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Im Chiemgau gesehen

Zwischen Aschau-Hammerbach und Aschau-Bach gibt es vielerlei Geschichten zum Ketten-Weg und zur dortigen Felsen-Kapelle
Auch Plünderer und Diebe kamen diesen Weg

Die Kette, die heute noch sichtbar istAschau (hö) 06.06.02 -  Die Gemeinde Aschau als flächengrößte aller 46 Gemeinden des Landkreises Rosenheim hat eine Fülle an reizvollen Wander- und Radwegen zu bieten. Einer der wohl geschichtsträchtigsten Wege ist jener von Hammerbach in Hohenaschau hinüber zum Ortsteil Bach. „Über die Kette“ – so lautet die Bezeichnung des Weges. An einem Punkt des Weges, an dem der Hang zur Prien hinab besonders steil ist und recht abenteuerlich wirkt, befindet sich eine Kapelle, die vielerlei Geschichten erzählen könnte.

Der Weg über die Kette war die erste Fahrstraße durch das Priental. Im 18./19. Jahrhundert war sie ausschließlich den Erzfuhrwerken vorbehalten, für alle anderen Fuhrwerke war die Straße mit einer Kette gesperrt. An der höchsten Stelle, dem Platz der Kapelle, soll nach Überlieferungen einmal ein Fuhrmann mit seinem Wagen und mit sechs Rössern vom Weg abgekommen sein und in die Tiefe gestürzt sein. Eine weitere Geschichte erzählt von einem unredlichen Hammermeister, der in einer kleinen Höhle links neben der „Ketten-Kapelle“ einmal Erz versteckt haben soll. Als er das Erz wieder herausholen wollte, kam aus der Höhle ein großer, schwarzer Hund mit feurig glühenden Augen heraus. Dieser Hund soll noch heute zu mitternächtlicher Stunde herumspuken. Obgleich der Hund bislang noch von Niemand real gesehen oder gar fotografiert werden konnte, glauben tun die Sache mit dem Hund in der Nacht dennoch viele ...! 

 Die Felsenkapelle mit RastplatzNeu-Errichtung im Jahr 1913 und Andachtsfreuden im Mai
Die Kapelle hat schon eine lange Vorgeschichte. Die erste Felsennische mit einem Heiligen Christopherus soll ein Hammermeister errichtet haben. Im Jahr 1913 wurde die Kapelle grundlegend erneuert. Ihr zeitgemäßer Sinn sollte fortan dem Schutz der täglich des Weges kommenden Schulkinder dienen und dann noch jenen Leuten, die den idyllischen Platz zur stillen Einkehr aufsuchten. Weil die Betenden immer mehr wurden, kam es schließlich gegenüber der Kapelle zu einem kleinen Rastplatz für die Vorüberwandernden. Noch heute gehen viele Aschauer mit ihren Anliegen zur Kapelle und geben auch großzügig ihren Obulus in den winzigen Opferstock am Gitter.

Eine besondere Bedeutung findet seit jeher die Ketten-Kapelle im Marien-Monat Mai. Vielen Aschauern sind noch die Maiandachten bis zum Jahr 1957 mit Schlosskaplan Monsignore Dr. Alois Röck in Erinnerung, die durch das Rauschen der nahen Prien, mit dem Gesang der reichen Vogelschar und in Verbindung mit der abendlichen Dämmerung eine außergewöhnlich passende Gebets-Atmosphäre schafften. Noch heute finden sich einmal im Jahr die Anwohner zu einer Maiandacht ein. Dabei treffen in guter Tradition die „Aschauer“ von der einen Seite und die „Bachler“ von der anderen Seite zur gemeinsamen Feier zusammen. Bürgermeister Kaspar Öttl ist dabei bis heute seinem Geburtsort Bach treu geblieben und stellt sich alle Jahre wieder auf deren Seite.

Die FelsenkapelleAuch Plünderer und Diebe kamen des Weges
Leider ist die Ketten-Kapelle in den letzten Jahren immer wieder von Plünderern heimgesucht worden. Die Kapellen-Nische wurde schon mehrmals leer vorgefunden. Die Barons-Familie von Cramer-Klett und weitere edle Spender haben bis heute dafür gesorgt, dass die Bösen letztlich nicht recht bekamen. Diese wagten sich sogar durch das Gitter an die Mutter-Gottes-Figur heran. Auch an den kleinen, schwarzen Ketten-Hund und an das reizvolle Glöcklein wagte man sich unberechtigterweise heran. Doch der Zusammenhalt der Gläubigen hat sich immer wieder gezeigt und durchgesetzt. Die letzte Mutter-Gottes-Figur wurde vor 15 Jahren von Johannes und Dieter Mielenz geschaffen und gestiftet. Betreut wird die Kapelle heute auf liebevollste Weise von der Familie Lisi und Jakob Schuster aus Bach. Die Verehrung der Kapelle hat sich bei dem „Bachler“ Erich Gawlik sogar notenmäßig niedergeschlagen. An einem Nachmittag vor einer der bereits genannten Maiandachten ließ er sich an dem idyllischen Platz vor der Kapelle inspirieren. Heraus kam dabei der „Kettenkapellen-Marsch“ für die vier Laubensteiner Bläser.

