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Im Chiemgau gesehen

Besuch beim Schnaps-Brenner, Bauern und Blasmusikanten Sepp Obermüller in Dirnsberg auf der Ratzinger Höhe
Der Austragsbauer vom „Fritz’n“-Anwesen in Dirnsberg auf der Ratzinger Höhe, ist kein gewöhnlicher Landwirt

Prien/Dirnsberg (hö) 19.04.03 – Josef Obermüller, Austragsbauer vom „Fritz’n“-Anwesen in Dirnsberg auf der Ratzinger Höhe, ist kein gewöhnlicher Landwirt. Als Schnapsbrenner und Blasmusikant verkörpert er in gewisser Weise den guten bayerischen Dreiklang von Bauernarbeit, Blasmusik und Brennerei-Erzeugnissen. Bei einem Besuch während der heurigen Brenntage am Hof mit außergewöhnlich herrlichem Chiemsee- und Bergblick erzählt Sepp Obermüller von seiner Freude mit der Schnapsbrennerei.

Seit vor nunmehr genau 50 Jahren ist Sepp Obermüller auf dem Hof in Dirnsberg. Das Brennrecht kaufte er sich 1967 von einem Inntaler in Abstimmung mit dem Zollamt. Das Recht umfasst 300 Liter Weingeist im Jahr auf eigenem Namen, was bislang unverändert geblieben ist. Ehe Sepp Obermüller das Brennrecht erwarb, hatte er allerdings schon von seinem heimischen Bauernhof in Leiten in der Gemeinde Prien eine gute Schnapsbrennerei-Erfahrung mitgebracht. Auf dem „Hansl“-Hof in Leiten ist das Schnapsbrennen schon vor dem Krieg zuhause gewesen. Wichtig ist Sepp Obermüller, dass immer Obst aus der Umgebung, vom eigenen Obstgarten und von treuen Bauern als Obstlieferanten zur Verwendung kommt.

Der erste Arbeitsgang im Herbst ist dann nach der Ernte das Mahlen des Obstes, ehe es in Gärgefäße kommt und dort zwei Monate gärt. Die Hauptsorten sind Äpfel, Birnen und Zwetschgen für einen Obstbrand. Außerdem gibt es noch vielerlei Zusatzkräuter (und Geheimnisse) für spezielle Liköre. Die Maische, wie das gemahlene Obst nach der Gärung heißt, wird noch weiterverarbeitet. Ehe es allerdings zum richtigen Schnapsbrennen kommt, gilt es, dem Zollamt die aktuellen Bestandsdaten zu vermelden und bestimmte Brenntage zu vereinbaren. Vor etlichen Jahren schuf sich Sepp Obermüller einen neuen Kessel mit der sogenannten Brennblase an. Darin werden die Maische-Mengen auf 75 Grad Celsius erhitzt, so dass es den ersten Alkoholdampf gibt. Der absteigende Dampf wird im Kühler destilliert und er kommt als Alkohol heraus. Damit ist der erste Schritt des Rohbrandes getan. Der zweite Abschnitt verläuft im gleichen Verfahren und ist dann der sogenannte Feinschnaps, der als hochprozentiger fertiger Schnaps verfügbar ist. Um ihn trinkbar und ertragbar zu machen, wird der Feinbrand mit destilliertem Wasser verschnitten. Alsdann gilt es, eine Lagerzeit von einem halben bis zu einem Jahr einzuhalten, ehe es zur Abfüllung kommt. „Nicht alle Jahre haben wir einen guten Ertrag. 2002 war es eher recht rar“ – so Sepp Obermüller, für den ein gutes Schnapsjahr mit der Herbstsonne des Vorjahres beginnt. Für den fertigen Schnaps hat er natürlich in erster Linie gute Stammkunden. Neue Kunden gewinnt Sepp Obermüller auch von Spaziergängern, die sich in großer Zahl im Wandergebiet der Ratzinger Höhe bewegen und vor seinem Haus den schönen Ausstellungskasten bewundern.

Das Schnapsbrennen ist das eine Hobby des seit sechs Jahren im Austrag befindlichen Bauern Sepp Obermüller. Sein zweites Hobby ist die Blasmusik. Auch wenn er sich heuer offiziell in den „Musikanten-Ruhestand“ innerhalb der Blaskapelle Prien nach 45 Jahren verabschieden ließ, so lässt er sich immer wieder gerne aktiv bei verschiedenen Veranstaltungen hören und er bleibt ein Freund der Blasmusik auch als Zuhörer. Gerne geht er mit der Blaskapelle Prien auf Reisen, so heuer bei der „Grünen Woche“ in Berlin und im Oktober vergangenen Jahres nahm er sogar die Strapazen einer überaus interessanten China-Reise in Kauf. „Alles zu seiner Zeit; die bäuerliche Arbeit im Austrag in Abstimmung mit der Familie ist während des ganzen Jahres seine Aufgabenstellung, das Schnapsbrennen ist im Frühjahr ein Schwerpunkt und die Blasmusik ist dazwischen immer wieder gerne gefragt“ – so Sepp Obermüller, der somit in sich einen sympathischen Dreiklang darstellt.

Foto: Hötzelsperger

  1. Sepp Obermüller beim Schnapsbrennen im Frühjahr diesen Jahres in Dirnsberg
  2. Sepp Obermüller mit der Blaskapelle Prien in Peking (vorne mitte)
  3.  

Evtl. Kontakt: Sepp Obermüller, Tel. 08051-2857

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Stand: 26. September 2002