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Im Chiemgau gesehen
100
Jahre Katholischer Kindergarten Prien
Festtagsstimmung,
Sorgen um Zukunft der Mallersdorfer Schwestern und überraschende Zusage zum
vorzeitigen Sanierungsbau-Beginn
Prien
(hö) 17.05.03 – „Kinder
sollen wir gleichsam einem Uhrwerk aufziehen und laufen lassen“ – mit diesem
Vergleich beendet Pfarrer Bruno Fink eine festliche Feierstunde im Kleinen
Kursaal zum 100. Geburtstag des Katholischen Kindergartens „St. Irmengard“.
Zuvor und danach bewiesen zahlreiche Ehrengäste aus Kirche, Politik und
Gesellschaft, dass in Prien das Schicksal der Kleinsten eine großartige
Beachtung findet. „Wir sind die Kleinsten in der Gemeinde, doch ohne uns geht
gar nix!“ – dieses Schlusslied der Kindergartenkinder selbst passte dann
auch zum Tagesmotto.
Ein
schöner Maitag war den Verantwortlichen und Gästen des Festtages
geschenkt. Schon beim Einzug in die bis auf den letzten Platz besetzte
Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“ spürte man die wohl gelungenen, recht
umfassenden Vorbereitungen bei Groß und Klein. Pfarrer Bruno Fink stellte in
den Mittelpunkt des heiter-fröhlichen Jubiläumsgottesdienstes drei
Schwerpunkte. Einmal verglich er die dem Kindergarten anvertrauten Dirndl und
Buam mit einer Sonnenblume, die nur durch behutsame und achtsame Pflege richtig
wachsen kann. Zum zweiten sagte er vor allem den Schwestern und der Gemeinschaft
der Armen Franziskanerinnen von Mallersdorf für ihren 100jährigen Treue-Dienst
ein aufrichtiges „Vergelt´s Gott“. Und dann dankte der Pfarrer auch den
Eltern, die unter Verzicht auf Bequemlichkeiten und entgegen mancher
Gesellschaftsströmungen Mut zu einem Kind oder zu mehreren Kindern haben.
„Heute
ernten wir die reiche Frucht, die Ernte ist das Verdienst von vielen
Beteiligten, bleiben wir weiterhin aktiv und mutig“, in diesem Sinne entsandte
Pfarrer Fink die Kinder, Eltern, Ehrengäste und voran die Blaskapelle Prien zum
Haus des Gastes. Dort hieß er unter den Ehrengästen unter anderem von den
Mallersdorfer Schwestern Generaloberin Sr. M. Marion Schnödt und Generalvikarin
Sr. Magdalen Lay, Prälat Johann Staufer, Regionalpfarrer Klaus Franzl, Priens
ehemaligen Pfarrer Konrad Huber aus Bergen, Äbtissin Domitilla Veith von
Frauenchiemsee, Altbürgermeister Franz Seebauer sowie zahlreiche Vertreter der
Kommunalpolitik und der verschiedenen Ämter willkommen.
Sorgen
um Zukunft der Mallersdorfer Schwestern und Freude über vorzeitigen Baubeginn
Den
Weitblick, das Verantwortungsbewusstsein und die Liebe zu Kindern stellte
Generaloberin M. Marion Schnödt aus Mallersdorf in den Mittelpunkt der
Schwestern-Aufgaben. „Die Not der Kinder war vor fast 150 Jahren der Anlass für
den Ordensstifter Dr. Paul Josef Nardinai. Herz, Geist und Seele sollen auch
heute noch nach den ersten Gründungsgrundsätzen gebildet werden“, so die
Generaloberin. Bei aller Glückwunschfreude brachte sie allerdings auch einen
Wehmutstropfen mit. So wie in vielen anderen Bereichen, so bleiben die
Mallersdorfer Schwestern vom Nachwuchsmangel nicht verschont. Aus diesem Grunde
wird es für den Priener Kindergarten wohl keine Neu-Beschickung mehr geben.
„Aber
heute wollen wir nicht traurig sein, legen wir das Schicksal in Gottes Hand und
hoffen wir auf eine weiterhin gute Zukunft“, so Schwester Schnödt, die auch
ein Bild von Veränderungen in den Erziehungsaufgaben darstellte. „Die
Familienstrukturen haben sich geändert, Mütter haben vermehrt Berufe und damit
Aufgagen zur Familie dazu, Alleinerziehende werden auch mehr und das Vater- und
Gesellschaftsbild hat sich ebenfalls geändert“, so die Generaloberin in ihrer
viel beachteten Festansprache. Bürgermeister Christian Fichtl war begeistert
von den köstlichen Darbietungen in Kirche und Kursaal anlässlich des Jubiläums
und brachte seine eigenen Kindergarten-Erinnerungen vor. „Vor 40 Jahren war
ich dabei, viele damals geschlossenen Sandkasten-Freundschaften haben bis heute
gehalten und wenn sich auch manches Bauliche verändert hat, die gute Seele des
Kindergartens ist geblieben“, so der Bürgermeister, der an Schwester Oberin
Siegtraud noch eine recht angenehme Überraschung übermitteln konnte. Für die
dringend notwendige Sanierung des Kindergartens gibt es einen vorzeitigen
genehmigten Baubeginn, so dass im Sommer mit der Maßnahme begonnen werden kann.
