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Feier am Kriegerdenkmal Prutdorf
Weihejubiläum der Wildenwarter Veteranen

Prien-Prutdorf (reh) 18.05.03 - „Die Kriegerdenkmäler sind Mahnmale zum Frieden unter den Völkern, sind Ausdruck der Verbundenheit der Dörfer mit ihren gefallenen und vermissten Bürgern und bieten den Angehörigen noch heute die Möglichkeit zur stillen Einkehr“. Dekan Bruno Fink dankte bei der Feier zum 75 jährigen Bestehen des Wildenwarter Kriegerdenkmals für fast 60 Jahre Frieden in unserem Land. Der Vorstand des Veteranen- und Kriegervereins Wildenwart Richard Zettl erinnerte an die 110 Namen, die im Kriegerdenkmal vermerkt sind, es handle sich nicht um vergessene Unbekannte, sondern um Söhne des Dorfes, deren Namen und Vornamen auch heute noch vielfach in der Wildenwarter Dorfgemeinschaft vertreten seien. Mit der Kranzniederlegung, dem Ehrensalut und dem Lied vom Guten Kameraden ehrte Wildenwart seine Toten.

Nach der Renovierung in den vergangenen Jahren bot das Weihejubiläum den Wildenwarter Veteranen einen gelungenen Anlass zusammen mit den Dorfvereinen, den Veteranenvereinen der Nachbarschaft und der ganzen Dorfgemeinschaft zu feiern.

Der neugewählte Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Krieger- und Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim Pius Graf gratulierte den Wildenwartern zu ihrem Denkmal, es stehe mitten im Dorf und damit mitten im Leben und mitten unter der Bevölkerung. Die Bürgermeister der Gemeinde Frasdorf Benno Voggenauer und der Marktgemeinde Prien am Chiemsee Christian Fichtl versprachen den Wildenwarter Veteranen auch künftig für den Erhalt und Fortbestand der Kapelle zu sorgen. Die Patenvereine von Söllhuben und Rimsting, sowie die Nachbarsvereine von Frasdorf, Hittenkirchen und Prien am Chiemsee kamen mit ihren Vorständen und Fahnenabordnungen zur Maiandacht in die Christkönigkirche Wildenwart und feierten anschließend gemeinsam im Saal der Schlosswirtschaft von Wildenwart.

Der zweite Vorstand des Veteranen- und Kriegervereins Wildenwart Heinrich Rehberg hielt in seiner Festansprache Rückschau auf die Geschichte der Kriegergedächtniskapelle in Prutdorf. Dabei zitierte er immer wieder Passagen aus der Chiemgauzeitung vom 18.Mai 1928 und suchte die Parallelen zum aktuellen Geschehen.

Am Himmelfahrtstag, 17.Mai 1928 weihte der Priener Pfarrer Rupp das Wildenwarter Kriegerdenkmal ein. Über dreißig Veteranenvereine aus der Region und vier Musikkapellen nahmen am anschließenden Festzug teil. In den Festkutschen fuhren auch noch Veteranen der Kriege von 1866 und 1870/71 mit. Kronprinz Rupprecht von Bayern und Prinzessin Helmtrud, die Schlossherrin von Wildenwart nahmen den Vorbeimarsch der Vereine ab. Im Parademarsch defilierten die Kriegervereine zehn Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges an ihrem Feldherrn vorbei.

Bereits 1926 begannen die Planungen für das Wildenwarter Kriegerdenkmal: es sollte eine Kapelle errichtet werden und in dieser sollten die Namen der Gefallenen auf Platten verewigt sein. Zusätzlich sollte ein Wandgemälde an die Gefallenen erinnern; das Vorhaben, die Fotografien aller 36 Gefallenen anzubringen, ließ sich nicht verwirklichen.

