trachtenstück kann sich bei normaler Pflege 25 bis 30 Jahre sehen lassen!“ - so der 78jährige, der zwar ein bisschen fiebert, aber ansonsten auch noch ohne Brille die feine Arbeit verrichten kann. Schwierig ist zuweilen die Stoffbeschaffung. Das farbenmäßig passende Tuch oder der Stoff, der den Traditionen und Generationen gerecht wird, werden immer rarer. Nur kontinuierliche Kontakte zum Zwischenhandel und Trachtenstoffgeschäften ermöglichen es, dass die persönlichen Wünsche der Kundschaften immer noch erfüllt werden konnten. Auch wenn er ans Aufhören -allein schon wegen „seiner“ Greimhartinger Trachtler- nicht denkt, will er seine Arbeit in Ruhe und ausschließlich hobbymäßig machen
Anton Hötzelsperger