Ein weiteres Geschenk war ein Wappen-Krug der Marktgemeinde an Schwester
Siegtraud, die von ihren insgesamt 53 Ordensjahren 45 in Prien verbracht hat.
„Erwachsene
werden immer kindischer, Kinder dürfen immer weniger Kind sein“
Auch
Lorenz Kollmannsberger als stellvertretender Landrat und langjähriger Priener Bürgermeister
wusste von eigenen Kindergartenerfahrungen vor knapp 60 Jahren zu berichten. Den
lustigen Erinnerungsausführungen folgten ernstere Betrachtungen. „Erwachsene
werden immer kindischer, Kinder dürfen immer weniger Kind sein“, nach dieser
Erkenntnis gilt es die vorzügliche und freundliche Einrichtung von St.
Irmengard auch zukünftig ausreichend Wertschätzung zu schenken, so
Kollmannsberger. In einem weiteren Grußwort im Auftrag von Kardinal Friedrich
Wetter dankte Domkapitular Dr. Lothar Waldmüller allen an der Erziehungsarbeit
tätigen Leuten für die Vermittlung christlicher Werte. „Die von den
Mallersdorfer Schwestern erfolgte Prägung des Kindergartens in den 100 Jahren
wird auch fortan anhalten“, so der Geistliche, dem weitere Grußredner aus den
Reihen der Evangelischen Gemeinde und von dessen Kindergarten-Förderverein
sowie vom Waldorf-Kindergarten mit Spenden und Geschenken folgten.
„Rund
5.000 bis 6.000 Kinder haben wir bisher betreut, das ist ein riesiges Vertrauen
der Eltern. 1.000 Praktikanten waren bei uns und 42 Schwestern waren im
Kindergarten-Bereich, in der Nähschule und im sozialen Bereich für uns tätig“,
so Schwester Oberin Siegtraud in ihrem Abschluss-Bericht beim Festakt. Ihr
besonderer Dank galt dem aktiven Elternbeirat, dem Festausschuss sowie einem
Arbeitskreis, der eine von Priener Geschäftsleuten großzügig unterstützte
und umfangreiche Festschrift erarbeitete (ist im Kindergarten noch erhältlich).
Wie groß der Helferkreis war, zeigte das anschließende Fest im Kindergarten.
Rund 400 Leute machten es sich gemütlich, ließen sich bestens bewirten und
unterhalten.
Nach
der Jugendgruppe des Priener Trachtenvereins im Haus des Gastes zeigte im Freien
die Jugend des Atzinger Trachtenvereins „Daxenwinkler“ ihr tänzerisches Können
mit dem Stern- und Bandltanz. Die Blaskapelle spielte nochmals auf und danach überbrachten
Hannerl Winzek und Kirchenpfleger Sepp Stöttner schöne Gedichte. Höhepunkt
des Kindergarten-Gartenfestes war das Märchenspiel „Glocke des Glücks“, an
der alle Gruppierungen nach umfassenden Vorbereitungen mitwirkten. Heutige und
ehemalige Kindergartenkinder trafen sich natürlich auch noch, um in persönlichen
Gesprächen Freude am 100. Geburtstag des Katholischen Kindergartens von Prien
zu haben.
Anton
Hötzelsperger
Fotos:
Hötzelsperger -
1. Festzug von der Kirche Mariä Himmelfahrt zum Haus des Gastes
(zweimal) - 2. Bandltanz der Trachtenjugend aus Atzing – 3. Glocke des
Glücks – ein Märchenspiel – 4. Laubentanz der Priener Trachtenjugend –
5. Kinder vor gespanntem Auftritt
Auszüge
aus der heiteren Seite der Festschrift (Stilblüten und Anekdoten):
- Florian
auf die Frage, wie alt er sei.... „halb vier“
2.
Maxl spricht Sr. Siegtraud an: „Warum hast Du denn immer das gleiche Kleid an?
Kauf Dir doch ein Neues, oder hast Du kein Geld?“ Sr. Siegtraud darauf:
„Nein, ich hab nicht soviel Geld, dass ich mir immer Neues kaufen kann.“.
Darauf Maxl wieder: „Dann gehst
halt auch mal zum Arbeiten, dann hast auch mal Geld“
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