Kaspar Bauer, der Lipp von Prutdorf stellte das Grundstück zur Verfügung, die Baukosten waren mit 2000 Mark veranschlagt. Der schlichte Bau „im rustikalen Stil einer Bauernkapelle, aus rotem Marmor mit Schindeln gedeckt“, wie die Zeitung 1928 schrieb, wurde von einheimischen Handwerkern selbst durchgeführt. Das Gemälde im Inneren führte der Rimstinger Kunstmaler Albert Eybach aus.

Bei strömendem Regen war der Tag der Einweihung. Die Chiemgauzeitung berichtete, dass bis auf einige Tiroler Vereine alle Militärvereine der weiten Umgebung zur Einweihung gekommen seien. Drei Züge marschierten zum Denkmal, Pfarrer Rupp hielt die kirchliche Weihe: Wo Bayerns letzte Königin starb, habe man den Entschluss gefasst eine große Gedächtniskirche zu bauen. Da dieser Plan sich aber nicht verwirklichen lasse, habe man hier in Prutdorf dieses schlichte Heldenmal erbaut, welches ermahnen und lehren solle, was war, was ist und was sein wird. Die Festansprache hielt Hauptlehrer Drexl, einer der Hauptinitiatoren des Denkmalbaus. Bürgermeister Wallner übernahm die Gedenkstätte von Veteranenvorstand Josef Schweiger und den Erbauern in die Obhut der Gemeinde Wildenwart und versprach das Denkmal stets in treuer Pflege und Obhut zu halten. Dieses Versprechen des ehemaligen Wildenwarter Bürgermeisters wurde durch die Jahre hinweg gehalten. Seit dem Bau der Kapelle finden hier alljährlich die Feiern zum Volkstrauertag und die Gedenkfeiern bei den Jahrtagen der Ortsvereine statt.

1952 wurde das Denkmal mit den Gedenktafeln für die 74 Opfer des Zweiten Weltkriegs ergänzt. Bei der unglückseligen Gebietsreform, die Wildenwart 1978 in zwei Teile zerschnitt, fiel das Denkmal an die Marktgemeinde Prien am Chiemsee. Alle Pflege- und Restaurierungarbeiten, soweit sie nicht vom Verein selbst durchgeführt werden, übernimmt seither Prien. So wurde das schadhafte Schindeldach auf der Kapelle und dem Türmchen bereits ausgewechselt. Zum 90jährigen Bestehen des Veteranen- und Kriegerverein Wildenwart ersetzte der Verein die unansehnlich gewordenen Marmortafeln. Die Kosten für die neuen Tafeln aus Granit übernahmen zu gleichen Teilen der Verein und die beiden Gemeinden Frasdorf und Prien. 2001 wurde der Platz rund um das Wildenwarter Kriegerdenkmal durch den Verein neu gestaltet: Ein Zaun aus Lärchenholz hält seither den Straßenverkehr ab, Randsteine aus rotem Granit säumen den Weg, ein weißer Kiesweg führt die Besucher zur Kriegerkapelle. 

Fotos: Rehberg

1.)    Feierstunde am Kriegerdenkmal (von links) Bürgermeister Benno Voggenauer, Frasdorf - Pius Graf, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Krieger- und Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim – Richard Zettl, Vorstand Veteranen- und Kriegerverein Wildenwart – Bürgermeister Christian Fichtl, Prien am Chiemsee – Heinrich Rehberg, zweiter Vorstand Veteranen- und Kriegerverein Wildenwart

2.)    Richard Zettl, Vorstand Veteranen- und Kriegerverein Wildenwart bei der Kranzniederlegung

3.)    Bei der Feier in der Schlosswirtschaft Wildenwart: Bürgermeister Benno Voggenauer, Frasdorf - Pius Graf, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Krieger- und Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim – Dekan Bruno Fink, Prien am Chiemsee - Richard Zettl, Vorstand Veteranen- und Kriegerverein Wildenwart – Bürgermeister Christian Fichtl, Prien

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Stand: 26. September 2002