Eine der Tafeln mit InschriftenVom Baron Fiedler und Tafel-Zeugnissen
Die Geschichte der Kapelle hat im Jahr 1913 Baron Fiedler, Besitzer des Walpurgishofes in Weidachwies, zu einem umfassenden Bericht veranlasst. Als Hubert Fiedler von Isarborn und als väterlicher Freund von Schlosskaplan Dr. Alois Röck verfertigte er nach der Kapellen-Erneuerung einen interessanten  Aufsatz für die Monatszeitschrift „Bayerischer Heimatschutz“ vom Verein für Volkskunst und Volkskunde in München. Diese Unterlagen sind heute im gemeindlichen Archiv bestens aufgehoben und können dort auch eingesehen werden. Baron Fiedler trat in Aschau auch als Maler in Erscheinung, so stammt zum Beispiel das Cäcilienbild oberhalb der Orgel in der Pfarrkirche von Niederaschau von ihm. Von der Gläubigkeit der Erbauer, Pfleger und Verehrer zeugen heute noch die kleinen, aber feinen Inschriften nahe der Kapelle in eigenen Tafeln und Zeugnissen. Von Monsignore Dr. Röck stammte der Satz „Alles wird Finsternis wenn Christi Licht erloschen ist“. Über dem Gitterbogen steht geschrieben: „Gelobt seist du, Herr Jesu Christ, der du für uns gestorben bist. Dein und Marias Schutz und Segen Geleite uns auf allen Wegen“ (1865).   Rechts von der Kapelle heißt es in eine Steintafel gehauen: „Wer diese Straße vorüberzieht, Ob bei Tage – oder bei Nacht, von St. Christofer sei er treu bewacht. Und denk an seines Lebensweges letztes Ziel – Und steh in Demut eine kleine Weile still – Und bete – Zu St. Maria auf der Kette“ (November 1913 nach der Neu-Errichtung vom Besitzer des Walpurgishof).

Vor rund 70 Jahren eine Aufnahme der damaligen Maiandachten mit dem Schulkinderjahrgang 1915 bis 1922. Links die damalige Betreuerin der Kapelle Elisabeth Reiserer aus dem Kusenhaus. Foto: Rosemarie Anner – Repro: HötzelspergerIm September des Jahres 1895 ließ der unvergessene Lehrer Otto Neuert folgende Zeilen links der Kapelle anbringen: „Der böse Hammersg´sell, mit seiner schwarzen Seel´, versteckt die Diebessachen im finstern Höhlenrachen. Da springt, - Ihr seht es doch – aus dunklem Felsenloch der schwarze Kettenhund und richt den Burschen z´grund. Drum Mensch tu´ recht und sei nicht schlecht; sonst holt der Teufelshund Dich in den Höllenschlund“. Ganz so finster wie dieses Gedicht-Ende sollte man die Geschichte vom Kettenweg und der dort befindlichen Kapelle nicht betrachten. Gleichwohl man sich vielerlei Gedanken über die in den Felsen gehauene Eisenkette machen kann. War diese früher genutzt, um die nichtberechtigt Durchfahrenden zu hindern oder hat sich dort gar der mitternächtlich auftauchende Hund anlegen lassen? Letztlich sind weniger die Fragen und deren Antworten das Wichtigste, sondern vielmehr die allzeit mögliche Gelegenheit, in Gottes freier Natur in Form einer Maria geweihten Felsenkapelle schöne Eindrücke zu gewinnen. Dies zumal, weil diesseits und jenseits des Weges in Bach und in Aschau den Wanderfreunden gute Einkehrstätten winken, um den seelischen Betrachtungen auch noch wohlschmeckende Stärkungen folgen lassen zu können. Ganz im Sinne: „Wandern im Priental entlang des Kettenweges hält Leib und Seele zusammen“. Nähere Informationen zum Wanderwegenetz und zum historischen Aufsatz über die Kettenkapelle gibt es bei der Tourist-Info in Aschau, Telefon 08052-904937.

Text/Fotos: Hötzelsperger

 

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Stand: 26. September 2002