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Im Chiemgau gesehen
Die
„Hepfinger-Krippe“ zu Umrathshausen
Zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen
Umrathshausen
(hö) 14.12.02 – Die
Wochen vor Weihnachten, gerne auch die „staade Zeit“ genannt, sind im Dorf
Umrathshausen in der Gemeinde Frasdorf von einer besonderen, angenehmen Unruhe
geprägt. Seit 1994 wird nämlich in der Kirche von Umrathshausen eine Krippe
aufgebaut, die eine große Rarität darstellt. Die sogenannte „Hepfinger-
Krippe“ hat nicht nur einen enormen Umfang, sondern jedes Jahr auch eine neue
Überraschung bereit. Geschätzt ist sie ob ihrer künstlerischen Gestaltung und
farbigen Schönheit.
Wie
kam es zu der „Hepfinger Krippe“? Bei einem Gespräch mit Susanne Hepfinger
im nahen Leitenberg erzählte sie von ihrer Tante und Bildhauerin Traudl
Hepfinger (geboren 1913, verstorben 1976) und von deren reichem, künstlerischem
Schaffen. Im Kriegsjahr 1944 gestaltete Traudl Hepfinger auf dem Stroblhof in
Walchsee in Tirol die Heilige Familie und damit den Anfang einer großartigen
Krippe, die bis zum Tod von Traudl Hepfinger jedes Jahr „Zuwachs“ bekam. Die
Figuren sind häufig Porträts von Nachbarn oder Freunden und verleihen somit
der Krippe einen ganz persönlichen Stil.
Seit
den 50iger Jahren, als Traudl Hepfinger nach Leitenberg kam, entstand das
sogenannte „Krippenschauen“ bei ihr Zuhause. Frau Hepfinger schuf die
Figuren aus Linden- und Zirbenholz, sie schnitzte und malte die Figuren mit
beweglichen Gliedern. Rund zwölf Arbeitsgänge waren notwendig, um eine Figur
krippenfertig zu haben. Viel Mühe gab sich Traudl Hepfinger auch mit der
Bekleidung der Figuren mit teilweise alten Stoffen. Als große Tierfreundin
schnitzte die Künstlerin die Tiere mit großer Begeisterung und machte vor dem
Schnitzen viele zeichnerische Studien von Schafen und Pferden auf der Weide oder
im Tierpark von München. Besonders die Kinder erfreuten sich an den
geschaffenen Tieren wie Vögel, Füchse, Hasen, Tiger und Schlangen, die in der
Krippe zu entdecken sind. Die Gästebücher der vielen Jahre des
„Krippenschauens“ im Haus Leitenberg erinnern an ein reges Kommen und Gehen.
Die Räumlichkeiten waren natürlich nicht ausreichend, um all die Möglichkeiten
der Krippenexponate darzustellen. Zuweilen sprach sich das „Krippenschauen von
Leitenberg“ so stark herum, dass sogar Busgruppen vom Priener Goethe-Institut
und Mitglieder des Rosenheimer Krippenvereins sich die Türklinke in die Hand
gaben. Auch in Künstlerkreisen sprach sich das anerkannte Schaffen von Traudl
Hepfinger schnell herum.
Auf
Anregung von guten Freunden entschied sich Nichte Susanne Hepfinger, die Krippe
in der Kirche von Umrathshausen zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen
aufzubauen. Dabei musste sie natürlich einen enormen Arbeitsaufwand in Kauf
nehmen. Die Wochen der Vorbereitungen teilt sich Susanne Hepfinger in guter
Freundschaft mit Mesnerin Gerda Vorderwessner, deren Mann Hans sowie mit Sepp
Pichl von Umrathshausen. Sepp Pichl, der „Heissn-Sepp“ gibt
im übrigen als Schöpfer der Krippenlandschaft beim Aufstellen der
Figuren aus der Sicht des Betrachters genaueste Anweisungen, damit alle Teile
der Krippe richtig zur Geltung kommen. Ab
dem 8. Dezember, dem Festtag von Maria Verkündigung, sind die ersten
Krippendarstellungen am Seitenaltar der Kirche von Umrathshausen fertig. Bis zur
endgültigen Vollendung zu Weihnachten gibt es viele Arbeiten, um die große
Krippenlandschaft stimmig zu machen. „Ein großer Ladewagen voller Sach“ –
so die Verantwortlichen bei der Beschreibung des Arbeitsbeginnes und des
Materialumfanges. Bis ins kleinste Detail gilt es die Figuren so zu platzieren,
dass durch ihr zusammenpassendes Wirken eine Botschaft entsteht. Wie Susanne
Hepfinger sagt, sollen die Figuren erzählen, anregen und auf das Fest der
Geburt Jesu hinführen. Ob in Gruppen oder einzeln ob kniend, sitzend, liegend
oder stehend – die besonderen Beziehungen untereinander können aufgrund der
geschaffenen Anordnung entdeckt werden. Das Entstehen der Krippe in der Kirche
fasziniert auch die Nachbarschaft. So ist Andi Pichl als junger Bub schon
mehrere Jahre mit dabei, wenn es darum geht, die sensiblen Aufbauarbeiten zu
unterstützen. Die modellierten Schafe oder weitere Tiere aus Zirbenholz, das
Panoramabild oder die nicht sichtbaren Unterbau-Arbeiten gilt es fachmännisch
und mit Geduld zu schaffen. Natürlich ist die für Umrathshausen zuständige
Geistlichkeit froh über das besondere Angebot der Krippe. Pfarrer Josef Winkler
aus Aschau und Pfarrer Karl Niederreuther aus Frasdorf verweisen gerne ihre Gläubigen
zum Besuch der inhaltvollen und optisch gelungenen Darstellung in Umrathshausen.
Die Besonderheit der Krippe würdigte in diesem Jahr auch der Pannonia-Verlag.
Im Rahmen seiner Pannonia-Reihe wurde mit Band 240 der Titel „Traudl Hepfinger
und ihre Krippe“ herausgegeben. Auf 48 Seiten und mit etwa 25 Abbildungen wird
diese Krippe ausführlich erläutert. Gemäß kirchlicher Tradition wird die
Krippe erst zum Heiligen Abend richtig fertig werden und einige Tage später mit
den Heiligen Drei Königen vorsichtig ergänzt. Zu sehen ist die Krippe bis zum
Feiertag Maria Lichtmeß am 2. Februar. Die Besichtigung in der Kirche ist täglich
individuell von 9 bis 16 Uhr möglich.
Fotos:
Hötzelsperger
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